s
191
Graubünden); östlich bis Steiermark, Kärnten (zerstreut auf allen Alpengruppen) undOberösterreich. Fehlt in Niederösterreich und Bayern vollständig. Bevorzugt Urgestein.
Allgemeine Verbreitung: Alpen, Grossbritannien,Island, Spitzbergen, nördliches Europa, Nordamerika.
Diese kleine Liliacee, die von Ungeübten leicht mit der var. glacialisvon nr. 566 (dort ein calyculus!) verwechselt werden kann, gehört dem subarktisch-alpinen Florenelement an und hat den Schwerpunkt ihrer Verbreitung im sub-arktischen Norden. Da sich in den Blüten die beiden Geschlechter gleichzeitigausbilden (homogame), so ist Selbstbestäubung nicht ausgeschlossen. ■— Selten(Tirol: Gleirschtal, Gleinserjöchl bei Matrei, Blaser, Tiinser Padaster, Tristenin Ahrn, Gsieser Jöchl und Bergerkofel in Virgen) ist der Bastard T. caly-culata Wahlenb. x T. palustris Huds. (= T. hybrida Kerner) beobachtetworden. Wuchs kräftiger, Blätter länger zugespitzt und Blüten etwas wenigerblass als bei nr. 567. Tragblatt am Grunde der Blüte ausgebildet, sehr klein,kaum Y« so l an S als die Perigonblätter.
CXXXXVII. Narthecium 1 ) Huds. Beinbrech.
Zu dieser Gattung gehören 6, einander sehr nahestehende Arten dernördlich-gemässigten Zone. In Europa ausser nr. 568 noch N. Reverchönit'elak. auf Corsika.
Fig. 315.
Tofieldia palustris Huds.
a Habitus ('/änatürl.Grösse), b Stück
der Blütenspindel mit 2 Blüten
(d das dreilappige Tragblatt).
568. Narthecium ossffragum 2 ) Huds. (= N. anthericoides
Hoppe, = Tofieldia ossifraga Nem., = Anthericum ossifragum L.).
Europäischer Beinbrech. Engl.: Bog Asphodel. Taf. 58,
Fig. 4 und Fig. 314 e und f.
Im nordwestlichen Deutschland heisst die Pflanze (nach der Gestalt der Blätter?) Schooster-knief (Schusterkniepe).
Ausdauernd, 10 bis 30 cm hoch. Grundachse dünn, kriechend. Laubblätter zwei-zeilig angeordnet. Stengel gewöhnlich starr aufrecht, am Grunde mit wenigen Scheiden-resten besetzt. Grundständige Laubblätter linealisch, schwertförmig, kürzer oder etwaslänger als der Stengel. Stengelblätter klein, linealisch, die obersten den Tragblättern derBlüten ähnlich. Blütenstand endständig, traubig, 6 bis 7 cm lang, + (besonders am Grunde)locker. Blüten ziemlich lang gestielt. Perigonblätter 6, aussen grün, innen gelb (Taf. 58, Fig. 4a),linealisch bis lineal-lanzettlich, bleibend, später zusammenfaltend. Staubfäden dichtwolligbehaart (Taf. 58, Fig. 4b). Haare fast 1 mm lang. Staubbeutel ziegelrot, nach innenaufspringend. Fruchtkapsel schlank, zugespitzt (Fig. 314 e), fachspaltig aufspringend (Fig.314f),rötlich gelbbraun, wenig länger als die Perigonblätter. Samen feilspahnförmig, mit lockererSchale, oben und unten mit einem fadenförmigem Anhängsel (Taf. 58, Fig. 4b). — VII, VIII.
Stellenweise auf Heidemooren (zwischen Sphagnum), auf schlammig-moorigen Boden,auf feuchten Heideplätzen der Geest.
In Deutschland besonders im Nordwesten im Gebiete der atlantischen Flora, im Hohen Venn,am Niederrhein, im nordwestlichen Teile von Westfalen, in Hannover, Ostfriesland, in Schleswig-Holstein(besonders im Westen); überschreitet die Elbe nach Osten nur in ihrem untersten Laufe. Fehlt bereits inMecklenburg und in der Altmark (jedoch dicht an der Grenze: Siemke Mühle östlich von Schafwedel inHannover). Fehlt ebenfalls in Oesterreich (früher bei Slatinan unweit Chrudim beobachtet) und in derSchweiz vollständig. Diese auffällige, an eine Iris erinnernde Art gehört zu den Charakterpflanzen dernordwestdeutschen Heideflora, wo sie stellenweise kleinere Strecken rasenförmig überzieht und dichte Bestände
») Griech. vd.Q>dt)% [närthex], bei den Griechen Name einer Doldenpflanze, die zu Stäben diente.2 ) Lat. os (Genitiv össis) = Knochen und lat. frängere = brechen; der Genuss dieser Pflanze sollKnochenbrüchigkeit des Weideviehes verursachen.