395
dieser Arbeit muss man einen neuen Besen nehmen und die Weizenkörner nur nach einer Seite umarbeiten.Dann muss man drei Kreuze in den Weizen eindrücken. Natürlich muss diese ganze Arbeit, wie alle der-artigen geheimnisvollen Verrichtungen (vgl. auch das Säen pag. 389) stillschweigend getan werden.
Bekanntlich ist die Verwendung des Weizens als Brotgetreide eine sehr grosse, liefert der Weizendoch das beste Weissbrot; zur Brotbereitung eignen sich allerdings nur die halbharten und die halbweichenSorten, während die eigentlichen Hartweizen wegen ihres grossen Gehaltes an Kleber besonders zur Maccaroni-,Gries- und Graupenfabrikation Verwendung finden. Seltener wird der Weizen auch in der Bierbrauerei benutzt(Weizen- oder Weissbier). Aus dem Stroh einer besonders kurzen und zarthalmigen Sorte werden in Toskanadie Florentiner Hüte verfertigt. Die Stammpflanze des Kulturweizens ist nicht genau bekannt. Einzelne Formenstammen wohl von T. spelta und dicoccum ab. In Aegypten wurde Weizen bereits im 4. Jahrhundert, inChina im 3. Jahrhundert gebaut. Die Zahl der Kulturrassen ist eine sehr grosse (ca. 150). Heute ist dieWeizenkultur fast über die ganze Erdoberfläche verbreitet. Aus der Frucht der Weizenpflanze wird dasAmylum tritici, die Weizenstärke, franz.: Amidon de ble, ital.: Amido di frumento, hergestellt (Pharm.Germ., austr., helv.). Das fabrikmässig dargestellte Stärkemehl ist ein sehr feines, weisses, matt- und geschmack-loses, im kalten Wasser und in Alkohol unlösliches Pulver. Die Stärkekörner sind der Hauptsache nach un-deutlich konzentrisch geschichtet, 0,015 bis 0,045 mm breit, unregelmässig linsenförmig (Grosskörner), z. T.klein, meist rundlich, selten etwas eckig oder spindelförmig, 0,002 bis 0,008 mm breit (Kleinkörner). Körnervon mittlerer Grösse sind dagegen selten. Beim Verbrennen der Stärke darf höchstens l°/o Asche zurückbleiben.Mit Wasser gibt Stärke beim Erhitzen einen Schleim (Kleister), wobei die Körner ihre Form verlieren undsich teilweise lösen. Roggen- und Gerstenstärke sind der Weizenstärke sehr ähnlich und von ihr nur schwerzu unterscheiden. In der Pharmazie findet die Weizenstärke besonders zu Streupulvern und zur Bereitung von
Unguentum Glycerini Verwendung.
«&.
Einjährig (Sommer- oder Gratweizen) oder einjährig überwinternd (Winter- oderSchorweizen). Stengelknoten behaart oder kahl. Blätter meist schwach behaart. Aehreziemlich dicht (stark wechselnd), ziemlich regelmässig vierseitig. Aehrenspindel zähe.Aehrchen 2- bis 4 blutig, so breit wie lang, meist etwas zusammengedrückt. Hüllspelzenmit kurzem, stumpfem oder scharfem Zahn, eiförmig oder länglich. Deckspelzen langbegrannt (Taf. 41, Fig. 5) oder wehrlos (Taf. 41, Fig. 4). Deck- und Vorspelzen bei derReife an der Aehrenachse stehen bleibend, die Früchte herausfallend; letztere kugelig,mehlig, nicht zusammengedrückt, auf der Vorderseite beiderseits der Furche gewölbt, beider Reife zwischen der Deck- und Vorspelze sichtbar. — VI.
Auf besserem Boden in ganz Mitteleuropa gebaut, in den Alpen stellenweise bis1500m ansteigend. Obere Grenzen in Tirol: im Oetztal 1330m, Stubai- und Gschnitztal1200 m, Reschenscheideck 1520 m, Ritten 1520 m, Campitello 1450 m; in der Schweiz:Puschlav 1400 m, Chiamut im Vorderrheintal 1640 m, Findelen im Wallis 2000 m.
Aendert stark ab: 1. subsp. vulgäre Vill. Hüllspelzen auf dem Rücken unten abgerundet, seltenerschwach gekielt, oben deutlich gekielt. Blätter mit ungleich langen Haaren. Aehre schmal, lang, + locker.Deckspelzen begrannt oder unbegrannt. — Diese am häufigsten gebaute Rasse bildet zahlreiche Formen: 1 )a) Deckspelzen unbegrannt („Kolbenweizen"). Körner rot. Aehre weiss, kahl (var. lutescens Alef.) oder rot,kahl (var. miltürum Alef.) oder weiss, samtig behaart (var. velütinum Schübler) oder rot, samtigbehaart (var. pyröthrix Alef.). b) Deckspelzen begrannt („Bartweizen") mit roten Körnern. Aehre weiss, kahl(var. ery throsp er mum Körnicke) oder rot, kahl (var. f er rüg i n eum Alef). 2. subsp. compäctum (Host)Alef. Zwerg-, Igel-, Binkel- oder Bengelweizen. Blattspreiten meist schwach behaart. Aehre sehr kurz unddick, 3- bis 4 mal so lang als dick. Deckspelzen begrannt oder unbegrannt. Vereinzelt gebaut. — a) Deck-spelzen unbegrannt („Binkelweizen"). Aehre kahl, weiss. Körner rot (var. Werneriänum Körnicke) oderAehren behaart, weiss. Körner rot (var. Witt mackiän u m Körnicke); b) Deckspelzen begrannt („Igelweizen").Aehre rot. Körner rot (var. erinäceum Körnicke). — 3. subsp. türgidum (L.) Alef. Englischer oder WelscherWeizen, Kegelweizen, franz.: Ble Poulard, Gros-Ble. In Kärnten heisst diese Unterart auch „Kolmwaz" (zu Kolben),oder „Polwaz" (= polnischer Weizen). Blätter mit dicht sammetartig behaarter Spreite (Haare gleichlang).Aehre kräftig begrannt, lang, dicht und dick, im Querschnitt quadratisch. Hüllspelzen Jn ihrer ganzen Längescharf gekielt. Deckspelzen schmal, gewölbt, begrannt. Frucht ziemlich gross, dick, rundlich, ziemlich kurz. —
J ) Hier können ähnlich wie beim Spelz und bei Hordeum nur die wichtigsten Formen kurz aufgezählt werden.
28 b*
____________________