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Zu dieser Gattung, welche allerdings der folgenden sehr nahe steht und deshalb nicht selten (Wettstein,M. Schulze) auch mit ihr vereinigt wird (Fruchtknoten aber nicht gedreht, Lippe daher nach aufwärts gerichtet!),umfasst nur die beiden folgenden leicht kenntlichen Arten (vgl. Wettstein, in den Berichten der deutschenbotan. Gesellsch. Bd. VII, 1889, pag. 306).
1. Blütenstand annähernd kugelig. Blüten schwarz-purpurn. Lippe 3-eckig (Taf. 68, Fig. 24), mitlanger, gerader Spitze.........................N. nigra nr. 707.
1*. Blütenstand eiförmig bis walzlich. Lippe eiförmig (Taf. 68, Fig. 23, Fig. 437 b), mit allmählichausgeschweifter Spitze.........................N. rubra nr. 708.
707. Nigritella nfgra (L.) Rchb. (= N. angustifölia Rieh., = Gymnadenia nigra Rchb.
fil., = Satyrium nigrum L., = Örchis niger Scop., = O. miniatus Crantz). Schwarzes
Kohlröschen. Franz.: Petite brünette, Orchis vanille; engl.: Scented Nigritella; ital.:
Palmacristi. Taf. 74, Fig. 8, Taf. 68, Fig. 24 und Fig. 43/d, e.
Die meisten Volksnamen dieser Alpenpflanze beziehen sich auf den kolbenförmigen, dunkelgefärbten(angebrannt, braun, russig, blutig, kohlschwarz) und wohlriechenden Blütenstand: Kölmlan [= Kölbchen, pl.](Kärnten), Kölbel (Tirol: Lienz, Gschnitztal), Chölbli (Waldstätten), B e rgchölbli (St. Gallen), Walserli[= Walze] (Waldstätten); Bränzchen (Kaunsertal), B rändle, Bräntele, Brantala (Algäu), BrändliBrännli, Bränderli (Schweiz), Kuhbrändli (Kaunsertal), Jochbrändli (Niederösterreich); BrunellenBraunellen (Bayer. Alpen, Tirol); Ruasseli (St. Gallen), Rus chölbli (Waldstätten); Blutblumen(Kärnten, Steiermark), Blutrose (Weststeiermark), Blutkrau t, Blutrö sei, Blutnagel (Osttirol, Kärnten).Blutströpfel (Oberösterreich, Obersteiermark. Tirol, Salzburg, Kärnten), Bluet strö pf li (Graubünden:Fideris), Naseblüeter (Graubünden: Prättigau), Schweissbleaml [„Schweiss" in der Bedeutung „Blut",vgl. „schweissen" in der Jägersprache = bluten] (Reichenhall, Salzburg, Tirol); Kohlrösel, Kohlröserl(Alpenländer); Schwarzling (Oberösterreich), Mohrenköpfli, Möhrli [von „Mohr"] (Schweiz). Denvanille- oder schokoladeartig duftenden Blüten verdankt die Pflanze Namen wie Vanilliblüml (Oberösterreich);Vanilleb lü amli (St. Gallen), Almvanille (Kärnten), S chokola deblüemli (Schweiz); Kopfweh-blüemli [wegen des starken Geruches] (Graubünden: St. Antonien). Sie wird auch in die Kleiderkästengelegt, um durch ihren starken Duft das Ungeziefer (Schaben, Läuse) zu vertreiben: Schabe (n)-chrut,-blüemli, -kölbli, -nagele (Schweiz), Lus-chölbli (Waldstätten). Nach der Blütezeit und dem Vor-kommen in der Höhe (bei Almen): Sonnawendschöberl (Niederösterreich, Steiermark); Almdöllerl(Salzkammergut), A1 mrugerl (Bayern : Berchtesgaden), Steinrösel (Oberösterreich, Kärnten). Die BezeichnungenMannstreu. Männertreu (Schweiz) weisen darauf hin, dass auch diese Orchidee im Volkslebeneine gewisse Rolle spielt. Nach dem Vorkommen auf Kämmen heisst es in der Schweiz (Glarus, St. Gallen)Chammblüemli. Zu Handlkraut [nach den Wurzelknollen!] (Tirol) und Chantabluemä (St. Gallen,Churfirstengebiet) vgl. unter Orchis pag. 337. Im romanischen Graubünden heisst unsere Art Flurs d'alp,Flurs d'cuolm, Fluor da tschigolatta oder Brünettas.
Ausdauernd, 8 bis 15 (30) cm hoch. Knolle 2-teilig oder bandförmig in 3 bis 5oft ziemlich kräftige, zusammengedrückte Abschnitte gespalten. Stengel aufrecht, durchdie herablaufenden Ränder und Nerven der Blätter etwas kantig, bis oben beblättert, amGrunde mit häutigen, spitzen Scheidenblättern. Laubblätter ziemlich zahlreich, linealisch,fast grasartig, ziemlich dick, rinnig, nervig, kahl, am Rande fein gezähnelt, oberseits dunkel-grün, unterseits heller, die obern sitzend, aufrecht, tragblattartig. Blütenstand sehr dicht,anfangs kurz-kegelförmig, später kugelig bis kugelig-eiförmig, selten etwas verlängert.Blüten klein, in der Regel schwarzpurpurn (seltener rosarot, reinweiss oder hellgelb), intensivnach Vanille duftend. Tragblätter schmal-lanzettlich, zugespitzt, mit 2 purpurroten Nerven,so lang oder wenig länger (die obern kürzer) als die Blüten. Perigonblätter getrennt,spitz, zuletzt sternartig ausgebreitet, 1-nervig, (Taf. 68, Fig. 24); die äussern lanzettlich,verschmälert, spitzlich, 5 bis 8 mm lang und ca. 2 mm breit, die seitlichen innern so langoder nur etwa halb so breit als die äusseren. Lippe nach oben gerichtet, ungefähr gleich langwie die übrigen Perigonblätter (Taf. 68, Fig. 24), 5 bis 8 mm lang und 4 bis 5 mm breit, 3-eckig,zugespitzt, mit langer, gerader Spitze, am Grunde plötzlich verschmälert (ungeteilt oder seltenmit 2 sehr kurzen Seitenlappen; Fig. 43/ d, e), geädert. Sporn kurz (2 mm lang), 1 ji, bis 7s so