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1. Die mittleren Laubblätter einander quirlig genähert. Perigonblätter aufwärts gerollt, rosapurpurngeneckt..............................L. martagon nr. 608.
1*. Alle Laubblätter wechselständig....................... 2.
2. Blüten aufrecht, glockig-trichterförmig...........L. bulbiferum nr. 609.
2*. Blüten überhängend. Südöstliche Alpen...........L. Carniolicum nr. 610.
608. Lilium martagon 1 ) L. Türkenbund. Franz.: Lis martagon; engl.: PurpleMartagon Lily; ital.: Martagone. Taf. 61, Fig. 1 und Fig. 354 d.
Den Namen Türkenbun d verdankt die Pflanze den nach aussen ungerollten Perigonblättern, die manmit einem Turban verglich: Türkischa-Bund, -Huat (Schweiz); Konstantinopel (Westpreussen:Weichseldelta). Ebenfalls auf die Form der Blüte beziehen sich „ Schlotterhose" [„Pumphose", vgl. Cypri-pedium calceolus, Aquilegia] (Thurgau), Krulllilje [ostfries. krulle = ringel, locke] (Ostfriesland, Oldenburg).Weitaus die meisten Volksbenennungen beziehen sich auf die goldgelbe Zwiebel der Pflanze: Gold würz,Goldwurzl (Bayern, Riesengebirge, Tirol, Schwaben), Goldwurzä (Schweiz); Goldzwifl (Niederösterreich);Goldbölla [= -zwiebel] (St. Gallen); Goldruabn [= -rübe] (Kärnten); Goldhäupl (Böhmerwald); Gold-äpfel (Böhmerwald, Niederöstereich, Tirol, Kärnten), Goldöpfel (St. Gallen); Goldpfandl [zu „Pfanne"](Tirol, Niederösterreich); Goldblume (Böhmerwald); Goldlilgen (Kärnten); Romanisch Poms d'or.
In der Volksmedizin wird die Türkenbundzwiebel zahnenden Kindern als Amulett umgehängt; auchgilt sie als harnfördernd. In früheren Zeiten wurde sie besonders gegen die „güldene Ader" (Hämorrhoiden)verwendet.
Ausdauernd, 30 bis 60 (159) cm hoch. Schuppenzwiebel goldgelb, eiförmig, bisca. 5 cm lang. Stengel aufrecht, stielrund, kahl oder oberwärts meist kurzhaarig-rauh,(seltener + dicht behaart: var. pubescens Beck), grün oder rot gefleckt, besonders inder Mitte beblättert. Laubblätter länglich-spateiförmig, beiderseits verschmälert, zuge-spitzt, 7- bis 11-nervig, kurzhaarig-bewimpert, bis 15 cm lang, die untern und die obernmeist einzeln und wechselständig (seltener gegenständig), die mittlem zu 5 bis 6 (9) quirl-artig zusammengeschoben. Blütenstand endständig, traubig, mit bogig nach abwärts ge-krümmten Blüten, 3- bis 10- (selten bei Gartenformen bis 40-) blutig (ausnahmsweise auch nur1 Blüte). Perigonblätter länglich, 3 bis 3,5 cm lang, nach aufwärts gerollt, schmutzig-hell-purpurrot mit dunkleren Flecken (selten gelblich-weiss oder ganz weiss) und mit gewimperterHonigfurche (Taf. 61, Fig. la), am Rücken und an der Spitze wenig behaart. Staubbeutelmennigrot (selten gelb). Fruchtknoten halb so lang als der stark nach abwärts gebogene Griffel.Fruchtkapsel 23 bis 30 mm lang, kreiseiförmig, scharfkantig, mit aufgesetztem Griffelrest.Kapselfächer zweiflügelig-kantig. Fruchtstiele nach aufwärts gerichtet. Samen platt, hell-braun, 6 bis 8 mm lang. ■— VII, VIII.
Ziemlich häufig und verbreitet in Laubwäldern (besonders in Bergwäldern), inGebüschen, auf vegetationsreichen Bergwiesen, in Holzschlägen; von der Ebene bis in diealpine Region (bis 2300 m). Fehlt im nordwestlichen (so in Schleswig-Holstein, Mecklen-burg, in der Altmark, Prignitz etc.) und stellenweise im nördlichen Deutschland vollständig(auch in der Rheinprovinz selten). Gern auf Kalk.
Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa (fehlt ursprünglich in Belgien,Holland, ferner auf den britischen Inseln, in Dänemark, Skandinavien, Nord-Russland, in derungarischen Tiefebene und stellenweise im Mittelmeergebiet), gemässigtes Asien (östlichbis Japan).
Dieses stattliche Liliengewächs tritt bei uns besonders gern in den Buchenwäldern in Gesellschaftvon Mercurialis perennis, verschiedenen Veilchen (Viola silvatica, Riviniana), Asarum Europaeum, Brachypodiumsilvaticum, Milium effusum, Poa nemoralis, Carex digitata, Majanthemum bifolium, Sanicula Europaea, Paris,Arum, Asperula odorata, Anemone hepatica und nemorosa, Ranunculus nemorosus, Actaea, Aquilegia, Phyteumaspicatum, Oxalis acetosella, Neottia, Euphorbia dulcis, Galium silvaticum, Hieracium murorum, Vinca minor etc.
vgl.
') „Der Name scheint in alchimistischer Beziehung auf den Planeten Mars gebildet zu sein" (Ascherson);„Goldwurz".