385
Die Gattung zählt ca. 80 Arten, die in der nördlich-gemässigten Zone, im tropischen Asien und inAmerika (bis Chile) verbreitet sind. In Europa ausser nr. 724 und 725 nur noch S. Romanzowiäna Cham,in Irland. Unsere einheimischen Arten werden von Hummeln bestäubt. Als Seltenheiten sind schon Exemplaremit gabelig-geteiltem Stengel (nr. 725) beobachtet worden. Um Eisenach (Thüringen) soll S. autumnalisähnlich wie Aristolochia Clematitis, Helianthemum fumana, Eryngium campestre, Carex pseudocyperus, Aiugachamaepitys etc. stark gefährdet sein. Am Gehrdener Berg in Hannover ist der früher reiche Standort kürzlichdem Pfluge verfallen (Naturhist. Gesellsch. Hannover. Jahrg. 55/57, pag. 105). In Kärnten erscheint S. aestivalisunter der Petzen noch in Gesellschaft von Astrantia Carniolica und Rhododendron hirsutum. Nr. 724 ist einemehr westeuropäisch-atlantische Pflanze.
1. Stengel beblättert. Blütenstand locker............S. aestivalis nr. 725.
1.* Laubblätter grundständig, zur Seite des Blütenstengels eine Rosette bildend. Blütenstand dicht.
S. autumnalis nr. 724.
724. Spiranthes autumnalis Rieh. (= S. spiralis K. Koch, — Ophiys spiralis a.L., = Epipäctis spiralis Crantz, = Seräpias spiralis Scop., = Satyrium spiräle Hoffm.,= Neottia autumnalis Ten.). Herbst-Drehwurz. Taf. 75, Fig. 6 und Tai 68, Fig. 13.
Ausdauernd, 7 bis 35 cm hoch. Knollen meist zu 2 (seltener 1 oder 3), nachabwärts rübenförmig verschmälert, flaumig-weichhaarig. Stengel oberwärts drüsig-behaart,häufig etwas gebogen, bläulichgrün. Laubblätter grundständig, zur Seite des Blütenstengelsrosettenartig angeordnet, die Hauptknospe des nächsten Jahres umschliessend, zur Blütezeitmeist abgestorben, eiförmig bis eiförmig-länglich, breitgestielt, bläulichgrün, die stengel-ständigen zu Schuppen reduziert. Blütenstand schmal, dicht, reichblütig, durch Drehungder Achse fast einseitswendig, drüsig-flaumig. Blüten klein, weiss, angenehm nach Vanilleoder Hyazinthen riechend. Tragblätter eiförmig bis lanzettlich, zugespitzt, dick, an denRändern weisslich und aussen drüsig behaart, länger als der spindelförmige, aufrechte,hellgrüne, etwas gedrehte drüsenhaarige Fruchtknoten. Perigonblätter frei, vom Frucht-knoten wagrecht abstehend (Taf. 68, Fig. 13), am Grunde etwas konkav, innen weiss,aussen grünlich; die äussern linealisch-lanzettlich, stumpf lieh, 3-nervig, aussen etwas drüsen-haarig; die seitlichen innern zungenförmig, 1-nervig, wenig kürzer als die äusseren. Lippelänglich bis verkehrt-eiförmig, fast so lang als die äusseren Perigonblätter, 3 bis 4 mm lang,ausgerandet, vorn wellig-gekerbt, weiss, in der Mitte grünlich. Säulchen schlank, kürzerals die Perigonblätter, fast walzlich, mit verdickter Spitze, hellgrün. — VIII bis X.
Zerstreut auf Sumpfwiesen, moorigen Berg- und Waldwiesen, auf grasigen Triften,Heiden, Weiden, an Rainen, Waldrändern; von der Ebene bis in die Bergregion und bisin die Voralpen. Im nordwestdeutschen Flachlande selten; fehlt in Schleswig-Holstein so-wie in West- und Ostpreussen vollständig.
Allgemeine Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa (nördlich bis Belgien undInsel Ameland), Kaukasusländer, Kleinasien, Nordafrika.
725. Spiranthes aestivalis Rieh. (= Ophrys aestivalis Lam., = O. aestiva Balb.,= Neöttia aestivalis DC, = Tussäcia aestivalis Desv.). Sommer-Dreh würz. Fig. 446.
Ausdauernd, 10 bis 30 (40) cm hoch. Knollen je zu 3 bis 4, spindelförmig,fleischig, schmutzigweiss, stark papillös. Stengel schlank, meist ein wenig hin und herge-bogen, kantig bis fast stielrundlich, oberwärts schwach drüsig-flaumig, beblättert. UntereLaubblätter aus scheidigem Grunde lineal-lanzettlich oder lanzettlich, rinnig, gekielt,aufrecht-abstehend, gelblichgrün, 5- bis 7-nervig, netzaderig, die untern einander genähert,die obersten kleiner, kurzscheidig, tragblattartig, entfernt. Blütenstand schmal, verlängert,locker, gewöhnlich drüsig-behaart, durch Drehung der Achse fast einseitswendig. Trag-blätter lanzettlich, zugespitzt, so lang oder länger als der Fruchtknoten. Blüten etwasgrösser als bei nr. 724, besonders abends wohlriechend. Fruchtknoten verlängert-spindel-