Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
198
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

198

Fig.319. Colchicum autum-nale L. a Knolle (von vorn),h Längsschnitt durch die Knolle.(k vorjährige Knolle mit demRest des vorjährigen Stengels (s),kl Anlage der diesjährigenKnolle, welche im Frühjahr dieBluten erzeugt und unten dieAnlage der nächsten Generationträgt) c Querschnitt durch dieFruchtkapsel, d Same mit kleb-rigen Anhängsel (von aussen).e Längsschnitt durch den Samen{Je Keimling).

derselben hängt sie nur an einer kleinen Stelle zusammen. Die untere Partie des Blütenstengels wird von2 Scheidenblättern und von einer Anzahl noch unentwickelter Laubblätter umgeben. Die im Herbst noch sehrkleine Knolle des blühenden Sprosses (h\) ist durch Verdickung des zwischen dem ersten und zweiten Laub-blatte gelegenen Internodiums entstanden. Im Winter bezieht die junge Knolle ihre Nahrung aus der vor-jährigen Knolle l-, die mit Reservestoffen angefüllt ist. Das Hervortreten der Blütenund Früchte über die Erde erfolgt durch Streckung des Internodiums zwischen demzweiten und dritten Laubblatt. Bis zum Frühjahr hat sich dann das Internodiumzwischen dem ersten und zweiten Laubblatt verdickt und ist zur neuen Knolle ge-worden, die am Grunde die im Herbst zur Blüte auswachsende Hauptknospe () trägt.Von dem ersten Laubblatt bleibt nur der Scheidenteil übrig, der als eine derbe,dunkelbraune, die Knolle und die nächste Sprossgeneration umschliessende Hülle(Knollenhaut) umgibt und gewöhnlich mehrere Jahre hindurch erhalten bleibt.Die fleischfarbigen Blüten sind proterogyn und besitzen langlebige Narben. DerNektar wird von der verdickten, gelb gefärbten Aussenseite des untern freienTeiles der Staubfäden abgesondert und in den anliegenden, durch Wollhaare über-deckten Furchen der Perigonblätter beherbergt. Als Bestäuber kommen Hummeln,Honigbienen, Stubenfliege, zahlreiche winzig kleine Museiden, 2 Falter (Vanessa iound V. urticae), sowie kleine Nacktschnecken in Betracht. Die letztern fressendie Perigonblätter gern ab und können dabei, da die Staubblätter mit den Perigon-blättern verwachsen sind, leicht Pollen auf die Narbe bringen. Autogamie istauch möglich. Die Blüten sind gewissermassen heterostyl (jedoch nicht im physio-logischen Sinne), d. h. sie durchlaufen nacheinander in kontinuierlicher Folge einenlang-, mittel- und kurzgriffeligen Entwicklungszustand. Zur Zeit des Aufblühensbesitzt die Blüte in der Regel erst die Hälfte ihrer spätem normalen Grösse(vgl- Loew, Berichte der Deutschen botan. Gesellsch. Bd. XXVI. 1908). Wie auchandere Liliaceenblüten öffnen und schliessen sich die Blüten periodisch. Im reifen Zu-stande sind die Fruchtkapseln blasig aufgeschwollen, weshalb sie vom Windleicht abgerissen und fortgeweht werden. Dadurch werden auch die Samen leichtzerstreut. Diese letztern, welche ein kleines, anfangs klebriges Anhängsel (Restdes Nabelstranges) aufweisen, liefern die offizinellen giftigen Semen Colchici,die allerdings erst seit 1820 medizinisch verwendet werden. Sie schmecken sehr bitter und enthalten 0,2 bis 0,4 °/oColchicin (ein stark giftiges Alkaloid), ca. 8°/o fettes Oel, bis 20% Eiweissstoffe, ferner Zucker, Gallussäure,Phytostearin und Stärke. In der Volksmedizin wird ein Absud der Zwiebeln und Blüten der Herbstzeitlosebei Kindern, aber auch beim Vieh zum Vertreiben des Ungeziefers (Läuse) benützt. Die Zwiebel in der Taschegetragen hält die Ruhr fern und schützt überhaupt vor Krankheiten wie Zahnweh und Pestilenz (St. Gallen).In Graubünden gilt die Zeitlose morgens nüchtern gegessen als Mittel gegen dieGelbsucht. Zeitlosentinktur und Zeitlosenwein werden übrigens auch bei Asthma,Gicht, Rheumatismus und Wassersucht verwendet. In der Schweiz werden anmanchen Orten mit den Blättern derChüentsche" die^ Ostereier eingebunden und(gelb) gefärbt.

573. Colchicum alpfnum Lam. et DC. Alpen- Zeitlose.

Fig. 320.Ausdauernd, 10 bis 15 cm hoch, nr. 572 sehr ähnlich, jedochin allen Teilen kleiner. Knolle kaum über 2 cm lang. Laubblätterlinealisch-lanzettlich, stumpf, nach dem Grunde zu verschmälert. Blütenhelllila, mit kaum 3 cm langen, stumpfen Abschnitten (Fig. 320 c).Perigonröhre dünn, bleich. Staubblätter kurz, nur 1 /s so lang als diePerigonabschnitte, am Grunde kaum verdickt, mit kurz-linealischen,gelben Staubbeuteln. Griffel kürzer bis so lang als die Staubblätter,fast bis zur Spitze gerade, wenig gebogen, mit kleiner, kopfförmigerNarbe. Kapsel im Herbst ausreifend, stumpf, ca. 2 cm lang, mit Fig . 320

Griffelrest. ---- VII bis IX. Colchicum alpinum DC.

a Blühende Pflanze, b Frucht-

Auf subalpinen Weiden, von ca. 600 bis 2000 m der west- exempiar. c Blüte (vergrössert;liehen und südlichen Schweiz. 2 Pe " g ° nZ schiagen)-