Druckschrift 
6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
Entstehung
Seite
67
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

. 83.3.81.82.

Zweijährig. Stengel aufrecht, 30 bis 120 cm hoch, steif aufrecht, einfach, angedrücktgraufilzig. Laubblätter oberseits fein flaumig, unterseits angedrückt graufilzig, die grundständigenund die unteren Stengelblätterziemlich lang gestielt, eiförmigbis eilanzettlich, spitz, am Grunderasch zusammengezogen und amStiel schmal herablaufend, diefolgenden allmählich kürzer ge-stielt, die obersten mit verschmä-lerter Basis sitzend; alle gekerbtmit in ein kurzes Spitzchen aus-laufenden Kerbzähnen oder dieobersten ganzrandig. Blüten inanfangs gedrungen-kegeliger, spä-ter lockerer und einseitswendigerTraube, nickend. Tragblätter breit-lanzettlich oder eiförmig, zuge-spitzt, etwa so lang wie die filzigen,10 bis 15 mm langen Blütenstiele.Kelchzipfel breit-eiförmig, spitz,10 bis 12 mm lang, der oberstekürzer. Blumenkrone röhrig-glockig, 4 bis 5 cm lang, mitkurzer, ausgerandeter Oberlippeund etwas längerer, stumpf drei-lappiger Unterlippe, lebhaft hell-purpurn, sehr selten weiss, innenmit dunklen, hell umrandetenFlecken und behaart, aussen kahl.Kapsel eiförmig, im Kelch einge-schlossen, behaart. VI, VII.

In Holzschlägen, an buschigen Abhängen, in lichten Wäldern; von Westdeutschland bisSachsen, sehr vereinzelt auch in Oesterreich. Auf manganhaltigem Boden besonders häufig.In Deutschland häufig im ganzen Westen von den Vogesen und dem Schwarzvvald durch das Elsass,Baden, Rheinpreussen und Westfalen bis an den Teutoburgerwald, am Harz und im Braunschweig'schen, selbstnoch in Ostfriesland bis Aurich. In Württemberg und in Bayern im Nordwesten ziemlich verbreitet, fehlt jedochdem Jura (nur bei Pappenheim und Wedelsheim) fast vollkommen. Nicht selten in der Rhön und im Thüringer-vvalde. Sehr zerstreut im Fichtelgebirge, Erzgebirge und bayerischen Walde, häufiger im Elbsandstein-und Lausitzer Gebirge. Nördlich und östlich dieses Gebietes ursprünglich vollständig fehlend, aber nicht seltenaus Kulturen verwildernd. In Oesterreich nur vereinzelt in Böhmen (Erzgebirge bei Eichwald, Elbsandstein-und Lausitzer Gebirge), in den Beskiden bei Bielitz und bei Litschau im nordöstlichen Niederösterreich. Inder Schweiz ganz fehlend; nur ab und zu verwildert.

Allgemeine Verbreitung: Grossbritannien und Irland, Holland, Belgien,Frankreich, Westdeutschland, Oesterreich, Südschweden, Pyrenäenhalbinsel.

Digitalis purpurea wird nicht nur wegen ihrer prächtigen Blüten als Zierpflanze häufig kultiviert,sondern auch zwecks medizinischer Verwendung oft in Gärten gebaut, da die getrockneten Blätterdie in allen Staaten offizinellen F olia Digitalis " bilden, die allerdings vorschriftsmässig nur von der wild-wachsenden Pflanze gesammelt werden sollten. Gesammelt werden die Blätter vornehmlich in England, inThüringen, im Harz, in den Vogesen und in Oesterreich. Digitalis ist wegen seines Gehaltes an den obengenannten auf das Herz wirkenden Glykosiden eines der wichtigsten Mittel unseres Arzneischatzes. In England

5*

Fig. 39. Digitalis purpurea L,, in der Sächsischen Schweiz.Phot. Jos. Ostermaier, Dresden,