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2. Monocotyledones 2 (1907)
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oder in Bergwäldern (hier mit Ranunculus lanuginosus, Aconicum lycoctonum etc.) auf. Vom Weidevieh wirddie Pflanze nicht berührt. Die Blüte stellt eine Mittelstufe zwischen Tag- und Nachtfalferblumen dar (vor-nehmlich aber Nachtfalterblume) und gehört zu den Schwärmerblumen. Die nickenden Blüten sind homogamoder unvollkommen proterogyn; abends und nachts duften sie stärker als am Tage. Der Zugang zum Honigführt durch sehr enge, 10 bis 15 mm lange Rinnen, die längs der Mittellinie am Grunde jedes Blütenblattesverlaufen. Da die Blüten nach abwärts gewendet sind, fehlt es den anfliegenden Insekten an einem Stützpunkt,weshalb nur solche Schmetterlinge zur Honigquelle gelangen, welche im Schweben saugen können (langrüsseligeVertreter der Gattungen Sphinx und Macroglössa). Bei ausbleibendem Insektenbesuch erfolgt als Notbehelf durch Herabfallen von Pollen auf die Narbe spontane Selbstbestäubung. Die Früchte sind als sog.balli-stische" Kapselfrüchte zu bezeichnen, deren ursprünglich nickende Kapseln sich zur Reifezeit aufrichten undsich oben vom Scheitel her öffnen. Von hier werden dann die Samen durch den Wind fortgeworfen. Wie beimSpargel, bei Cichorium, bei Erlen etc. kann der Spross gelegentlich stark verbreitert (Fasciation) sein (2,8 bis 5 cmbreit I). In Sibirien werden die Zwiebeln in gekochtem Zustande genossen.

In Kroatien und im nordwestlichen Balkan (Bosnien, Herzegowina und Dalmatien) erscheint als Rassedas prächtige L. Dalm äticum Vis. et Maly (= subsp. Cattaniae Vis., = var. atropurpiireum Neilr.) mit dunkel-blutroten, fleckenlosen Perigonblättern. Früchte fast rundlich. Wird bei uns gelegentlich in Gärten kultiviert.

609. Lilium bulbiferum L. Feuerlilie. Franz.: Lis jaune; ital.: Giglio rosso. Tafelöl,

Fig. 2 und Fig. 354 a, b, c.

Als wildwachsende Art heisst die Feuerlilie Wilde Gilgen, Feldlilie (Tirol), Berg-Ilga, Stei-Ilga (St. Gallen), Stei(n)rose (Graubünden: Trimmis), nach der Blütenfarbe: Gelbe Gilgen (Zillertal), Roth-Ilgä (Schweiz); Goldrose, Goldilgä (Schweiz); Feuerlilje (Erzgebirge), Füür-Ilga etc. (Schweiz).Die feuerrote Färbung der Blüte mag vielleicht zu dem Volksglauben Anlass gegeben haben, dass die Feuer-lilie den Blitz anziehe und dass man sie daher nicht ins Haus bringen dürfe (Gailtal in Kärnten): Donner-blume (Tirol), Donnerrosen (Kärnten). Steckt man die Nase in die Blüte, so wird jene von den ab-färbenden Staubgefässen gelb, ein beliebtes Kinderspiel; daher Nasenfärber (Westpreussen), Nosnbräse (Erz-gebirge). Im Wesergebiet nennt man diese Lilie auch Kaiserkrone, ein Name, der sonst der Fritillariaimperialis (vgl. pag. 239) zukommt. Die Bezeichnungen im romanischen Graubünden lauten: FanzogniaRemüs), Machöja, Tulipäna (Süs), fiur di San Giuan [Blume des heiligen Johannes] (Puschlav).

Ausdauernd, 20 bis 90 (120) cm hoch. Zwiebel eiförmig, weiss, mit breiten, spitzenSchuppen. Stengel aufrecht, dicht (besonders in der Mitte) beblättert, rot oder schwarzgefleckt, im obern Teile flockig-wollig. Laubblätter wechselständig, linealisch bis lineal-lanzettlich, die untern bis fast 10 cm lang, die obern kürzer, in den Achseln zuweilengrüne, weissliche oder braune (selten auch grün mit braunen Tupfen) Bulbillen tragend.(Tai. 61, Fig. 2a). Bulbillen vorwiegend einzeln oder als Beiknospen zu 2 bis 3 (lateral)nebeneinanderstehend. Blütenstand flach doldig, gewöhnlich1- bis 5- blutig (bei kultivierten Exemplaren auchmehrblütig.) Blütenstiele kurzhaarig oder kahl. Blütengeruchlos. Perigonblätter aufrecht, 4 bis 6 cm lang,leuchtend rot oder gelbrot, innen dunkelbraun gefleckt,warzig rauh (die Warzen Haarbüschel tragend), mitgewimperter Honigfurche, die äussern schmäler. Staub-blätter ungefähr halb so lang als die Perigonblätter, mitroten Staubbeuteln. Griffel bei den Zwitterblüten etwaslänger als die Staubblätter. Frucht verkehrt-eiförmig,stumpf, ca. 4 cm lang und sechskantig. V bis VII(oft aber nicht blühend).

Zerstreut auf Bergwiesen, an Waldrändern, anwarmen sonnigen Abhängen, an Hecken, Zäunen, Acker-rändern, in Getreidefeldern, in Auen.

Besonders in den Tälern der Alpen und Voralpen bis in diealpine Region (im Tessin [Cima d'Efra] bis 2400 m). Ausserdem

Fig. 354. Epidermis (Flächenschnitt) a vonLilium bulbiferum subsp. croceum, cvonder subsp. bulbiferum, d von L. martagon.b Querschnitt durch den Blattrand (nur dieEpidermis ist gezeichnet) von L. bulbiferumsubsp. croceum, e von L. Carniolicum.(J Papillen.)