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Hie und da oft nur versuchsweise angebaut. Aehren, Körner und Grannen rot. Deckspelzen samtig behaart(var. dinurum Alef.) oder Aehren blauschwarz und Deckspelzen behaart (var. jodürum Alef.) oder Aehrenblauschwarz nnd Deckspelzen kahl (var. H err erae Körnicke). — 4. subsp. durum (Desf.) Alef. Hart-, Glas-oder Gerstenweizen; ital.: Grano duro. Im Dialekt des Tessin: Forment, Forment de minestra; wird dort be-sonders im Val di Muggio kultiviert. Aehren kräftig und sehr lang begrannt, bald kürzer und dichter, bald längerund lockerer. Hüllspelzen scharf hervortretend, fast flügelig gekielt. Deckspelzen zusammengedrückt, auf demRücken schmal gewölbt. — Besonders im Mittelmeergebiet gebaut, bei uns dagegen selten; ausserdem hie undda verwildert. — Verästelte Aehren werden als Wunderweizen (T. compositum) bezeichnet. Es handelt sichursprünglich um eine Bildungsabweichung, die streng erblich geworden ist. Zahlreiche Bastarde sind teilszufällig, teils durch Kultur oder künstlich entstanden.
Adventiv tritt selten auf: T. villösum Bieb. (= Secäle villösum L., — Agriopyrum villösum, = Hay-naldia villösa Schur). Ital.: Segale peloso. Heimat: Mittelmeergebiet. Einjährig. Hüllspelzen zvveikielig, aufden Kielen langseidig behaart, zwischen den beiden Kielen flach oder vertieft.
CXXI. Hördeum 1 ) L. Gerste.
Einjährige oder ausdauernde (H. secalinum) Gräser. Blatthäutchen kurz, gestutzt.Aehrchen in einfacher Aehre, zu 2 bis 6 (meist 3) in jedem Ausschnitt der Aehrenspindelsitzend („Aehrchendrillinge", Fig. 168b), die beiden seitlichen oft gestielt (Fig. 1/0b, 171b),männlich oder zwitterig, mit stielförmigem Fortsatz der Aehrchenachse. Gipfelährchen ver-kümmert. Hüllspelzen fast gleichlang, schmal, lineallanzettlich bis borstenförmig, begrannt,zugespitzt, zu der Deckspelze gekreuzt stehend^ d. h. zu beiden Seiten derselben gestellt,selten rudimentär oder ganz unterdrückt, üeckspelzen aus der Spitze meist lang begrannt,seltener wehrlos, 5-nervig. Lodicnlae schief-eiförmig oder länglich, fleischig, zottig odergewimpert. Frucht den Deck- und Vorspelzen meist angewachsen, mit breiter Furche.
Zu dieser Gattung gehören ca. 16 wildwachsende Arten, die in Europa, im gemässigten Asien, inNordafrika, sowie in Nord- und Südamerika zu Hause sind. H. jubätum L., die Mähnen-Gerste, engl.:Squirrel-tail Grass, aus Nordamerika (verwandt mit H. murinum), mit zierlicher, überneigender, begrannterAehre ist ein sehr beliebtes Ziergrass, das sowohl zu Einfassungen als auch (frisch oder getrocknet) zu Bouquetsverwendet wird. Selten auch adventiv, z. B. bei Hamburg (Bahrenfeld).
Der Name Gerste (althochdeutsch gersta), verwandt mit dem lat. hordeum (vgl. Anm. 1), wirdauf die indogermanische Wurzel ghrs (vgl. lat. horrere = starren, lat. hirsütus = struppig) mit der Bedeutungdes Starrenden, Stachlichten zurückgeführt. Das Wort Gerste würde demnach mit Bezug auf ihre langen,starren Grannen die „Stachlichte" bedeuten. Ob auch das griech. y.gi-ßri [krithe] = Gerste lautlich hieher zustellen ist, bleibt unsicher. Mundartliche Formen sind: Gassen (unteres Wesergebiet, Holstein), Gaste(Unteres Wesergebiet). Gast(en) (Mecklenburg, Schleswig-Holstein), Garsten (Holstein), Gasten (nördl.Braunschweig), Giäste (Westfalen: Recklinghausen), Jarscht (Westpreussen), Gärschte (nördlichesBöhmen), Ga(r)scht (Erzgebirge), Gar s cht e (Krain: Gottsche); Ge a(r)s cht'n (Niederösterreich), Gerst'n,Gerst (Tirol); Gerstä (Schweiz: Thurgau), Gärsta (St. Gallen), Girst (Graubünden). Ab und zu wirddie Gerste ähnlich wie der Dinkel (vgl. pag. 391) kurzweg als Korn bezeichnet: Koorn (Oldenburg: Jever-land, Butjaden), Kurn (Helgoland); Chorn (Schweiz: St. Gallen). Auf Ostfriesland heisst die Gerste auchInenkorn (Ine = Granne). Bei Bremen nennt man die Sommergerste Knubbegaste. Zum Unterschied vonHordeum distichum und H. hexastichon heisst Hordeum vulgare in der Schweiz auch: Viereggati Gärstä(St. Gallen), Vierecker (Graubünden: Schiers). Die Grannen der Gerste heissen im FürstentumWaldeck Snar(c)n, in der Schweiz: Agna, Agla (St. Gallen), Aegle, Agle [Grannen und Spelzen](Thurgau); Hoor [= Haar] (St. Gallen), Gerstehoor (Thurgau). In der romanischen Schweiz wird dieGerste (allgemein) Dumieg (Heinzenberg), im Puschlav H. vulgare orza, H. distichum domega, dumegagenannt; letztere im Oberhalbstein auch grang. Wie bei allen Getreidearten, so herrscht auch bei der Gersteim Landvolke allerlei Aberglaube bezüglich der Aussaat, usw. So soll sie in Anhalt (Straguth im Kr. Zerbst)am 1. Mai gesät werden, dass sie nicht „taub" wird; im Erzgebirge gilt der Georgentag (24. April) als besondersgeeignet. In Hinterpommern glaubt man, dass die Gerste von den Vögeln nicht gefressen werde, wenn sienach Sonnenuntergang gesät und eingeeggt werde. In der Volksmedizin dienen Gerstenkörner mit reinemBienenhonig vermischt gegen den „Wurm", ein Fingergeschwür (St. Gallen), ein Absud wird gegen Brustleiden,sowie gegen Krankheiten in Magen und Gedärmen gebraucht (Thurgau). Nach dem Grundsatz „similia similibus"gelten Gerstenkörner im Volke auch als Heilmittel gegen das „Gerstenkorn" (Krithe, Hordeolum, eine Entzündung
') Name der Gerste bei den Römern (vgl. oben!).