364
lebhaft grün oder rötlich überlaufen, schwach riechend. Tragblätter lanzettlich oderlänglich, krautig, 3-nervig, so lang oder länger als der gedrehte Fruchtknoten bezw. dieBlüten. Die 5 Perigonblätter bilden einen fast kugeligen Helm, aus welchem die Spitzender innern seitlichen Perigonblätter hervorragen. Aeussere Perigonblätter eiförmig oderlänglich-eiförmig (Taf. JA, Fig. 3 a), ziemlich stumpf, 3- bis 5-nervig, getrennt oder biszur Mitte verbunden; die seitlichen inneren linealisch, spitz, hell gelblich-grün, so langwie die äusseren, zuweilen seitlich mit einem kleinen Zähnchen. Lippe dick, flach, breit-lineal,vorn 3-zähnig (Zähne stumpf, 1 bis 3 mm lang), herabhängend, 5 bis 10 mm lang,grünlichgelb bis bräunlich, vom Grunde bis ungefähr zur Mitte mit 2 scharfen Längsleisten.Mittelzahn der Lippe meist kürzer und zurückgebogen. Sporn sehr kurz, ziemlich dick,fast sackförmig, grünlich-weiss, stumpf bis ausgerandet, nur l /e so lang als der Frucht-knoten. Säulchen schmal. Staubbeutel rötlich, stumpf, mit am Grunde auseinander gehenden,durch ein hellgrünes Schnäbelchen getrennten Fächern. Pollinien grünlich. Klebkörperklein, rund, kaum breiter als die Stielchen, nach unten gewölbt. Staminodien gross,stumpf. Narbenhöhle nierenförmig bis fast 3-eckig. — V, VI.
Häufig auf kurzbegrasten Triften und Rainen, auf Berg- und Alpenwiesen, auf Sumpf-wiesen, in Waldlichtungen, in Wäldern, im Krummholzgürtel, in Schneetälchen; in denAlpen vereinzelt bis 2600 m. Auf Kalk- und Urgestein.
Allgemeine Verbreitung: Gemässigtes Europa (fehlt in der niederländischen,nordwestdeutschen und ungarischen Ebene, in der immergrünen Region der Mittelmeerflora,in Dalmatien und in der Arktis), Kaukasus, Kleinasien, Sibirien, Nordamerika.
Aendert ausser in der Grösse, Tracht und Blütenfarbe folgendermassen ab: f. bracteatum Richter(= Orchis bracteätus Willd.). Tragblätter länger, oft bedeutend länger als die Blüten (Hie und da). — f.longibract eätum Aschers, et Graebner. Aehnlich, aber Tragblätter und Blüten stark rot überlaufen. —var. Isländicum Max Schulze (= PeriStylus Islandicus Lindl.). Stengel 2-blätterig, ca. 4 bis 10 cm hoch.Laubblätter länglich, zusammengefaltet. Unterste Tragblätter länger als die wenig- (2- bis 5-) blutige Aehre.Lippe lanzettlich, ungeteilt. Sporn tief ausgerandet (Schweiz: Feegletscher im Kanton Waadt). — Coeloglossumviride ist hauptsächlich in den Alpen und Voralpen verbreitet, wo es stellenweise tief hinabsteigt (Bodenseeriet400 m, Branson im Wallis 500 m, Roelban bei Genf ca. 350 m, bei Cernuce und Jezica in Savetal [Krain]300 m). Ausserdem erscheint es zerstreut fast in allen übrigen Gebieten (fehlt vollständig nur im nordwest-deutschen Flachlande, in Mecklenburg, Pommern und wahrscheinlich auch gänzlich in Schleswig-Holstein),so z. B. noch auf der Rominter Heide in Westpreussen (bei Dubeningken) zusammen mit Trifolium spadiceum,Botrychium lunaria (Bd. I, pag. 44) und Heracleum Sibiricum var. angustifolium. Am häufigsten tritt C. virideauf den Weiden und kurzbegrasten Wiesen der Alpen auf (im Horstseggenrasen [Carex sempervirens, Bd. ILpag. 103], im Festuca varia-Typus [Bd. I, pag. 347] etc.), oft in Gesellschaft von andern Orchideen (Nigritellanigra [nr. 707], Gymnadenia albida [nr. 710], Gymnadenia odoratissima) zusammen mit Botrychium lunaria, Ranunculusmontanus, Euphrasia Salisburgensis, Polygonum viviparum etc. Ausserdem erscheint es in den Alpen vereinzelt in demKrummholzgürtel, in den Rasen von Salix retusa oder, steigt in die Bergwälder hinab (vgl. Neottia, nr. 728),wo es dann meistens mit verlängerter Blütenähre angetroffen wird. Die Bestäubung wird wahrscheinlich durcheinen Nachtfalter vermittelt. — Von Bastarden wurden als Seltenheiten beobachtet: I. O. incarnatus L. XCoeloglossum viride Hartm., einzig aus Oberbayern (Rosstein bei Kreuth) bekannt. 2. O. maculatus L. XC. viride Hartm. (= Orchicoeloglössum mixtum Aschers, et Graebner), nur im Riesengebirge beobachtet.3. Orchis sambucfnus L. X C. viride Hartm. (= Orchis Erdingeri Sennholz, = Piatanthera ErdingeriKerner), selten in Niederösterreich (im Klauswalde bei St. Anton im Erlaftale und am Semmering konstatiert).
CXC. Nigritella 1 ) Rieh. Kohlröschen.
Perigon sternartig ausgebreitet. Lippe nach aufwärts gerichtet, ungeteilt. Kleb-körper nackt, einander genähert, nach aufwärts gerichtet. Fortsatz des Schnäbelchenszwischen den Staubbeutelfächern eine schmale Falte bildend. Blätter schmal, fast grasartig.
! ) Niger = schwarz; nach der Blütenfarbe der typischen Nigritella nigra.