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bestäubung angepasst. Der Honig wird von einem am Grunde des Fruchtknotens liegenden Nektariumabgesondert; der gelbe Fleck und die dunklen Striche auf der Unterlippe dienen als Saftmale. Die Antherenliegen so, dass ein zum Nektarium eindringendes Insekt an die herabhängenden, stachelartigen Fortsätze derAntheren anstossen muss, so dass der Pollen herabfällt. Die Blüten sind proterogyn, so dass die Narbebereits nicht mehr empfängnisfähig ist, wenn die Antheren stäuben und daher nur von einem Insekt bestäubtwird, das mit fremdem Pollen beladen ist. Selbstbestäubung ist ausgeschlossen. Aehnlich sind auch die Artenmit mittelgrossen Blüten (z.B. E. stricta) eingerichtet; nur dass hier die Antheren sich früher öffnen, zu einerZeit, wo die Narbe noch belegungsfähig ist, so dass bei mangelndem Insektenbesuch Selbstbestäubung ein-treten kann. Die kleinblütigen Arten (E. Salisburgensis, gracilis etc.) endlich sind homogam und bei diesen istSelbstbestäubung die Regel.
Auch manche Euphrasia-Arten (z. B. E. Rostkoviana und E. curta) treten in 2 Unterarten auf, diesich durch die Verzweigung und Blütezeit voneinander unterscheiden (Fig. 47a, b). Die eine derselben (aestivaleRasse) ist einfach oder wenig verzweigt, hat wenige, gestreckte Internodien und blüht vor der Heumahd imMai und Juni, die andere (autumnale Rasse) ist meist reichästig, hat zahlreiche, kurze Stengelinternodienund blüht im Herbst nach der Wiesenmahd (Fig. 47b). Da die in Betracht kommenden Arten Wiesenbewohnersind, ist es sehr wahrscheinlich, dass die regelmässige Wiesenmahd zur Ausbildung dieser beiden Rassen geführtnat, da natürlich alle jene Formen, die zur Zeit der Wiesenmahd blühen oder ihre Früchte reifen, durch diesenFaktor ausgerottet werden. Ein derartiges Auftreten von durch die Blütezeit und Wachstumsweise voneinanderverschiedenen Rassen, wie es auch bei Alectorolophus, Odontites, vielen Gentianen usw. vorkommt, bezeichnetman als „Saison-Dimorphismus" oder „Saison-Diphylismus" (Vgl. hierüber besonders Wettstein, Monographieder Gattung Euphrasia [Leipzig, Engelmann, 1896J und Untersuchungen über den Saison-Dimorphismus imPflanzenreich in den Denkschriften der math. nat. Klasse d. Kais. Akademie der Wissensch. Wien. LXX. Band, 1900).
Die zur Blütezeit gesammelte, getrocknete Pflanze (namentlich E. Rostkoviana) fand früher unter demNamen Herba Euphrasiae als Tonico-Excitans bei katarrhalischen Beschwerden, bei den verschiedenstenAugenkrankheiten etc. Anwendung. Die Droge enthält ätherisches und fettes Oel, Bitterstoff, Harz, Gerb-säure (Euphrastannsäure), Wachs, Zucker, Gummi, Salze, Farbstoffe etc.
1. Wenigstens dieTragblätter am Rande gegen den Grund zu mit Stieldrüsen besetzt (Fig. 52d bis n) . 2.1*. Pflanze ohne Stieldrüsen......................... 5.
2. Blumenkrone mit einer sich gegen das Ende der Blütezeit verlängernden Röhre, 10 bis 15 mm lang.Verbreitet von der Ebene bis in die Alpen..............E. Rostko v iana nr. 108.
2*. Blumenkrone 4 bis 10 mm lang, sich gegen das Ende der Blütezeit nicht vergrössernd . . 3.
3. Tragblätter von langen, dichtstehenden Drüsenhaaren zottig (Fig. 52d bis n). Blüten weiss, violettgestrichelt. Selten auf Urgestein in den Alpen der Schweiz und von Tirol .... E. hirtella nr. 107.
3*. Tragblätter mit zerstreuten, kurzen Drüsenhaaren besetzt............4.
4. Blumenkrone 6 bis 10 mm lang, lila. Grössere, meist verzweigte Art der unteren Region. Zer-streut in Nordostdeutschland, Oesterreich und in der Schweiz.........E. brevipila nr. 101.
4*. Blumenkrone 4 bis 6 mm lang, gelb oder weiss mit violetter Oberlippe. Kleine, oft unverzweigteAlpenpflanze....................E. minima subsp. drosocalyx nr. 105.
5. Stengelblätter höchstens doppelt so lang als breit. Kapsel am Rande mit feinen Börstchengewimpert................................... 6.
5*. Stengelblätter zwei- bis mehrmal so lang als breit, selten breiter. Kapsel am Rande kahl odermit kleinen, eingebogenen Härchen besetzt....................... 18_
6. Blumenkrone 10 bis 15 mm lang, mit sich gegen Ende der Blütezeit verlängernder Röhre . 7.6*. Blumenkrone 4 bis 10 mm lang, sich gegen das Ende der Blütezeit nicht verlängernd . . 10.
7. Zähne der Tragblätter mit lang-granniger, bogiger Spitze. Blüten blau oder gelb. Zentralalpender Schweiz und von Südwest-Tirol....................E. alpin a nr. 112.
7*. Zähne der Tragblätter nicht lang-grannig zugespitzt............... 8.
8. Die oberen, nicht blütentragenden Blätter stumpf mit stumpfen Zähnen E. picta nr. 110.8*. Die oberen, nicht blütentragenden Blätter spitz mit spitzen Zähnen......... 9.
9. Hochwüchsige, reichästige Pflanze tieferer Lagen mit verlängerten Aesten (Fig. 55 a).
E. Kerneri nr. 109.9*. Höchstens 10 cm hohe, einfache oder am Grunde verzweigte Alpenpflanze E. versi color nr. 111.
10. Blumenkrone 8 bis 10 mm lang...................... 11.
10*. Blumenkrone 2 bis 7 mm lang...................... 14.
11. Höchstens 10 cm hohe, meist am Grunde reichästige Alpenpflanze mit stumpflichen Zähnen deroberen Laubblätter. Alpen von Oesterreich; für die Schweiz unsicher......E. pulchella nr. 106.
11*. Höherwüchsige Pflanzen von tieferen Lagen................. 12.