335
mittleren kleiner und entfernter, die obersten klein, tragblattartig. Blütenähre reich- unddichtblütig, anfangs pyramidenförmig, später verlängert - eiförmig bis fast walzlich. Trag-blätter lineal-lanzettlich, oft violett angelaufen. Blüten ziemlich klein, fleischfarben bis fastpurpurrot, sehr selten ganz weiss, wohlriechend. Aeussere Perigonblätter abstehend, läng-lich- bis eiförmig-lanzettlich, spitz. Lippe dreispaltig oder dreilappig, mit dünnem, faden-förmigem Sporn, bis 6 mm lang, am Grunde oberseits mit zwei kleinen aufrechten, gelbenbis purpurroten, meist stumpfen hervorspringenden Platten. Mittellappen etwas kleiner alsdie stumpfen oder gestutzten Seitenlappen. Sporn so lang oder länger als der Frucht-knoten. Säulchen kurz. Staubbeutel grünlich mit gelblichen Stielchen, an der gemein-samen grünlichen, nierenförmigen Klebdrüse angewachsen (Fig. 420 g). — VI, VII (Gelangtzuweilen nicht in jedem Jahr zur Blüte.)
Zerstreut an sonnigen Bergabhängen, in lichtem Gebüsch, in Hecken, Wäldern,auf Torfwiesen, in Kiesgruben, von der Ebene bis in die Krummholzregion (Südseite desOetschers in Niederösterreich bis 1300 m, im Wallis bis 1700 m); gern auf Kalk. Fehltgänzlich im nordwestdeutschen Flachland, in Schleswig-Holstein und im nördlichen Tirol.
Allgemeine Ver breitung: Mittel- und Südeuropa (nördlich bis Südskandinavienund Grossbritannien), Kleinasien, Orient, Persien, Nordafrika.
Aendert wenig ab: var. Vallesfaca (Spiess) Buser (= var. Tanayensis Chenevard). Blüten kleinerals beim Typus, intensiver gefärbt, dunkelpurpurn (getrocknet schwarz-purpurn), zu einem sehr dichten, ge-drungenen, fast kopfigen Blütenstande vereinigt. Mittellappen der Lippe stets mindestens so breit als die Seiten-lappen (zuweilen noch breiter). Sporn nur etwa 3 /i so lang als der Fruchtknoten (Schweiz: Wallis [Tanay,ca. 1900 m], Freiburg [Alpen von CharmeyJ, Graubünden [Untervatz]). — Diese prächtige Art erscheint imsüdlichen Gebiet gern auf trockenen, sonnigen Abhängen (auf kalkreicher Unterlage), entweder in der Burst-wiesen-Formation (Bromus erectus, vgl. Bd. I, pag. 357), in der Felsenheide (Garides), in Eichenwäldern (Bd. II,pag. 331) oder im Heidewald (in Kärnten hier zuweilen mit Lamium orvala). In Norddeutschland tritt siewie auch einige andere Orchideen stellenweise auf Torfwiesen (Hochmoore) auf, bei Abrau im Kr. Tuchel inWestpreussen in Gesellschaft von Tofieldia calyculata, Orchis latifolius, maculatus und Morio, Gymnadeniaconopea, Pedicularis sceptrum Carolinum und silvatica, Dianthus superbus, Swertia perennis, Saxifraga hirculus,Cnidium venosum, Salix livida etc. (nach Scholz und Preuss). — Stellenweise ist diese Art ausgestorben(mehrfach in der Provinz Posen) oder ausgerottet worden (Garchinger Heide bei München). — Anacamptisbildet als Seltenheit mit Gymnadenia (vgl. pag. 371) und mit Orchis maculatus L. Bastarde. Letzterer(= Anacamptis Weberi M. Schulze) wurde bis jetzt einzig in der Schweiz (Langweid ob Adliswil) beobachtet.
CLXXXIII. Orchis 1 ) L. Knabenkraut. Franz.: Orquis; engl.: Cuckoo-flower;
ital: Giglione, Giglio di prato.
Ausdauernde, mittelgrosse, kahle Pflanzen mit kugeligen, eiförmigen oder verschieden-artig handförmig-geteilten Knollen (Fig. 416 a, b). Laubblätter grün, nach oben kleinerwerdend, oft scheidenartig. Blüten in aufrechten Aehren. Tragblätter zuweilen gross,länger als die Blüten und häufig gefärbt. Aeussere Perigonblätter mit den beiden seitlichenhelmförmig zusammenneigend oder die beiden äussern abstehend bis zurückgeschlagen. Lippenach abwärts gerichtet, fast immer gespornt, meistens dreilappig (Taf. 69, Fig. 6 bis 9),seltener fast ganzrandig oder zweilappig. Säulchen klein. Staubbeutelhälften aufrecht, durchden Fortsatz des Schnäbelchens getrennt (Fig. 420 d). Pollenmassen mit getrennten, voneinem gemeinsamen, 1 oder 2-fächerigen Beutelchen umschlossenen Klebdrüsen. Frucht-knoten fast immer gedreht. Samenschale mit oder ohne netzaderige Verdickungen (Fig. 427 e).
Die Gattung umfasst ca. 80 Arten, die in Europa, im gemässigten Asien, in Nordafrika, auf den Kanarenund in Nordamerika (2 Arten) vorkommen. Vom Vieh werden die Orchis-Arten — ähnlich wie die Narzissen-und Wolfsmilchkräuter — auf der Weide niemals berührt.
') Gr. ogxi£ [orchis] = Hode; nach der Gestalt der Wurzelknollen vieler Arten. Auch die Verwendungvieler Orchis-Arten als Aphrodisiacum sowie ihre Beziehungen zur Volkserotik leiten sich von dieserErscheinung ab (Signatura rerum!) Das Wort Orchis ist masculini generis!