Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
349
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

349

692. Orchis Provinciälis*) Balb. (= O. Cyrilli Ten., = O. pällens Savi). Süd-französisches Knabenkraut. Fig. 429 und Fig. 420c.

Ausdauernd, 10 bis 30 cm hoch (ähnlich der vorigen Art). Knollen ungeteilt,kugelig bis länglich (die junge mitunter gestielt). Stengel stielrundlich, unter der Aehreoft kantig, gelblichgrün, am Grunde gewöhnlich von spitzenScheidenblättern umhüllt. Laubblätter aus schmälerem Grundelänglich-lanzettlich bis lanzettlich, spitz bis fast stachelspitzig,bläulichgrün, oft schwarzpurpurn gefleckt, unterseits heller,die obern kleiner (tragblattähnlich), alle den Stengel scheiden-artig umfassend. Aehre meist wenig- (bis 14-) blutig, anfangseiförmig, zuletzt verlängert, mit ziemlich locker gestellten,hellgelben, weisslichen oder gelben, schwach nach Holunderriechenden Blüten. Tragblätter lanzettlich, spitz bis zugespitzt,so lang oder fast so lang als der blassgrüne, linealische,schwach gebogene Fruchtknoten, 1- bis 3-nervig. AeusserePerigonblätter frei, länglich-eiförmig, 3-nervig, die seitlicheninneren kürzer, 1- bis undeutlich 3-nervig. Lippe ungefährso lang als die äusseren Perigonblätter, kurz papillös (Fig. 420 e),in der Mitte mit purpurbraunen Punkten, am Rande ausge-bissen-gezähnelt bis (seltener) ganzrandig, mit 2 meist zurück-geschlagenen Seitenlappen und mit gestutztem, ausgerandetemoder gespaltenem Mittellappen (Fig. 429). Sporn so langoder etwas länger als der Fruchtknoten, keulenförmig, ge-krümmt, aufsteigend, stumpf. Säulchen kurz, nicht halb solang als die inneren Perigonblätter. IV, V.

Sehr selten auf Hügeln, an felsigen Orten.

Fehlt in Deutschland gänzlich. In Oesterreich einzig imsüdlichen Tirol (Val Vestino [10001300 m]), Alpe Verba bei Bolone, beiBolognano nächst Arco, im Ledrotal bei Cadriona und oberhalb PregasinaiMonte Baldo). In der Schweiz als Seltenheit im Tessin (Aldesago am Monte Bre bei Lugano).

Allgemeine Verbreitung: Mittelmeergebiet und vereinzelt in dessen AusStrahlungen.

Fig. 429. Orchis ProvincialisBalb. a Habitus (V2 natürl. Grösse).b Einzelblüte mit Tragblatt (von derSeite), c mittleres äusseres, d inneres.e seitliches äusseres Perigonblatt.

693. Orchis palüster Jacq. (= O. Mediterräneus Guss.). Sumpf-Knabenkraut.

Fig. 430 a bis h.Ausdauernd, 30 bis 50 (60) cm hoch. Knollen ungeteilt, kugelig bis länglich.Stengel straff - aufrecht, stielrund, hohl, hellgrün, nach oben gewöhnlich rötlich oder violettüberlaufen, am Grunde mit einigen kurzen, locker gestellten Scheidenblättern. Laubblätteraus breitscheidiger Basis lineal-lanzettlich, vom Grunde an verschmälert, lang zugespitzt,aufrecht abstehend, höchstens 1 cm breit, etwas gebogen, am Rande oft eingerollt, tiefrinnig, gewöhnlich ungefleckt, die oberen schmal-lanzettlich und meist nicht länger als derFruchtknoten. Aehre verlängert, walzlich, sehr locker, mit ziemlich grossen, gewöhnlichviolett-purpurroten, bisweilen rosaroten oder sehr selten rein weissen Blüten. Tragblätterlineal-lanzettlich, so lang oder etwas länger als der Fruchtknoten, zugespitzt, violett über-laufen oder gefleckt, mit 3 bis 5 grünen, etwas durchscheinenden, bisweilen durch Quer-adern (namentlich am Grunde) verbundenen Nerven. Perigonblätter frei, länglich, stumpf,3-nervig; die äusseren über dem Grunde verbreitert, die innern seitlichen nicht ganz so

*) Benannt nach der Provence (lat. Provincia) in Südfrankreich.