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2. Monocotyledones 2 (1907)
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im Schweizer Jura (östlich ähnlich wie Carex Halleriana [Bd. II, pag. 97] und Asplenium fontanum [Bd. I,pag. 28] bis zur Lägern), im südlichen Schwarzwald (Neustadt, Titisee, Nessellache, Breitnau), vereinzelt in derschwäbisch-bayerischen Hochebene, stellenweise im Mittelgebirge (Bayrischer Wald, Erzgebirge, Glatzer-Schneeberg, Gesenke, Adlergebirge, Thüringerwald etc.), in Westfalen (Brilon). Ausserdem hin und wieder ausGärten (zuweilen mit Dünger aus Bauerngärten auf die Aecker gebracht und nun unausrottbar verwildert) aus-gewandert und stellenweise eingebürgert, so z. B. mehrfach im nordwestdeutschen Flachlande, in Mähren (Wetsin),an einigen Stellen in der Umgebung der alten Gärtnerstadt Ulm (hier ähnlich wie Eranthis hiemalis, Scillaamoena, Ornithogalum nutans, Aristolochia Clematitis, Doronicum Pardalianches ; nach Gradmann), am Flüss-chen Raguppe im Kreise Pillkallen in Ostpreussen (hier wohl durch Brutzwiebeln bei Hochwasser herab-geschwemmt) etc. An anderen Stellen erscheint diese Art, ähnlich wie Hemerocallis, an der Stelle von altenBurgen oder in der Umgebung von Klöstern, Schlössern etc. (bei Andechs am Ammersee, bei Wartaweil inOberbayern, an der Stadtmauer in Nürnberg, am Schlossfelsen zu Hilpoltstein in Franken etc).

Allgemeine Verbreitung: Italien, Korsika, Alpengebiet (von den Seealpen bisNiederösterreich und Bosnien), Mittelgebirge; ausserdem in Schweden verwildert.

Diese Art tritt bei uns in 2 verschiedenen Unterarten auf, die auch mit Unrecht in neuerer Zeit alsArten angesprochen werden. 1 )

1. subsp. bulbiferum Schinz et Keller. Blüten in der Regel zwitterig. Laubblätter in den Achseln(besonders im oberen Teile) meist braune Bulbillen tragend, die obern Blätter gewöhnlich breiter als bei dersubsp. croceum. Blüten hellgelb-orange, gegen den Grund und die Spitze zu mehr dunkelorange. Blattoberseiteglänzend. Epidermis vorwiegend aus ziemlich langgestreckten, gewellten, gleichartig gebauten Zellen gebildet(Fig. 354 c); nur vereinzelt daneben auch papillenförmige Zellen. Früchte fast stets ausgebildet. Samen keimfähig.

2. subsp. croceum (Chaix) Schinz et Keller. Blüten häufig andromonoecisch oder androdioecisch (d. h.neben zwitterigen Blüten kommen auf den gleichen Exemplaren oder auf besonderen Stöcken männliche Blütenvor). Blüten der männlichen Pflanzen und männliche Blüten der andromonoecischen Pflanzen stets einen Rest(3 bis 5 mm lang) des Fruchtknotens aufweisend, der bis auf einen Narbenrest verschwinden kann (Griffel inden männlichen Blüten gelegentlich sehr lang, der zugehörige Fruchtknoten dann aber auffallend schlank undoft zusammengeschrumpft). Männliche Pflanze im allgemeinen klein und schmächtig, 24 bis 34 (60) cm hoch.Laubblätter nur gelegentlich Bulbillen tragend. Perigonblätter mit dunkelorangem Grundton; die mittlere Partie(von + rhombischem Umriss) zeigt eine hellgelborange Färbung (die schwärzlichen Flecken sind zahlreicherund grösser als bei der var. bulbiferum). Blattoberseite nur matt glänzend, sammetartig. Zwischen den schwachgewellten Epidermiszellen treten als parallele Züge (1 bis 3 Zellen in der Breite) papillös emporgezogene Zellenauf (besonders auf der Mittelrippe und am Blattrand), die mit Verdickungsstreifen ausgestattet sind (Fig. 354 a, b)oder deren Cuticula in derben Falten gegen die Papillenkuppe verläuft. Früchte und Samen selten ausgebildet.

Die Feuerlilie, welche allerdings sehr oft steril auftritt oder in einzelnen Jahren sehr spärlich blüht,gehört zu den Tagfalterblumen, welche aber trotz der weithin leuchtenden Farbe nur wenige Falter anlockt(Tagpfauenauge, Apollo, saugende Falter aus den Gattungen Polyommatus und Argynnis). Die Staubblätterund die Narbe sind ziemlich gleichzeitig ausgebildet und stehen in gleicher Höhe. L. bulbiferum ist selbststeril,d. h. mit eigenen Pollen vollständig unfruchtbar. Sie gehört zu den bodenvagen Arten. Auf Kalk erscheintsie zuweilen (z. B. im Schweizer Jura) an trockenen, heissen Südhängen im Blauschwingelrasen (Festuca ovinasubsp. glauca. vgl. Bd. I, pag. 332) in Gesellschaft von Melica ciliata (Bd. I, pag. 289), Allium montanum(nr. 596), Anthericum ramosum (nr. 577), Teucrium montanum, Thalictrum minus, Sedum album, Ligustrumvulgare var. rupicola etc. (nach Rikli). In den Tälern der Zentralalpen tritt sie auf Urgebirge gern aufsonnigen Geröllhalden oder auf Felsenheiden auf, zusammen mit Asplenium septentrionale (Bd. I. pag. 29), Koeleriagracilis, Polygonatum officinale, Rumex scutatus, Tunica saxifraga, Alsine laricifolia, Silene nutans, ErysimumHelveticum, Sedum album, Sempervivum arachnoideum, Rosa glauca, Vincetoxicum, Primula viscosa (stellen-weise), Veronica spicata, Crepis virens, Calamintha acinos, Lactuca perennis etc. fast alles also typischeXerophyten und z. T. auch Thermophyten. In den nördlichen Alpen ist die Feuerlilie sehr häufig in denFöhnkanälen anzutreffen. In Kärnten vertritt sie stellenweise (z. B. im obern Lavanttal) in Getreidefelderngewissermassen den Feuermohn und färbt dieselben zur Blütezeit ganz rot (Bayer nach Scharfetter briefl.).In einigen Kantonen der Schweiz ist die Feuerlilie neuerdings staatlich geschützt worden.

610. Lilium Carniölicum Bernh. (= L. Chalcedönicum Jacq.). Krainer-Lilie. Ital.:

Riccio di dama. Fig. 355 und 354 e.

In Kärnten heisst diese Art Berglilie, nach der gelben Zwiebel Goldäpfel, Goldruabn [= rübe].

') Vgl. hierüber besonders: Heinricher E. Ueber Androdioecie und Andromonoecie bei Liliumcroceum Chaix und die systematischen Merkmale dieser Art. Flora (1908), pag. 364378.