267
CLXVII. Majänthemum 1 ) Weber. Schattenblume.
Von dieser Gattung ist einzig die folgende Art bekannt.
637. Majänthemum bifölium (L.) F. W. Schmidt (= M. cordifölium Moench, = M. Con-valläria Web., = Smilacina bifölia Desf., = Convalläria bifölia L., = Bifölium cordatumGaertn., Mey. et Scherb., = Evalläria bifölia Neck., = Sciöphila convallarioides Wib.,= Unifölium quadrifidum All.. — Styrandra bifölia Raf.). Zweiblätterige Schatten-blume. Franz.: Fleur de mai; engl.: May-flower, May-Lily; ital.; Gramigna di Parnasso;tschech.: Pstrocek, Stinowka, Jednolistek. Taf. 62, Fig. 5 und Fig. 310 a.
Zum Unterschied von der echten Maiblume (Convalläria majalis) heisst das Schattenblümchen wilde,kleine Maiblume (Anhalt), kleiner Falterich [vgl. „Faltrian" = Convalläria majalis] (Oberösterreich),wilde Zauke (Xordböhmen), falsche, wilde Mai(e)bl eml(e) (Schwäbische Alb), wildi Majerisli(Thurgau). Der Name Zweiblatt geht auf das Blattpaar des Stengels. Die Bezeichnung Tonil je (Branden-burg) dürfte vielleicht aus lilium convallium (vgl. Convalläria majalis, pag. 274) entstanden sein.
Ausdauernd, 5 bis 22 cm hoch. Grundachse dünn, kriechend, stielrund, zuweilen Aus-läufer treibend. Stengel aufrecht, zerstreut wimperhaarig. Laubblätter meist 2 (seltener 3[var. trifölium Baenitz]; bei nicht blühenden Pflanzen gewöhnlich nur 1), über der Mittenahe beieinander stehend, kurz gestielt, aus tief-herzförmigem Grunde eiförmig, zugespitzt, bis6 (10) cm lang und bis 4,5 cm breit; unterseits auf den Nerven zerstreut behaart. Blüten-stand endständig, ährig, aus kleinen, 2-bis 3-blütigen Dolden zusammengesetzt. Tragblätter klein,trockenhäutig. Blüten 4-zählig (Fig. 310 a), wohlriechend. Perigon 4-blätterig, sternförmig,weisslich. Perigonblätter länglich, 2 bis 3 mm lang. Staubblätter 4, etwa so lang oderkürzer als die Perigonblätter (Taf. 62, Fig. 5b). Staubbeutel am Rücken befestigt, nachinnen aufspringend. Staubfäden flach, kurz. Fruchtknoten 2- bis 3-fächerig, mit je2 Samenanlagen in den Fächern. Griffel kurz und dick. Frucht eine meist 1-sämige,kugelige, anfangs grüne, später rötlich punktierte, zuletzt kirschrote, 5 mm lange Beere.Samen kugelig, hell. — IV, V.
Häufig und verbreitet an schattigen, humusreichen Waldstellen (gern im Rasenvon Hypnum-Arten), in Gebüschen, in Auen, auf buschigen Bergwiesen, auf Mooren, anschattigen Felsen, auf Stranddünen; von der Ebene bis in die alpine Region (bis 2100 m).
Allgemeine Verbreitung: Nördliche gemässigte Zone.
Majänthemum bifölium gehört zu den weitverbreiteten, fast nie fehlenden (allerdings wird es inwarmem, südlichen Lagen [z. B. in Südtirol] unter 400 m seltener) Schatten- und Humuspflanzen der Laub-una JNadelwalder. In den Buchenwäldern erscheint sie gern in Begleitung von Mercurialis perennis, Oxalisacetosella, Paris quadrifolius, Sanicula Europaea, Viola silvatica. Galium silvaticum, Asperula odorata, Dentariabulbitera (in Mitteldeutschland häufig), Actaea spicata, Anemone nemorosa, Lysimachia nemorum, Phoenixopusmuralis, Prenanthes purpurea, Milium effusum, Poa nemoralis, Brachypodium silvaticum, Luzula pilosa, Alliumursinum (Bd. II, pa g. 229) etc. Das zarte, dünne Laubblatt gehört zum Typus „Flachblatt", welche Form fürdie Licht- und Luftverhältnisse besonders geeignet ist. Im Gebirge, wo sie über 1/00 m allerdings nur nochvereinzelt zur Blute gelangt, erscheint sie auch noch in den Legföhrenwäldern, sowie in den Grünerlen-bestanden. Die Grösse der Laubblätter variiert bei dieser Art stark, je nach den Beleuchtungsverhältnissen.Nichtblühende Exemplare weisen häufig nur ein einziges, langgestieltes Blatt auf. Die schneeweissen, wohl-riechenden Bluten sind proterogyn, sondern aus den Septaldrüsen wenig Honig ab und besitzen eine lang-lebige Narbe. Anfänglich spreizen die Blüten ihre Perigon- und Staubblätter weit nach aussen. Zu dieserZeit sind die Antheren noch geschlossen, die Narbe jedoch bereits empfängnisfähig. Später schlagen sich diePerigonzipfel nach unten zurück, die Staubblätter richten sich schräg nach oben und die Antheren springen nachinnen auf, während die Narbe noch frisch bleibt. Bei ausfallendem Insektenbesuch (kleine Fliegen) ist wegender fast senkrechten Stellung der Blüten spontane Selbstbestäubung durch Pollenfall leicht möglich. Getrocknetbesitzen die Blätter einen schwachen Cumarineeruch.
') Lat. Mäius = Mai und griech.
avdsfiov [änthemon] =
Blume; nach der Blütezeit im Mai.
46*