Die Familie der Cyperaceen umfasst ca. 65 Gattungen mit beinahe 3000 Arten, die über die ganze Erdeverbreitet sind. Ihre Vertreter sind zum grossen Teil Sumpfpflanzen; doch treten einige auch auf dem trockenen Sand-boden auf (z.B. Carex arenaria, hirta, obtusata). Die meisten Cyperaceen sind mehrjährige Pflanzen, die den Winter
vermittelst des Wurzelstockesoder des Rhizoms überdauern.Nach dem Wüchse kann manAusläufer treibende und horst-bildende Arten unterscheiden.Wie bei vielen Süssgräsern(z. B. Festuca) sind die Triebeteils als umscheidet (intrava-ginal), teils als durchbrechend(extravaginal) zu bezeichnen(siehe Carex!). Echt umschei-dete Triebe kommen zwarselten vor (Carex tenuis, semper-virens). Die langen (bei Carexdisticha bis 120 cm lang) Aus-läufer werden nur von durch-brechenden Trieben gebildet.Meistens sind die Ausläuferals unterirdisch kriechend zubezeichnen (Eriophorum poly-stachyon, Scirpus silvaticusund lacustris, Cladium mari-scus, Blysmus compressus,Carex acuta, Goodenowii,Buxbaumii, vesicaria, riparia,acutiformis), seltener alsoberirdisch kriechend (Carexchordorrhiza und filiformis).Bei den horstbildendenCyperaceen sind die Inter-nodien des unterirdischenStammorganes sehr kurz; die Knotenstellen sitzen sehr nahe aufeinander. Zu den typisch horstbildenden Formengehören Eriophorum vaginatum, Trichophorum alpinum und caespitosum, Carex vulpina, paniculata, paradoxa,stricta, Davalliana, pulicaris, canescens, Oederi, flava, montana, Scirpus maritimus, Rhynchospora alba usw.
Bei den Ausläufer treibenden, ausdauernden Arten dient das Rhizom als Speicherorgan. Die in denBlättern erzeugten Stoffe wandern im Sommer und Herbst in den Wurzelstock, wo sie in Form von Stärkeabgelagert werden, um dann im nächsten Frühjahr zur Bildung der ersten jungen Triebe verwendet zu werden.Bei den meisten Arten befindet sich das parenchymatische Speichergewebe im Wurzelstock; bei einigen anderenArten dagegen (z.B. Carex stricta, Fig. 173a) dienen die Wurzeln als Speicherorgane. Die Rinde von derartigenWurzeln zeigt dann zahlreiche, im Querschnitte radial gestellte Zellen, die im Herbst dicht mit Stärkekörnern gefülltsind. Bei Scirpus maritimus bilden sich an der Basis der HalmeKnollen aus, welche während des Winters viel Stärke enthalten.Die Blätter, die an den Knotenstellen abwechselnd auf drei Seitenentstehen, sind stets in 3 Zeilen oder Reihen angeordnet (Ys-Blatt-stellung). Da die Knoten am Grunde der Halme ziemlich dichtaufeinander folgen, so stehen auch die Blätter am Grunde meistsehr dicht, während sie am Stengel weit voneinander entferntsind bezw. ganz fehlen. Nicht selten sind auch Halme mit scheiden-förmigen, spreitenlosen Blättern(B insentypus). Meistens ist die Blatt-spreite flach ausgebildet (Fig. 173 d, e), mit einer tiefen Rinne versehen,am Rande zuweilen zurückgeknickt; seltener ist sie dreirinnig, hohl-kehlig offen (Carex filiformis) oder borstenförmig (Carex Da- Fig-. 174. Blattquerschnitt von Carex acuti-
valliana, dioica, pulicaris, Trichophorum alpinum). Im Gegensatz f ° rmis Ehrh. «Untere Epidermis mit Papillen.
* J ° h mechanisches Gewebe, g Leitbunde]. / weit-
zu den Gramineen zeigt das Blatt der Sauergräser eine starke maschiges Luftgewebe.
M° a
Fig-,173. a Wurzelquerschnitt von Carex stricta Good. r Parenchymatisches Rindengewebemit stärkeerfüllten Zellen (schraffiert) e Endodermis, / Leitbündel, b Blattsägezähne vonCladium. mariscus R. Br. c Einzelner Zahn (stark vergrössert). d Blattquerschnitt vonCarex digitata L. e von Carex vulpina L. / Stengelquerschnitt von SchoenusferrugineusL. g Blatthautchen von Carex vulpina L,