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Verschiedene einheimische Orchis-Arten, welche der europäisch-asiatischen Waldflora angehören,zeigen wie O. Morio, latifolius, maculatus, masculus und incarnatus eine sehr grosse Verbreitung. Der süd-europäisch-pontischen Flora gehören im engeren Sinne O. Provincialis, laxiflorus und Simia, im weiternO. tridentatus, pallens, paluster und sambucinus an. Als alpin — allerdings mit mehr subalpiner Verbreitung —■sind einzig O. globosus und der seltene O. Spitzelii zu bezeichnen. Biologisch sind die Orchis-Arten namentlichwegen der eigenartigen Uebertragung des Pollens interessant. Wie bei vielen anderen Orchideengattungen stellendie helmförmig zusammenschliessenden Perigonblätter für die inneren Teile der Blüte ein Schutzdach dar.Die mit einem Saftmale (Flecken, Zeichnung) versehene Lippe bildet für die Insekten eine bequeme Anflug-stelle. Der + lange Sporn sondert zwar bei den meisten Arten keinen freien Nektar ab (nur bei O. cori-ophorus wird sehr wahrscheinlich freier Nektar abgeschieden; vgl. hierüber Loew. Verhandl. des bot. VereinsBrandenburg. 17. Jahrg., 1905). Dieser ist vielmehr im Gewebe des Sporns eingeschlossen und muss vonden Insekten von innen her aus der Wandung erbohrt werden. Die beiden Pollinien (vgl. Bd. II, pag. 323)sind in der Blüte in der Weise angeordnet, dass ein honigsuchendes Insekt am Eingang in den Honigspornwährend des Saugens fest gegen die Klebscheibe der Pollinien drückt. Dadurch wird die Oberhaut desBeutelchens zerrissen und die beiden kleinen, runden, klebrigen Läppchen kleben sich dem Kopfe an und haftendurch sofortiges Erhärten ihres Klebstoffes an denselben fest. Zieht nun das Insekt den Kopf aus dem Spornzurück, so nimmt es zugleich mit den Klebscheiben die mit dem letzteren verwachsenen keulenförmigenPollinien mit sich fort (Dieses Experiment kann mit einer Bleistiftspitze oder mit einer Nadel leicht künstlichnachgeahmt werden; vgl. Fig. 420 d bis f.). Die Pollenmassen sitzen dem Kopfe des Tieres — manchmal vorden Augen — fest auf und stehen anfänglich vom Körper steif ab. Während des Fluges krümmen sichdie Stielchen der Pollinien unter der Last des Pollens und biegen sich immer weiter nach vorn, bis sie schliess-lich eine Drehung von 90° ausgeführt haben. Dadurch werden sie dann, wenn ihr Träger eine andere Orchis-blüte besucht, gerade auf die stark klebrige, feuchte Narbenfläche gestossen, welche sich unterhalb desBeutelchens im Sporneingang befindet (Fig. 420 d). Hier bleiben die Pollenpäckchen haften, womit dann dieFremdbestäubung vermittelt und die Befruchtung eingeleitet ist. Als Bestäuber kommen namentlich Bremenund Hummeln, z. T. auch Falter (für O. globosus und ustulatus) oder kleine Fliegen (bei O. coriophorus) inBetracht. Bei ausbleibendem Besuch unterbleibt die Befruchtung, weil spontane Selbstbestäubung nicht möglichist. Die sehr einfach gebauten, winzig kleinen Samen (bei O. militaris 467 fl lang und 187 ß breit) sindgewöhnlich von feilspanartiger Gestalt (Fig. 427 c) (einzig O. Simia hat rundliche Samen). Die braun gefärbte,netzadrige und zarte Samenhaut schliesst den kugelig-ovalen Kern meist locker in sich ein. Letzterer ist
in der Regel auffallend klein und liegt gewöhnlich in der Mitte desSamenkörpers. Er hat einen Durchmesser von etwa 0,1 bis 0,15 mm.Wie bei andern Gattungen (Campanula, Salvia, Aiuga, Soldanella, Gen-tiana etc.) kommen bei den Orchis-Arten sehr oft heller gefärbte — bisrein weisse — Formen vor. Ausserdem neigen die meisten Arten starkzu Missbildungen (Pelorien, gegabelte Blütenstände, Doppelblüten, Ver-mehrung des Sporns, der Perigonblätter etc.). Die bei mehreren Arten(O. maculatus, latifolius) auf den Laubblättern vorkommenden braunenFlecken sind vielleicht dazu bestimmt, die Bestahlung möglichst rationellauszunützen.
In der Benennung werden die verschiedenen Orchis-Arten (mitAusnahme von O. ustulatus) meist nicht näher unterschieden. Diehieher gehörigen Volksnamen teilen sich in solche, die auf die Blüten(Blütezeit, Form und Farbe der Blüte) und in solche, die auf die auf-fällig geformten Wurzelknollen Bezug nehmen. Als Pflanzen des Früh-lings sind die Knabenkräuter im ganzen deutschen Sprachgebiet (vgl.übrigens auch engl, cuckoo-flower, dän. kukkeblomst, russ. kukutschki,poln. kukawka für Orchis-Arten) häufig nach dem Kuckuck, dem Vogeldes Frühlings und der Fruchtbarkeit, benannt: Kukuksblome (Nord-west!. Deutschland), Kuckuck (Gotha, Nordböhmen, Erzgebirge etc.),Kukukser, Guger, Gutzegagel (Böhmer wald, Oberpfalz etc.),Gugubleameln, Guga (Niederösterreich), Guggablüml (Tirol),Guggublüe (Kärnten). Gugatzblüml (Steiermark). Analog diesenBenennungen scheint Storch (e) -kraut (Rauhe Alb) zu sein (vgl.Iris Pseudacorus, pag. 293). Ebenfalls auf die Blütezeit gehen die NamenPIngsblome, Pingsbrüd (Westfalen), Himmelschlüssel (Schwaben,St. Gallen zurück). Nach Form und Farbe der Blüten heissen die Knaben-
Fig. 420.Epidermiszellen der Lippe von Orchismasculus L. (a vom mittleren Teile, b vomRande), c von Orchis ProvincialisBalbis. — Orchis maculatus. d Säul-chen (vergrössert). e, /Die beiden Polliniensind mit Hilfe eines Stiftes entfernt worden.— Anacamptis pyramidalis Rieh.^ Pollinien mit gemeinsamer Klebscheibe.h Knollen von Orchis sambucinus L.