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Tafel 70.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Cypripedium calceolas. Habitus.„ 2. Anacamptis pyramidalis. Blütenstengel.„ 3. Ophris Arachnites. Habitus.
Fig. 4. Ophrys musäfera.„ 5. Ophrys aranifera.
2 Blütenstengel.Habitus.
gewisse Aehnlichkeit heraus; viel Phantasie gehört schon dazu, um in der Blüte einen Fächer (Niederösterreich)oder eine Schucggeblueme (Solothurn) zu sehen. Nach deren gelben Farbe rühren Namen wie goldenesEi (Göttingen) und Goldbeutel (Thüringen) her. Originell sind auch die Bezeichnungen Melksöchta[= Melkeimer) und Reichi Haubna, die in Ober-Hollabrunn (Niederösterreich) gebräuchlich sind. Exemplaremit 2 Blüten werden als Stogele oder Paarfüsse. solche mit 3 als Dreifüsse (Zürcher-Oberland) be-zeichnet; Vierfüsse kommen äusserst selten vor. Im romanischen Graubünden wird die Pflanze als s-chiarpasdel Segner, s-rchiarpetta oder pantofflas bezeichnet.
Ausdauernd, 15 bis 50 (70) cm. Grundachse fast horizontal kriechend, mit Schuppenund ziemlich dicken Wurzelfasern versehen. Stengel rundlich, kurzhaarig, wenig gebogen,am Grunde mit stumpfen, bräunlichen Schuppenblättern besetzt, darüber 3 bis 4 (5) Laub-blätter tragend, 1- bis 2-, seltener 3- oder gar 4-blütig. Blätter breit-elliptisch, den Stengelscheidig umfassend, gefaltet, spitz, oben freudig hellgrün, unten blasser, auf den Nervenund am Rande kurz bewimpert. Blütenhüllblätter inkl. Schuh (= Lippe) abstehend, 5, dadie beiden äussern seitlichen miteinander verwachsen (unteres Blatt) sind (in der Figursind die beiden ursprünglich getrennt angelegten Blätter an den beiden grünen Zipfelchenzu erkennen). Schuh 3 bis 4 cm lang, vorn abgerundet, kürzer als die übrigen 4 purpur-braunen Perigonblätter, bauchig aufgeblasen, mit enger Mündung, zitronengelb, innen mitpurpurnen Punkten und Adern besitzt, auf denen wenige Härchen stehen. Säule kurz,gelblich-grün, nach vorn übergebogen, mit drei auseinandergehenden Fortsätzen (Taf. 69,Fig. 11 bis 13); die beiden seitlichen tragen die beiden seitlichen einfächerigen Staubbeutel,während der mittlere die fast dreilappige Narbe und den sie bedeckenden gestielten,blumenblattartigen, gelblichen (mit roter Zeichnung), fehlgeschlagenen (dritten) Staubbeutel(Staminodium) trägt. Pollen pulverförmig (Fig. 417 e, f). Fruchtknoten einfächerig, behaart.Zellen der Samenschale ohne netzförmige Verdickung. — V bis VII.
Stellenweise häufig in schattigen Laubwäldern (gern in Bergwäldern), an steinigen,buschigen Stellen; vereinzelt von der Ebene bis in die Voralpen, bis über 1600 m steigend(Trafoi in Tirol, 1600 m, Cinuskel im Engadin, 1680 m). Im Gebirge auch unter Legföhren.Besonders auf Kalk.
Tritt in Deutschland zerstreut im mittleren (besonders in Thüringen) und südlichen Gebiet auf;im nördlichen Deutschland dagegen seltener (fehlt im Nordwesten, in Schleswig-Holstein und Mecklenburgvollständig). Ist stellenweise durch unsinniges, vandalisches Sammeln und Ausgraben sehr selten gewordenoder ganz verschwunden (z. B. im Kirchholz von Dohna in Sachsen; nach Schorler). Wird in Ostpreussenähnlich wie die Stranddistel (Eryngium maritimum), Campanula latifolia und Linnaea borealis staatlich ge-schützt; ebenso ist das Ausgraben von Pflanzen im Erzherzogtum Oesterreich unter der Enns, in Krain, inverschiedenen Kantonen der Schweiz (St. Gallen, Appenzell, Graubünden, Solothurn), sowie im Departementde 1'Isere in Frankreich durch Gesetzesbestimmungen verboten.
Allgemeine Verbreitung: Mittel- und Nordeuropa (fehlt in der immergrünenRegion des Mittelmeergebietes, ebenso im Küstenland, Dalmatien, Montenegro, in Belgienund Holland), Kaukasusländer, Sibirien.
Nur selten werden beim Frauenschuh Bildungsabweichungen konstatiert. So wurden gelegentlichPflanzen mit völlig zitronengelben (f. flävumRion), rostgelben (f. fülvum Christ), grünen (f. viridiflörumM. Schulze) oder weissen Blüten (f. älbum Pfitzer) beobachtet. Bei andern Exemplaren zeigten 1 oder 2Perigonblätter eine Andeutung zur Schuhbildung oder die beiden äussern seitlichen Perigonblätter waren + von-