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643. Convallaria majälis 2 ) L. (= C. Linnaei Gärtn., = Polygonätum majale All.).Maiglöckchen. Franz.: Muguet, Lis des vallees; ital.: Mughetto, Giglio delle convalli;Lily of the Valley; tschech.: Konvalinka. Taf. 63, Fig. 4 und Fig. 379g bis k.
engl.
Auf die Blütezeit der duftigen Glöckchen („Scheuchen") im Mai gehen Volksnamen wie: Maiblome(Wesergebiet), Meibloum(e) (Waldeck), Maiblümchen (Gotha), Maibleaml (Niederösterreich), Mai-beamla (Schwäbische Alb); Mairösla (Schwab. Alb). Maierösle (Vorarlberg), Maierisli (Schweiz);Maililljen (Hannover); Maiklocken (Wesergebiet), Maiglöckskes (Westfalen), Mei'glöckl, Mee-glöckl (Nordböhmen). Maiglöckl(e) (Schwab. Alb), Maieglöckle (Vorarlberg), Mais ehelichen(Henneberg, Gotha, Salzungen). Eine zweite Gruppe von Volksbenennungen, die besonders in den nieder-deutschen und bayrischen Mundarten verbreitet zu sein scheinen, leitet sich ab von der alten offizineilen Bezeichnungder Maiblum lilium convallium (vgl. Anm. 1, pag. 273), welche beide Worte zusammengezogen im Volksmundzu geradezu grotesken Wortformen sich ausbilden (der zweite Teil manchmal volksetymologisch an „Veilchen"angelehnt!): L ilj enkonvall Jen , Li elj enkonv eilchen, Hillgenkumm veilchen (Oldenburg etc.),Lili enkonf algen (Ostseegebiet), L iliencon vall (Schleswig); Lilumfallum (Tirol, Kärnten), Fillumfallum (Kärnten, Salzburg), Fildr o n -Faldr on (Lienz), Ph illdron - Chaldron (Tirol), Fillif alliblüh(Steiermark); Convojerl [aus Convallaria] Kärnten: Raibl); von Convallaria leiten sich die österreichischenNamen wie Faltigau, Faltriau, Faltrion (Ober- und Niederösterreich), Falterich (Oberösterreich),Feltrian, Feibrian, Febrigau (Niederösterreich) ab. Sollten gar auch Gläjele, Galeieli, Galeili(St. Gallen) aus „convallium" entstanden sein? In Hannover und in Schleswig bezeichnet man die Maiglöckchenauch kurzweg als Li 11 Jen. Die besonders in Böhmen (Nordböhmen, Erzgebirge) gebräuchliche BenennungZaucke, Zauk'n stammt aus dem gleichbedeutenden oberwendischen caltka (zawka gesprochen). Ebensokommt das schlesische Papoischla (Langenbielau) aus dem Slavischen. Im romanischen Graubünden heisstdie Pflanze Fluors signoria oder fluors d'meg (Engadin), im Tessin Munighin, Munighell, Müghett.
Convallaria ist eine alte Arzneipflanze, die schon seit alters her vom russischen Landvolke gegen ver-schiedene Erkrankungen des Herzens, gegen Wassersucht, Epilepsie. Schlaganfälle etc. verwendet wurde. DieBlätter, Blütenschäfte etc. enthalten die beiden Glykoside (1838 von Walz dargestellt) Convallarin und Con-vallamarin (die frische Pflanze enthält 0,2°/o), ein Alkaloid (Majalin), 0,058% ätherisches Oel, ferner einengelben Farbstoff und Wachs. 1867 erkannte Marine die dem Digitalis ähnliche Wirkung des Convallamarin. Inneuerer Zeit findet die Droge (Herba Convallariae der Pharm. Austr., Helv., Gall., Russ.) zuweilen bei Herzleiden,Epilepsien, Hydrospsien als Drasticum und Diureticum Verwendung (nach Zornig, Arzneimitteldrogen, 1909,p. 278). Allerdings hat die Droge, die seinerzeit als wichtiges Herzmittel gerühmt wurde, zu wenig be-friedigenden Ergebnissen geführt. Im Gegensatz zu Digitalis besitzt sie keine kumulative Wirkung. —Als Volksmittel finden die Blüten in Essig oder in Wein angesetzt bei Kopfschmerzen Verwendung. Die ge-trockneten Blüten bilden einen Hauptbestandteil eines Niespulvers, sowie des Schneeberger Schnupftabakes(getrocknete Blüten vermengt mit Rosskastaniensamen; vgl. hierüber auch Asarum und Arnica).
Ausdauernd, 10 bis 20 cm hoch. Grundachse ausläuferartig kriechend, verzweigt,verlängert, ziemlich dünn, Niederblätter (bald verwesend) und in jedem Jahr2 (1 bis 3) ellip-tische bis elliptisch-lanzettliche, lang gestielte, zugespitzte, freudiggrüne, langscheidige Laub-blätter erzeugend. Blütenstengel unbeblättert, an der Spitze eine einseitswendige, 5-bis 8- (13-)blutige Traube tragend. Blüten wohlriechend, nickend. Tragblätter lanzettlich, meist etwaskürzer als die Blütenstiele, spiralig ( 2 /s Spirale) angeordnet. Perigon kugelig-glockenförmig,5 bis 9 mm lang, mit kurzen, abstehenden Zipfeln (Fig. 379 g), schneeweiss, sehr seltenrosa gestreift. Staubblätter eingeschlossen, am Grunde der Perigonröhre eingefügt. Staub-fäden sehr kurz, dick, zur Hälfte mit der Perigonröhre verwachsen, dann scharf abbiegend(Fig. 379k). Staubbeutel hell- oder lebhaft gelb, halb nach innen aufspringend. Frucht-knoten dreifächerig, in jedem Fach mit je 4 bis 8 Samenanlagen (Fig. 379 h). Griffel kurzund dick. Frucht eine 2- bis 6-samige, kugelige, scharlachrote Beere, ohne Septaldrüsen.Samen fast kugelig, blau. — V, VI (sehr oft aber nicht blühend).
Ziemlich häufig und meist gesellig in lichten Laub- und Nadelwäldern, in Gebüschen,in Holzschlägen, auf Bergvviesen, auf Geröllhalden, Flussalluvionen; von der Ebene bis in
] ) Im Mai blühend; vgl. auch die Volksnamen.