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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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In Wäldern und auf Voralpenwiesen; nur im Erzgebirge auf dem Keilberg, imMährischen Gesenke auf dem Glatzer Schneeberge und bei Karlsbrunn, ferner in Steier-mark auf dem Kienberge bei Leoben.

Allgemeine Verbreitung: Erzgebirge, Mährisches Gesenke, Steiermark.Karpaten.

DCLXXXV. Bärtschia 1 ) L. Alpenhelm.

Die Gattung umfasst 30 Arten, von denen 6 in Europa und Nordafrika, 24 in Südamerika heimisch sind.

97. Bärtschia alpfna L. Gemeiner Alpenhelm. Tai 240, Fig. 4.

Diese Art wird vom Volke gelegentlich als Ross-Stengel oder Frauentreu bezeichnet.

Ausdauernd. 5 bis 10 cm hoch. Wurzelstock kriechend, ästig, beschuppt. Stengelaufsteigend, seltener aufrecht, einfach, unten zerstreut-behaart, oben drüsig-zottig. UntersteBlätter als schuppenförmige Niederblätter ausgebildet. Laubblätter gegenständig, eiförmig,mit abgerundeter oder seicht herzförmiger Basis sitzend, spitzlich, kerbsägig, kurzhaarig,die oberen trübviolett überlaufen. Blüten in gedrängter, fast kopfiger Aehre in den Achselnvon den Laubblättern gleichgestalteten Tragblättern. Kelch röhrig-glockig, vierspaltig,6 bis 8 mm lang, drüsig-zottig, violett überlaufen. Blumenkrone 18 bis 22 mm lang, trübdunkel-violett, gegen den Grund zu heller, mit langer Röhre; Oberlippe helmförmig, mitnicht zurückgeschlagenem Rand (Taf. 240, Fig. 4 a), Unterlippe flach, 3-lappig. Staub-blätter 4, 2-mächtig, mit getrennten, am unteren Ende zugespitzten Antheren (Taf. 240,Fig. 4c), weisswollig. Kapsel 2-fächerig mit dünner Scheidewand, fachspaltig, 10 bis12 mm lang, ellipsoidisch, behaart. Samen wenige, fiügelig-längsrippig. VI bis VIII.

Auf Alpenwiesen (in allen Wiesentypen), am schmelzenden Schnee, an feuchten,quelligen Stellen, in der Voralpen- (bis ca. 930 m hinab) und Alpenregion der Alpen, desJura, der Vogesen (Iioheneck, Stolzer Ablass), des Schwarzwaldes (Feldberggebiet), imRiesengebirge und im Mährischen Gesenke. Im Wallis zwischen 1100 und 2680 m, imBerninagebiet bis 2830 m, in Tirol zwischen 930 bis 2600 m, in Bayern bis 2470 m undhäufig in die obere Hochebene herabsteigend (auf dem Lechfeld bei Augsburg, im Schleiss-heimer-, Erdinger- und Dachauer Moos); in Oberösterreich zwischen 1300 und 2000 m, inSteiermark zwischen 1600 und 2200 m. Ueberall sowohl auf Kalk als auf Urgestein.

Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Jura, Alpen, Vogesen, Schwarzwald»Sudeten, Karpaten, arktisches Europa und Asien, Altai, arktisches Amerika.

Auch Bärtschia gehört, wie alle Gattungen der Unterfamilie der Rhinanthoideen, zu den grünenHalbschmarotzern. Der Same keimt zwar in der Erde, auch ohne dass die Wurzeln von Nährpflanzen in derNähe wären; aber die junge Pflanze bildet bald Saugwurzeln aus, die die Wurzeln benachbarter Rasenpflanzenergreifen. In den unterirdischen Erneuerungssprossen der Pflanze bilden die schuppenförmigen Niederblättereigentümliche Höhlungen, in welche Haare hineinragen, ähnlich wie bei Tozzia und Lathraea. Wahrscheinlichliegen hier ebenso wie bei den genannten Gattungen wasserabsondernde Organe (Hydathoden) vor. Blüten-biologisch ist Bärtschia eine ausgesprochene Hummelblume, die in den Alpen stark proterogyn ist, während imhohen Norden, wo offenbar die Wahrscheinlichkeit eines Insektenbesuches gering ist, ebenso wie in denSudeten die Pflanze homogam ist und so Selbstbestäubung ermöglicht wird. Bärtschia gehört zumalpin-altaischen" Element der Alpenflora; ihre Verbreitung zeigt grosse Aehnlichkeit mit der von Saxifraga oppo-sitifolia (Gebirge Mitteleuropas, gesamte Arktis, Altai, fehlt aber im Kaukasus und in den Gebirgen von Vorder-asien). Wahrscheinlich ist Bärtschia alpina, ganz ähnlich wie S. oppositifolia, in den Alpen entstanden undvon hier aus während der Eiszeit in die Arktis und von da in den Altai gelangt. Das Fehlen der Art imKaukasus, sowie das Vorkommen anderer Arten der Gattung in Südeuropa spricht sehr für diese Annahme.Als Seltenheit wurden schon weissbliihende Exemplare beobachtet.

') Nach dem im Alter von 28 Jahren 1/38 in Südamerika verstorbenen Arzte Joh. Bartsch. Linnewollte durch Benennung dieser düster gefärbten Pflanze nach seinem Freunde seiner Trauer über dessen frühenTod Ausdruck geben.