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Fig. 418. Cypripedum calceolusL, im Heidewald bei Wolfratshausen(Oberbayern). Phot. Kunstgärtner Berghart, München.
einander getrennt. Auch Blüten mit 8 Perigonblättern, sowie solche mit bis zum Grunde getrennten, äusserenseitlichen Perigonblättern werden in der Literatur erwähnt. Ebenso wurden schon ausgesprochen zweizählige (dimere)Blüten (mit 2 opponierten Sepalen, 2 Petalen, 2 Staminodien, 2 fertilen Staubblättern und 2 Narben) beob-achtet, bei welchen der Schuh vollständig fehlte (vgl. Bolleter, Naturforsch. Gesellsch. Zürich. 1901, pag. 173).
C. calceolus tritt besonders gern in denBuchenwäldern der Bergregion (Kalkboden)auf, hier oft in Gesellschaft von andernOrchideen, wie Neottia nidus avis (nr. 728),Cephalanthera rubra, ensifolia und pallens,Listera ovata (nr. 726), Piatanthera, ferner vonMilium effusum, Lysimachia nemorum, Pirolarotundifolia, Melica nutans etc. Im südlichenDeutschland findet sich der Frauenschuh nichtselten auch in lichten Heidewäldern (Fig. 418) inGesellschaft von Aquilegia vulgaris,Convallariamajalis, Orchis militaris (nr. 686), Gymnadeniaconopea (nr. 711), Ophrys muscifera (pag. 329).Lilium martagon, Aronia rotundifolia, Vibur-numlantana,Rubussaxatilis,Rhamnusfrangula.Galium boreale, Bellidiastrum Michelii, Ericacarnea, Thesium^' rostratum, Laserpitiumlatifolium, Euphorbia 'verrucosa, Petasitesniveus (alpine Art), Tetragonolobus siliquosus,Thalictrum aquilegifolium etc. Die Blüte vonCypripedium ist als eine Kesselfallenblume zubezeichnen, bei welcher der gelbe, holzschuhartig ausgehöhlte Schuh mit den übrigen,braunrot bis purpurrot gefärbtenPerigonblättern einen wirksamen Farbenkontrast darstellt. Verschiedene kleine Fliegen und andere Insekten.welche durch den grossen, bequemen Eingang vor der Narbe ins Innere des Schuhes kriechen wollen, gleitenan dem nach innen gebogenen Rande ab und stürzen unfreiwillig in den Kessel oder Schuh, wo sie gefangenbleiben. Nachdem sie einen Teil der im hintern Teile des Schuhes reichlich vorhandenen saftreichen Haareabgeweidet haben, suchen sie an der hinten behaarten Kesselwand emporzuklimmen und so ins Freie zu ge-langen. Den bequemen Zugang an der Vorderseite der Lippe können sie nicht mehr benützen, weil die Ränderder ellipsoiden Oeffnung nach einwärts gebogen sind. Sie sind deshalb genötigt, einen der beiden kleinen Aus-gänge im Hintergrunde der Höhlung — rechts und links von der Narbe — zu benützen, wobei sie sichzwischen den engen Wänden mit aller Kraft hindurchzwängen müssen und sich dabei mit dem dort angebrachtenstaubförmigen Pollen beschmieren.
CLXXXI. Ophrys L. Ragwurz, Insektenorchis.
Knollen fast kugelig, die jüngere oft gestielt. Laubblätter am Grunde gehäuft,,kahl, nach oben zu tragblattartig. Blüten in lockeren, aufrechten beblätterten, einseits-wendigen, oft armblütigen Aehren. Tragblätter krautartig. Blüten insektenähnlich. AeusserePerigonblätter abstehend, die beiden innern viel kleiner. Lippe oft konvex-gewölbt, nachabwärts gerichtet, spornlos, ungeteilt oder dreilappig (Taf. 69, Fig. 2, 3), mit Ausnahmeder weissen, gelben, violetten oder roten Zeichnung schwarz oder braun, samtig behaart,oft nahe dem Grunde beiderseits mit je einem hohlen, manchmal kegelförmigen Höcker,an der Spitze zuweilen mit einem Anhängsel oder kurzen Lappen (Fig. 419). Säule kurz,an der Spitze oft in einen schnabelförmigen Konnektiv-Fortsatz vorgezogen. Polliniengestielt, mit 2 getrennten, von je einem besondern Beutelchen umschlossenen Klebmassen.Fruchtknoten sehr wenig gedreht. Samen mit feinem, weitmaschigem Verdickungsnetz.
Die Gattung umfasst ca. 30 Arten, die sich über Europa, das westliche Asien und Nordafrika er-strecken. Die meisten Arten zeichnen sich durch sehr eigenartige, insektenähnliche, nektar- und meist geruch-
') Gr. ocpQvg (ophrys) = Augenbraue; der Name erscheint bereits bei Plinius (XXVI, 93) für eineuns unbekannte zweiblätterige Pflanze.