283
lässt sich sagen, dass das Knöllchen als eine Verdickung der dem Keimblatt gegenüberliegenden Seite derSprossachse des Keimling») auftritt, sich rasch mit Stärke füllt, die Hauptwurzel zur Seite drängt und baldselbst Wurzeln erzeugt (Goebel). Die Samen keimen sehr langsam und machen eine längere Ruheperiodedurch (vgl. auch Brenner, Naturwissenschaft!. Wochenschrift, 1909 nr. 12). Das Keimblatt bleibt zumgrössten Teil in der Samenschale eingeschlossen (Fig. 38" m) und funktioniert als Haustorium (ausserhalberscheinen nur die Radicula, später auch das hypokotyle Glied und die Kotyledonarscheide). Die Knolle hatein grosses Regenerationsvermögen, so dass sie gegen Verletzung oder Verstümmelung wenig empfindlich istund verloren gegangene Teile leicht ersetzen kann. Die Laubblätter sind — trotzdem sie dünn sind und keinebesonders starke Cuticula besitzen — gegen Verwelken sehr widerstandsfähig. In Dalmatien werden diejungen Sprosse wie Spargeln gegessen.
Allgemeine Verbreitung: Südliches und westliches Europa (nördlich bisEngland, Belgien und Luxemburg), Ungarn, Siebenbürgen, Vorderasien (bis Persien undKurdistan), Nordafrika, Kanaren.
29. Farn. Iridäceae 1 ). Schwertliliengewächse.
Ausdauernde Kräuter oder seltener niedrige Halbsträucher mit kriechender, meistfleischiger, nur selten etwas holzig werdender Grundachse, mit Knollen (Cröcus, Gladiolus)oder seltener mit Zwiebeln (Tigridia). Unterirdische Achse terminale, meist beblätterteStengel treibend (diese bleiben bei den Crocoideen unter der Erde, sodass selbst dieFruchtknoten nicht über die Oberfläche hervortreten). Laubblätter schwertförmig, schmal,lanzettlich-linealisch oder grasartig, ungestielt („reitend"), am Grunde des Stengels meistgedrängt stehend und zweizeilig angeordnet (die Stengelblätter nehmen an Grösse nachoben schnell ab). Blütenstände endständig, 1- bis vielblütig, meist ährenförmig, traubigoder rispenartig. Blüten zwitterig, regelmässig oder (median-) zygomorph (Gladiolus),meist mit ± verlängerter, zuweilen gekrümmter Röhre. Blütenhülle aus 2 corollinischenWirtein bestehend; diese oft verschieden gestaltet und ungleich gefärbt. Staubblätter 3, vorden äussern (zuweilen gehärteten) Perigonzipfeln stehend (die innern sind normal unterdrückt;selten sind einzelne vorhanden), frei (Cröcus, Libertia) oder zu einer Röhre vereinigt(Tigridia, Sisyrinchium). Staubbeutel nach aussen (extrors) sich öffnend. Fruchtknotenstets unterständig, 3-blätterig, vollkommen dreifächerig, in jedem Fache meist mitvielen Samenanlagen an zentralwinkelständiger Samenleiste, selten einfächerig und dannmit wandständigen Samenleisten. Griffel oberwärts geteilt (seltener einfach), sehr oft +blumenblattartig verbreitert. Frucht eine vielsamige, längliche oder rundliche, fachspaltigeKapsel (Taf. 65, Fig, 1 a), mit 3 scharfen oder ± abgerundeten Kanten, mit dünner oderlederartiger Wand. Samen meist zahlreich, ursprünglich rundlich, später aber häufig durchgegenseitigen Druck abgeflacht (Taf. 65, Fig. 1 b) oder scheibenförmig (Fig. 395 c, d) bisgeflügelt. Samenhaut dünn, nicht selten dem Samen nur lose anliegend (Fig. 395b).Keimling klein, von hornigem oder fleischigem, starkwandigem Nährgewebe eingeschlossen.
Die Familie umfasst gegen 60 Gattungen, welche besonders in den Tropen und Subtropen der altenund neuen Welt verbreitet sind. In die gemässigten Zonen dringen nur verhältnismässig wenige Arten vor;in Europa sind es die Gattungen Cröcus (gegen 100 Arten), Romiilea, Iris und Hermodäctylus (Monotypus derMittelmeerflora), in Nordamerika die Gattungen Sisyrinchium (vgl. pag. 305) und Nematostylis. Als grosseEntwicklungsgebiete kommen das Kapland und das tropische bezw. subtropische Amerika in Betracht,ährend verschiedene Genera (Homeria, Bobärtia, Geissorrhiza, Ferräria, Ixia, Antholyza, Sparäxis, Nivenia,Witsenia, Freesia, Galäxia, Streptanthera, Micränthus etc.) nur auf das eigentliche Kapgebiet beschränkt sind,lassen sjch andere Genera bis ins tropische Afrika (Watsönia, Schizostylis, Hesperäntha, Tritönia, Acidanthera,Arfstea, Babiane, Lapeyroüsia usw.) oder bis ins Mittelmeergebiet verfolgen (Romülea, Gladiolus). Australischsind verschiedene Arten der Gattungen Patersönia, Orthrosänthus, Diplarrhena und Monfea (weiteres hierüberbei den einheimischen Gattungen und auf pag. 305). Die lrideen besitzen entomophile Blüten. Als Lock-mittel dienen die korollinische Ausbildung der Blütenhülle (oft mit ausgesprochenen Saftmalen!) und das Vor-
') Vgl. hierüber die Anmerkung bei Iris, pag. 284.