284
kommen von Nektar. Letzterer wird entweder von Septaldrüsen oder aber im Innern der Perigonröhre abge-schieden (vgl. pag. 294). Zahlreiche xerophil gebaute Arten zeigen Profilstellung der Laubblätter, d. h. senk-recht stehende, sitzende (sog. „reitende"), flach gedrückte, schwertförmige Blätter, mit welchen sie sich gegendie schädigende Wirkung der Sonne zu schützen suchen. Die Blätter sind zum Teil ineinander geschachtelt undweisen grosse Lufträume auf (Fig. 395 e). Die Samen einzelner Arten vermögen auf dem Wasser zu schwimmen(besitzen eine dünne Samenhaut oder luftführende Hohlräume) und werden auf diese Weise verbreitet.
1. Blüten regelmässig (aktinomorph)...................... 2.
1*. Blüten unregelmässig (zygomorph), fast zweilippig, in einseitswendigen, ährenartigen, überhängenden
Blütenständen. Blüten meist purpurrot. Knollenpfianzen........... Gladiolus CLXXV.
2. Griffeläste blumenblattartig gefärbt, flach, breit. Perigonblätter verschiedengestaltet, die äussernzurückgebogen, die innern aufrecht. Blütenstand meistens mehrblütig.........Iris CLXXIII.
2*. Griffeläste nicht blumenblattartig. Perigonblätter am Grunde zu einer langen Röhre verwachsen.Perigonzipfel ziemlich gleich. Blüten wenig zahlreich, oft einzeln, grundständig . . . Crocus CLXXIV.
CLXXIII. Iris 1 ) L. Schwertlilie.
Ausdauernde, kleine bis ansehnliche Kräuter mit wagrecht kriechender, verzweigter,knollig-verdickter Grundachse; letztere meist von den Resten älterer Blätter umgeben.Stengel beblättert, stielrund oder zweischneidig zusammengedrückt, einfach oder verzweigt,kürzer oder länger als die Laubblätter. Nichtblühende Triebe nur wenige Scheiden undBlätter tragend. Laubblätter zweizeilig angeordnet, reitend, gewöhnlich breit-schwertförmig(Fig. 395 e, f), gekrümmt, seltener schmal-lineal (Fig. 398), grasartig. Blüten sehr ansehnlich,schnell verwelkend, einzeln (Fig. 388 a) oder in wenigblütigen Trauben, mit Gipfelblüte. ObereSeitenblüten mit einem, untere mit 3 krautig-grünen oder häutig-braunen Hochblättern. Perigonaktinomorph, mit kurzer oder verlängerter Röhre (Fig. 389 b) und verschieden gestalteten Ab-schnitten; die 3 äussern Abschnitte zurückgeschlagen oder abstehend, oberseits kahl oderbärtig (Bart aus zahlreichen, mehrzelligen Papillen bestehend.^ Fig. 386 c bis f), die innernfast immer aufrecht oder aufrecht abstehend, zusammenneigend, kürzer als die äussern(selten sehr klein oder ganz fehlend). Staubblätter 3 (selten [gelegentlich bei I. pallidaals atavistische Erscheinung] noch einzelne des innern Staubblattkreises ausgebildet), voll-ständig frei. Staubbeutel unter den Griffelästen liegend, so lang oder kürzer als die flachen,schmalen Staubfäden. Fruchtknoten unterständig, dreifächerig (Fig. 386 i, 387c, 389 e etc.),in -jedem Fach mit zahlreichen zentralwinkelständigen Samenanlagen. Griffel fadenförmig,kurz mit 3 sehr grossen, blumenblattartigen, oberseits gekielten, unterseits gefurchten, ander Spitze zweilippigen Aesten. Oberlippe mit 2 verschiedengestalteten Abschnitten,grösser als die ganze oder ausgerandete, bewegliche Unterlippe, welche auf ihrer Oberseitedie Narbenpapillen trägt (Fig. 395 g). Fruchtkapsel dreifächerig, fachspaltig (Taf. 65, Fig. la),vielsamig, aufrecht oder hängend (Fig. 388, 395 a), oft stark gebaut, zuweilen mit Queradern.Samen kugelig oder zusammengedrückt-kantig, häufig + abgeplattet und geldrollenähnlichnebeneinander liegend, selten mit Anhang, in der Regel glänzendbraun bis rotbraun. Nähr-gewebe vorhanden, hornig, den kleinen Embryo einschliessend (Fig. 390 e).
Die Gattung umfasst gegen 200 Arten, die über die wärmern Teile der nördlich gemässigten Zoneweit verbreitet sind. In Mitteleuropa besitzen einzig J. Pseudacorus und J. Sibirica eine grössere, allgemeinereVerbreitung. Einige Arten, welche mehr oder weniger weit nach Mitteleuropa vordringen, sind dem pannonisch-pontischen Florenelement zuzuzählen (so namentlich J. pumila, arenaria, variegata); andere, wie z. B. Irisgraminea, sind südeuropäisch-pontisch. Da eine grössere Anzahl von Iris-Arten allgemein beliebteZierpflanzen unserer Gärten sind, werden nördlich der Alpen nicht selten einzelne Arten verwildertoder als vollständig eingebürgert (besonders J. Germanica, sambucina, pumila) angetroffen. Von denzahlreichen als Zierpflanzen oder Schnittblumen gezogenen Iris-Arten mögen besonders drei Arten,J. Susiäna L., in Persien heimisch, J. xiphium L. und J. Florentina L. aus dem Mittelmeergebiet her-vorgehoben werden. Die erstere, die sog. „Trauer-Iris", mit dunkelbraunen, schwarzgefleckten Perigonblättern,
') Gr. igig (fris) = Regenbogen, nach der Farbenpracht der Blüten.