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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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DCLXXXVI. Ellphräsia 1 ) L. Augentrost. Franz.: Casse-lunettes, luminet;engl.: Eye-bright; ital.: Eufrasia, eufragia.

Der Name Augentrost (ab und zu auch im Volke) rührt von der früheren Verwendung der Pflanzegegen Augenleiden her. In vielen Gegenden von Oberdeutschland hat das Volk ganz treffend die Beobachtunggemacht, dass das niedliche Pflänzchen den Graswuchs der Umgebung (als Halbschmarotzer!) beeinträchtigt,dem Vieh also sein Futter schmälert und so (indirekt) den Milchertrag des Weideviehes herabsetzt: Oehmd-fresser (Schwab. Alb), Heuschelm (St. Gallen), Wolf, Wiesenwolf, -grind (Kärnten), Milchdieb(z.B. Oesterreich, Tirol, Steiermark, Schwaben, Schweiz), Milchschelm (Defereggen, Steiermark), Milch-tötteln (Kärnten: Katschtal), Milchraber [= -räuber] (Tirol), Weiddieb (Graubünden), Noinzela[= Nichtsnutzle] (Schwab. Alb), Gibinix [= Gib nichts] (Schweiz), Spöttlich (Zillertal; ob noch?). Nachder Blütezeit der Autumnalformen oft bis weit in den Herbst hinein: Augste(n)-Bluest, Augster (Schweiz),Herbstblümel (Böhmerwald), H erb stbluest (Graubünden), H erbstbri egger (Bern), Horb esgr egg'n(Tirol), Grummetblümel (Egerland), Schneeblümel (Böhmerwald). Auf das Aussehen der Blüte (ver-glichen mit demZieger", dem bei der Käsebereitung bleibenden ersten Rückstand?): Schaf zieger (St. Gallen),Augste(n)-Zi eg er (Graubünden, St. Gallen); serlbleaml, Wild e Röserl (Oberösterreich). Auf volks-medizinische Verwendung deuten hin: Brustdee (Nordböhmen), Z ahn w ehkraut, Weisses Ruhrkraut(Oesterreich). Andere Benennungen sind schliesslich noch: Heideln (bayrisches Schwaben), Spirigin.gisli(St. Gallen), Huschal (Niederösterreich), D onn er kr äu t chen (Wiesbaden: Idstein), Züst (Solothurn). Imromanischen Graubünden führt die Art den Namen erba agostina (Puschlav).

Einjährige (in Amerika und Australien auch ausdauernde) Halbschmarotzer. Stengelaufrecht, einfach oder ästig. Laubblätter gegenständig, lineal bis eiförmig, eingeschnitten-gezähnt oder 3- bis 5-spaltig. Blüten in an den Zweigen endständigen Aehren. Trag-blätter wechselständig, den Stengelblättern ähnlich gestaltet. Kelch glockig, 4-spaltig(Taf.242, Fig.2b). Blumenkrone 2-lippig (Taf. 242, Fig. 2 a), mit nach oben trichterig erweiterterRöhre; Oberlippe helmartig, schwach gewölbt, mit kurz 2-lappigem, zurückgeschlagenemSaum, Unterlippe 3-lappig (Fig. 56 b und g), flach.Staubblätter 4, 2-mächtig, mit paarweise einandergenäherten oder durch Haare verbundenen An-theren und getrennten, am unteren Ende oft zu-gespitzten Antherenfächern. Griffel fädlich, mitkopfiger Narbe. Fruchtknoten mit zahlreichenSamenanlagen. Kapsel eiförmig oder länglich, fach-spaltig, mit 2 ungeteilten Klappen (Taf. 242,Fig. 4 b und 5 c). Samen zahlreich, längsfaltig-riefig(Taf.242, Fig. 4d).

Die Gattung umfasst gegen 90 Arten, die Europa,das extratropische Asien, Nordamerika, Australien, Neu-See-land und die Anden Südamerikas bewohnen. Letzteres Gebirgeist die Heimat der Sektion Trifidae mit 3- bis 5-spaltigenLaubblättern; im übrigen Gebiete, also auch in Europa, kommenausschliesslich Arten der Sektion Euphrasia mit ungeteilten,gezähnten Laubblättern vor.

Wie Melampyrum und die nachfolgend behandeltenGattungen sind auch die Art£n def Qattung Euphrasia

Halbschmarotzer. Die Nil,« , . . ,

iNanrpnanzen unserer heimischen Eu-

phrasien sind Gramineen und r» ,, i t^ i

iu ^yperaceen. Versuche, Euphrasien

ohne Nährpflanzen zu kultivierpn u , , .

i- ^um?,eren, ergaben nur schmachtige

Pflanzen, die nicht zur Blüte gelanptpn 7, a um i t- .

s '& ten - -^ur Ausbildung von Fort-

pflanzunsfsorganen scheint der Para«it; om ,, i- , ,

1 ö& »«=' arasitismus unerlasslich zu sein.

Von den heimischen Euphrasien sind die gross-

blütigen Arten (E. Rostkoviana, Kerneri, picta etc.) an Fremd-

Fig-, 47. a Schematische Darstellung einer früh-blühenden, b einer spätblühenden Euphrasia.c Querschnitt durch die erste Anlage eines Haustoriums,das sich einer Gramineenwurzel anlegt. d JungesHaustorium von oben {W = der der Wurzel anliegendeRingwall). e Querschnitt durch ein bereits funktio-nierendes Haustorium (/ eindringende Haustorial-zellen, G ~ Gramineenwurzel). Alle Figuren nachR. v. Wettstein.

] ) Griech. ebcpQaola (euphrasia) = Frohsi

nn, Wohlbefinden; wohl wegen der angeblichen Heilwirkung

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