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auch: Kerzenblume (Moselgegend), Deiwelsangesicht (Nahegebiet), Zigeuner, Kohlmändl (RauheAlb), Kückerikük [= Hahn. Das Volk sieht wohl in der Blüte Sporn und Kamm!] (Gotha), Güli, Gulli,Gül eli [Hahn] (Schweiz; das Gullimoos beiWinterthur [Schweiz] war früher eine besonders ergiebige Fundstelle fürOrchideen), Wranhanlain [Frauenhahnchen] (Krain-Gottschee), Chanta [= Kanne], Kaffichanta (St. Gallen),Fläschblume (Nahegebiet), Herrgotts Fleisch und Bluat (St. Gallen). In den Flecken der Blättervieler Orchis-Arten sieht man bald die gefleckte Haut der Schlangen, bald die Tränen der Muttergottes „oderunpoetischer Sommersprossen": Katschenkraut [Schlangenkraut] (Krain: Gottschee), S chlange(n)krut(Elsass); Thränä, Muettergottes thränä (Schweiz : Waldstätten); Summasprekeln (Nordböhmen). Vonjeher erregten die fingerförmig geteilten Wurzelknollen vieler Orchis-Arten (vgl. auch Gymnadenia pag. 369) dieAufmerksamkeit des Volkes, das ihnen Namen gab wie: Muttergotteshand (Riesengebirge); Gotteshand(Braunschweig), Gotteshändchen (Gotha); Johanneshand (Hannover: Alte Land), Johannispootjen[= pfötchen] (Ostfriesland); Handlwurz, Handlkraut (Salzburg, Tirol); D uiv elskr alle (Braunschweig),Teufelsklaue (Vorpommern), Teuf elsf üsschen (Gotha), Teufelskralle (Riesengebirge), Deiwels-blume (Nahegebiet); Chris tusfus s; Krahfuss (Kärnten); Kuhfuss (Vorpommern); Kuheuterchen(Ostpreussen), Geissuter [= Geisseuter] (Graubünden: Schiers). Auch weiss das Volk recht gut, dass dieOrchis-Arten zweierlei Knollen, eine (zur Blütezeit) vertrocknete, schwärzliche (diesjährige) und eine glatte,weisse (für das nächste Jahr bestimmte) besitzen ; erstere ist das „Gottes-, Johanneshändchen, Adam" usw., letztere„Teufelsklaue, Eva" usw.: Guods Händken un D ü w els-Fötke n [= Teufelsfüsschen] (Westfalen),Johanneshand und Düwelsklaue (Nordwestl. Deutschland), Engelkes und Teufelchen (Nassau);Hans un Talke, korrumpiert Häsentälke (Oldenburg), Hans und Grete (Hannover: Hadeln);Adam und Eva (Altbayern, Kärnten). Die Bezeichnungen „Knabenkraut" mit Rücksicht auf die Gestaltder Knollen ist im Volk verhältnismässig wenig gebräuchlich: Buabnkraut (Krain: Gottschee), Bube(n)kraut{Württemberg: Leutkirch); Chnabe(n)-Chrut (Aargau). Dass die Knabenkräuter auch noch jetzt in der Volks-erotik eine grosse Rolle spielen, deuten Bezeichnungen wie Bokswürza (Waldstätten), Nachlauf würze(Graubünden), Liebswürzä (Waldstätten) an. Zu Fraublume (Nassau), Fraeblume, Froiimsblume(Nahegebiet), Frauedraeer (Aargau), Frauendrahten (Thurgau) vgl. oben „Muettergottesthränä" ! Auchmit Hyazinthen oder Nelken werden die Orchis-Arten verglichen: Wilde Zinggli, Wildi Gläsli, Gräs-nägeli (Thurgau), W T ilde Zirtha (St. Gallen); zu Gutschli, Chuent s che-Maie(n) vgl. Colchicumautumnale, Bd. II, pag. 196. Ist Kathrin che n (Rheingau) mit „Frauenblume" in Beziehung zu bringen? Namen wieS chwieneblome (Westfalen: Driburg), Rossblüemli (Waldstätten) dürften das häufige Vorkommen inmanchen Gegenden bezeichnen (oder mit Beziehung als Aphrodisiacum?).
Wie schon aus vielen Volksnamen hervorgeht, erregen die charakteristisch gestalteten Wurzelknollenvieler Orchideen die Aufmerksamkeit des Volkes. Die fingerartig geformten tragen abergläubische Leute nichtselten als Glücksamulett („Johanneshändchen", weil am Johannistag gegraben; vgl. auch Bd. I. pag. 18) mitsich. Kinder graben die Knollen aus und werfen sie ins Wasser; die schwarze, untersinkende ist der „Teufel",die „Eva" usw. (s. o.); die weisse wird gegessen (z. B. Sulzemoos bei Dachau in Oberbayern).
1. Alle Perigonblätter mit Ausnahme der Lippe zusammenneigend (Taf. 69, Fig. 6, /, 9). Knollenstets ungeteilt. Tragblätter gefärbt.......................... 2.
1*. Die beiden seitlichen äusseren Perigonblätter abstehend (Taf. 69, Fig. 4) oder zurückgeschlagen,die 3 übrigen helmförmig zusammenneigend (vgl. auch O. Spitzelii und globosus) ......... 9.
2. Lippe 3-lappig, breiter als lang, mit breiten Seitenlappen (Taf. 69, Fig. 7). Sporn wagrecht ab-stehend oder aufsteigend........................O. Mo rio nr. 681.
2*. Lippe 3-spaltig oder 3-teilig, mit verlängertem, an der Spitze verbreitertem oder 2-spaltigemMittellappen (Taf. 69, Fig. 9, Fig. 425 b)........................ 3.
3. Tragblätter so lang oder länger oder doch wenigstens halb so lang als der Fruchtknoten . 4.3*. Tragblätter höchstens 1 /s so lang als der Fruchtknoten..............7.
4. Mittellappen der Lippe ganz (Taf. 69, Fig. 9, Fig. 425 b).............. 5.
4*. Mittellappen der Lippe gespalten, nach vorn allmählich verbreitert (Taf. 69, Fig. 6) .... 6.
5. Perigonblätter eiförmig bis länglich-eiförmig, zugespitzt. Mittellappen der Lippe länglich-lanzettlich,zugespitzt. Blütenstand walzlich. Blüten bräunlichrot, nach Wanzen riechend. . O. coriophorusnr. 682.
5*. Perigonblätter oval, plötzlich in eine haarförmige Spitze zusammengezogen (Fig. 425). Mittellappender Lippe abgestutzt. Blütenstand fast kugelig. Blüten hellrosa. Auf Gebirgswiesen O. globosus nr. 688.
6. Blütenstand anfangs kugelig, später walzlich-länglich, vielblütig, oben (im nichtblühenden Zu-stande) schwärzlich. Sporn '/s bis '/* so ,an S als der Fruchtknoten......O. ustulatus nr. 683.
6*. Blütenstand fast kugelig, oben nicht schwarz, sondern hellpurpurn. Sporn wenigstens halb so langals der Fruchtknoten (Fig. 421 b). ..................O. tridentatus nr. 684.