Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
377
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

N-4»

377

Ausdauernd, 20 bis 60 (100) cm hoch. Grundachse ziemlich dick, gewöhnlichwagrecht, mit zahlreichen, fast fleischigen Wurzeln. Stengel stielrundlich, steif aufrechtoder kurz aufsteigend, zuweilen etwas hin- und hergebogen, besonders oberwärts weichhaarig,oft rötlich überlaufen, am Grunde mit enganliegenden, spitzen Scheidenblättern. Laub-blätter meist länglich-eiförmig, ziemlich steif, abstehend, vielnervig (mit kielartig vortretendemMittelnerven), zuweilen etwas sichelartig gekrümmt, nicht selten (besonders die untern)rotviolett überlaufen, an den Rändern und auf den Nerven dicht mit Papillen besetzt, faststets länger als die Stengelglieder. Blütenstand verlängert, lockerblütig. Blüten ziemlichklein, gewöhnlich purpurviolett bis rotbraun, angenehm nach Vanille (zuletzt auch schwachnach Gewürznelken) duftend. Tragblätter lanzettlich bis eiförmig, zugespitzt, vielnervig,papillös, die unteren etwas länger als die Blüten. Fruchtknoten gewöhnlich grünlichbraunund violett überlaufen, dicht-flaumig; 6-rippig, deutlich gestielt. Perigonblätter lockerausgebreitet, eiförmig, 5 bis 8 mm lang, spitz, ungefähr gleich lang oder die seitlicheninneren kürzer. Lippe etwas kürzer als die übrigen Perigonblätter; das hintere Glied mitweiter, spitzwinkeliger Mündung, länglich, dunkelviolett, das vordere heller, herzförmig,breiter als lang, zugespitzt, am Rande meist gekerbt, am Grunde mit 2 krausgefaltetenHöckerchen (Taf. 68, Fig. 2). Säulchen kurz, gelblichweiss, rötlich überlaufen. Pollinienhellgelb. Fruchtkapsel ziemlich klein, eiförmig bis länglich-eiförmig, am Grunde plötzlichin den Fruchtstiel zusammengezogen, hängend, flaumig-weichhaarig. VI bis VIII.

Häufig auf lichten Waldplätzen, in Laub- und Nadelwäldern (gern in Kieferwäldern),an Waldrändern, an sonnigen, trockenen oder buschigen Abhängen, dürren Hügeln, in Erika-und Wacholdergebüsch, im Krummholz, auf sandigen Dünen, in Dünenheiden; von derEbene bis in die alpine Region (Sassalbo im Puschlav in Graubünden, 2185 m). Besondersauf Kalk (gern auch auf Tuffstein).

Fehlt in der nordwestdeutschen Tiefebene, im grössten Teile von Westfalen sowie im norddeutschenFlachlande (östlich der Elbe fast nur an den Küsten der Ostsee); für Mecklenburg und Schleswig-Holstein fraglich.

Allgemeine Verbreitung: Europa (nördlich bis Skandinavien), Kaukasus,Nordpersien.

Aendert wenig ab: f. viridiflöra Sanio, Perigon gelblich-grün bis grün (Selten). f. lutescensCoss. et Germ. Perigonblätter hellgelb (Selten). f. pällens Beckhaus. Pflanze hellgrün. Blüten grünlich-weiss, rotbraun angelaufen, f. stenopetala Waisbecker. Blüten etwas grösser als beim Typus. Perigon-blätter 7 bis 10 mm lang, schmal lanzettlich, lang zugespitzt. Lippe gleichfalls schmäler (Selten). Ausserdemsind auch Monstrositäten (Stengel wiederholt gabelig-geteilt, Blütenstand spiralig gewunden, Hochblätter verbundenund Blüten zu 2 stehend) bekannt. E. atropurpurea gehört an der Meeresküste zu den häufigen Bestandteilender Dünenflora. Hier erscheint sie in Gesellschaft der verschiedenen Dünengräser (Elymus arenarius [Bd. I, pag. 402].Ammophila arenaria [Bd. I, pag. 237], Agriopyrum iunceum [Bd. I, pag. 386], Festuca rubra var. arenaria, [Bd. I,pag. 342], ferner von Juncus Balticus (Bd. II, pag. 153), Salix Pomeranica und S. repens, Corispermum inter-medium, Salsola Kali, Honckenya peploides, Lathyrus maritimus, Hippophaes rhamnoides, Viola tricolor var.maritima, Eryngium maritimum, Linaria odora, Jasione montana, Petasites tomentosus, Artemisia campestris,Hieracium umbellatum, Anthyllis vulneraria var. maritima etc. Im südlichen Teile erscheint sie mit Vorliebe inder Bergregion und zwar häufig an sandigen, trockenen, dürren Abhängen, in Gesellschaft von Salix incanaund grandifolia, Carex alba, Orchis maculatus (nr. 697), Parnassia palustris, Dryas, Briza media, Carum carvi,Thymus, Lotus, Helianthemum chamaecistus, Phyteuma orbiculare, Potentilla Tormentilla, Petasites niveus,Hieracium pilosella, Carduus defloratus, Veronica urticaefolia, Valeriana tripteris und V. montana etc.

717. Epipactis microphylla 1 ) Sw. (= Helleborine microphylla [Ehrh.] Schinz et Thellung,= Seräpias microphylla Ehrh.). Busch-Sumpfwurz. Fig. 442.

Ausdauernd, 15 bis 40 cm hoch. Grundachse kurz, mit zahlreichen ziemlichdicken, hellbräunlichen Wurzeln. Stengel zart, schlank, oft etwas hin und hergebogen,

*) Gr. fMXQÖg (mikrös) = klein und gr. (pvXXov (phyllon) = Blatt.Hegi, Flora.

53