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der Augenlider). So glaubt man im Erzgebirge, dass derjenige, der am Weihnachtsabend ein Töpfchen mitsieben Gerstenkörnern unter den Tisch stellt, vor dieser Krankheit verschont bleibe Die „Gerstenhaare"(= Grannen mit Spelzen, s. o.) werden im Thurgau um bepflanzte Beete gestreut, um die Tauschnecken davonabzuhalten: auch werden die Grannen unter den Lehm gemischt, Tmit dem die Oefen ausgestrichen werden.Desgleichen gelten die „Agle" (s. o.) ebendort als gutes Pferdefutter.
Die Saatgerste dient hauptsächlich als Suppeneinlagen (Gerstengraupen) und zwar geschälte und künstlichabgerundete Körner und zu Gerstengries. Zur Brotbereitung wird das Gerstenmehl hauptsächlich in Sud-europa (Sizilien) und in Norden (Schweden, Norwegen, Schottland, Irland) benützt. Die Wintergerste wird zurMalzgewinnung (für Brauzwecke etc.) nicht verwendet. Die gerösteten (besonders die der nicht gespelzten zwei-zeiligen Gerste) Gerstenkörner (resp. Malzkörner) bilden unter dem Namen Gersten-, Gesundheits-, Malz- oderKneippkaffee ein bekanntes Kaffeesurrogat. Maltokaffee wird nur aus Roggen, Gerste und Malz gewonnen, Kölner-kaffee ist ein in Sirup und Weinsäure gekochter, gerösteter und gemahlener Kaffee. Aus den nackten Gersten-körnern wird zuweilen ein schleimiger Tee medizinisch verwendet (daher auch Hordeum decorticatum). Die wildeStammform unserer kultivierten Gerstensorten ist H, spontan eum K. Koch (= H. Ithaburense Boiss.), welcheArt im Orient, in Persien, Beludschistan und im petraeischen Arabien zu Hause ist. Am nächsten steht sie derzweizeiligen Gerste (speziell der Abart nutans), von der sie sich einzig durch die zähe Spindel und die etwaskürzeren Grannen unterscheidet.
1. Kulturpflanzen' (Getreidearten). Aehrenspindel zähe, bei der Reife die einzelnen Aehrchen vonihr sich loslösend. Seitenährchen meist ungestielt. Hüllspelzen so lang oder kürzer als die Deckspelzen . 2.
1*. Wildwachsende Arten. Aehrenspindel zerbrechlich, bei der Reife die Aehrchendrillinge mit demunter ihnen befindlichen Stück der Spindel abfallend. Seitenährchen gestielt. Hüllspelzen länger als die Deck-spelzen..................................... 3.
2. Seitenährchen verkümmert, unbegrannt, nur das mittlere fruchttragend. Aehre daher zweizeilig.
H. distichon nr. 358.2*. Seitenährchen fruchtbar. Aehre deshalb mehrzellig.......H. polystichon nr. 359.
3. Hüllspelzen der Mittelährchen an beiden Seiten borstlich bewimpert (Fig. 169b) H. murinum nr. 360.3*. Hüllspelzen der Mittelährchen nicht bewimpert, rauh oder beborstet (Fig. 170b und 1/1 b). Salz-liebende Arten.................................. 4.
4. Ausdauernd. Oberstes Stengelglied weit aus der obersten, enganliegenden Scheide hervorragend.
H. secalinum nr. 361.4*. Einjährig. Stengel oft bis zur Aehre beblättert........H. maritimum nr. 362.
358. Hordeum distichon 1 ) L. (= Zeocrithon distichon Alef.). Zweizeilige Gerste.Franz.: Orge ä deux rangs, Poumoule, baillarge, pamelle; engl.: Two-rowed Barley.
Taf. 41, Fig. 10, 11 und 15.
Im Gegensatz zu den anderen Gerstenarten heisst diese Art in Kärnten auch Landgersten, in derSchweiz (Graubünden) nach der Anordnung der Körner Schindelchore oder nach der zweizeiligen AehreZweiecker (Schiers); im Romanischen Jerdi (Schieins).
Einjährig, 60 bis 100 cm hoch. Aehre 7 bis 15 cm lang, die langen Formen nickend,die kurzen aufrecht, von den nicht mit Aehrchen besetzten Seiten stark zusammengedrückt.Aehrenspindel zähe, bei der Reife die einzelnen Aehrchen von ihr sich loslösend. Seiten-ährchen verkümmert, unbegrannt (Taf. 41, Fig. 15), angedrückt, männlich oder geschlechts-los (seltener ganz fehlschlagend), mit stumpflichen Deckspelzen und lineal-pfriemlicher Hüll-spelze (diese etwa so lang als die Blüten). Mittelährchen fruchtend, aufrecht anliegendoder abstehend, zweikielig, mit bis über 15 cm langer, starrer, anliegender Granne. Deck-spelzen derselben zweikielig (zuweilen noch mit einem deutlichen dritten Mittelkiele). — VII.
Ueberall in Mitteleuropa (ausschliesslich als Sommerfrucht) gebaut; ausserdem hieund da verwildert. Findet sich bereits in den Pfahlbauten der Schweiz. Steigt in denAlpen stellenweise hoch hinauf (im Wallis bis 2100 m).
Aendert ab: var. nütans Schübler. Aehre schmal-linealisch, 9 bis 13 cm lang, blassgelb, locker,meist nickend. Mittelährchen aufrecht. Grannen aufrecht. — Die häufigste gebaute Rasse.
var. erectum Schübler. Imperialgerste, in Tirol allgemein „breite Gerste" genannt. Aehnlich, aberAehrchen gedrängter. Aehre dichter, aufrecht, linealisch, 8 bis 11 cm lang. Hüllspelzen behaart. Blüten fast
') Gr. dir; [dis] = zweifach und gr. ozi'zog [sti'chos] = Reihe, Zeile.
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