Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
285
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

285

ist wegen ihrer sonderbaren Farbe und ihrer frühen Blütezeit zu einer beliebten Schnittblume geworden. Diezweite Art mit eiförmigen Zwiebeln, fast stielrunden Blättern und mit kahlen, violettenpurpurnen Perigonenist die Stammpflanze derSpanischen-Iris"-Formen. J. Florentina, ital.: Giglio bianco, steht J. Germanica sehrnahe. Die Hochblätter sind aber nur am Rande trockenhäutig, die Blüten länger gestielt, die Perigonabschnitteweiss oder wenig bläulich und die Abschnitte der Oberlippe der Griffeläste gerade nach vorwärts gerichtet.Die Blüte bildet das Wappen der Stadt Florenz. Die Schwertlilien sind als herkogame Hummel- oder Schweb-fliegenblumen zu bezeichnen (vgl. pag. 294); J. graminea wird von der Honigbiene besucht. Die Staubbeutelsind unter den grossen, gewölbten, korollinischen Griffelästen wohl geborgen, so dass der Pollen vor Benetzung gutgeschützt ist. Die Verbreitung der Samen erfolgt teils durch den Wind, teils durch das Wasser; bei einigenArten sind vielleicht auch Ameisen (J. Ruthenica Ker-Gawler aus Siebenbürgen und Rumänien zeigt einElaiosom) oder Nagetiere (Hamster in den Steppengebieten des südöstl. Europa) beteiligt. In Torfablagerungensind mehrfach Blattüberreste und Samen von nr. 655 und 658 nachgewiesen worden. Ebenso kennt mandie Samen von J. Pseudacorus aus den Pfahlbauten der Schweiz (Robenhausen, St. Klaise). Das vonden Wurzeln, der Korkschicht, der Endknospe und den kleinen Seitenknospen befreite und während14 Tagen an der Luft getrocknete Rhizom von J. Germanica (pag. 291) und J. pallida (pag. 292), seltenerauch von J. Florentina liefert die Droge Rhizöma Iridis oder Veilchenwurzel (Pharm. Germ, und Helv.)bezw. Radix Iridis (Pharm. Austr.). Zu diesem Zwecke werden diese 3 Arten in Norditalien (besonders in denProvinzen Florenz [die beste Wurzel kommt aus S. Polo und Castellina], Arezzo, Grosetto, Ravenna undPerugia, ferner in den Provinzen Verona und Vicenza) und in Marokko schon seit mehr mehr als 200 Jahrenim grossen angebaut. Die Droge besteht aus weisslichen, bis 15 cm langen und bis 4 cm dicken Stücken, riechtangenehm veilchenartig, schmeckt aromatisch und etwas kratzend. Sie enthält ein Glykosid Iridin, 0,1 bis0,2 °/o ätherisches Oel (dieses ist rechtsdrehend und besteht aus der geruchlosen Myristinsäure, dem Keton Iron[dieses bedingt den veilchenartigen Geruch], ferner aus Myristicinsäuremethylester, Oelsäure und deren Estern undOelsäurealdehyd), ferner Gerbstoff, Fett, ein bitter und scharf schmeckendes Weichharz und viel Stärke.Aschengehalt 2,12 °/o bis 3 °/o (nach Pharm. Helv. höchstens 5 °/o). Die Droge findet in Pulverform Verwendungzu Zahnpulvern, dient als Wasch- und Streuepulver, sowie zur Herstellung von Sachets (nach Zornig, Arznei-drogen). In Italien benützt man das Rhizom zur Anfertigung von Rosenkranzkugeln. Besonders schöne, durchFeilen und Drechseln glatt gemachte Stücke finden unter der BezeichnungRhizoma Iridis pro infantibus" alsKaumittel für zahnende Kinder Verwendung. Abfälle der Droge werden zur Parfümeriezwecken und zurGewinnung des Irisöles (durch Destillation) benützt.

1. Die 3 äusseren Perigonabschnitte auf der Oberseite gegen den Grund zu mit einem Längsstreifendichter Haare (Fig. 388 c).............................. 2.

1*. Aeussere Perigonabschnitte bartlos (Fig. 398 b) oder höchstens schwach flaumig..... 10.

2. Stengel niedrig (oft fast fehlend), 1- bis 2-blütig (wenn 2-blütig, dann die Blätter schmal,grasartig)....................................3

2*. Stengel fast immer deutlich verlängert, meist 2- bis vielblütig. Blätter breit-schvvertförmij:

gekrümmt

häufig. . 4.

3. Stengel fast stets 1-blutig, mit 2 Hochblättern. Blüten meist blau . . . J. pumila nr. 646.3*. Stengel gewöhnlich 2-blütig, mit 3 Hochblättern. Blüten gelb . . . . J. arenaria nr. 647.

4. Hochblätter ganz oder doch unterwärts krautig. Abschnitte der Oberlippe der Griffeläste spitz 5..4*. Hochblätter vom Grunde an trockenhäutig. Abschnitte der Oberlippe der Griffeläste stumpf,

gerade nach vorwärts gerichtet.....................J. pallida nr. 654.

5. Stengel gewöhnlich 1- bis 2-blütig, unverzweigt. Blüten gelblich . . . J. lut esc ens nr. 648.5*. Stengel mehrblütig, fast stets verzweigt. Blüten niemals rein hellgelb......... 6.

6. Innere Perigonzipfel rein goldgelb, nach dem Grunde hin allmählich verschmälert. Hochblätterzur Blütezeit ganz krautig......................J. variegata nr. 650.

6*. Innere Perigonzipfel niemals rein gelb, ziemlich plötzlich in den Nagel verschmälert. Hoch-blätter wenigstens am Rande trockenhäutig........................ 7.

/ Grundblätter gewöhnlich länger als der Stengel. Blüten violett. Bart der äussern Perigonblätterhellviolett^bis weisslich........................J. aphylla nr. 649.

7 . Gl "undblätter kürzer oder höchstens so lang als der Stengel. Bart der äussern Perigonblätter gelb. . 8.

8. Staubfäden so lang als die Staubbeutel. Aeussere Perigonabschnitte höchstens unterwärts vonbreiten, dunklen Adern durchzogen..................J. Germanica nr. 653.

8*. Staubfäden länger als die Staubbeutel. Aeussere Perigonabschnitte von breiten, dunklen Aderndurchzogen.......... q

9. Narbenlappen sich berührend. Innere Perigongipfel trüb, gelblich violett J. sambucina nr. 651.