Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
375
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

375

alpinen Region spielt die Borstgraswiese die gleiche Rolle wie in tiefern Lagen die Burstwiese (Bromus erectus),mit welcher sie ungefähr zwischen 900 und 1300 m zusammentrifft. In der alpinen Borstgrasmatte finden sich konstantverschiedene Flechten, vor allem die Renntierflechte (Cladonia rangiferina) und das isländische Moos (CetrariaIslandica); von Phanerogamen. die allerdings nach Lage und Boden oft wechseln, mögen genannt sein: Avenaversicolor, Agrostis alpina, Anthoxanthum odoratum, Deschampsia flexuosa, Festuca rubra subsp. fallax (fehlt selten,in höhern Lagen wird sie durch F. Halleri und F. rupicaprina ersetzt), Carex sempervirens, Juncus trifidus,Gymnadenia albida, Luzula lutea und L. multiflora, Trifolium alpinum, Potentilla erecta und aurea, Vacciniumuliginosum, Plantago alpina, Scabiosa lucida, Antennaria dioica, Leontodon Pyrenaicus, Hieracium auricula,Solidago alpestris, Arnica montana etc. An besonders trockenen und mageren Stellen können sich die beidenoben genannten Flechten oft derart vermehren, dass sich förmliche Flechtenrasen (Flechtentundra) ausbilden. Ansolchen Stellen, wo die Humusdecke ziemlich mächtig geworden, stellen sich von ,,Heidehumuspflanzen" häufig ein:Calluna vulgaris, Heidel-, Preissei-und Moosbeere, Empetrum nigrum, Loiseleuria procumbens, seltener auch Arcto-staphylos alpina, Homogyne alpina, Calamagrostis villosa, Poa Sudetia etc. An steilen Abhängen geht die Borstwiesein die Horstseggen- oder in die Blaugrashalde über, während sie nach oben (von ca. 2100 bis 2400 m) durch dasCurvuletum (Carex curvula) ersetzt wird. Da die Narduswiese in den Voralpen und Alpen oft bedeutende Flächeneinnimmt, ist sie vom Iand- und alpwirtschaftlichen Standpunkte aus von grosser Bedeutung. Vom Vieh wirddas Gras nur im jugendlichen Zustande aufgesucht (besonders von Schafen, Eseln und Maultieren), während dasalte Gras hart und zäh wird, so dass das Vieh wie der Volkswitz an verschiedenen Orten in der Schweiz sagtsich auf die Vorfüsse stellen und mit den Hinterbeinen ausschlagen muss, um die alten, drahtfesten Pflanzenaus dein Boden reissen zu können. Nicht selten sieht man deshalb gegen Ende der Weidezeit auf derAlpenweide zahlreiche, herausgerissene, gelbe, von der Sonne gebleichte Grasbüschel (Nardusleichen) herumliegen,welche das Alpenvieh unwillig weggeworfen hat. Hie und da liefert das Gras (besonders in tiefern Lagen) einebrauchbare Streue. Wo man es auf der Weide ungehindert wuchern lässt, vermehrt es sich sehr rasch, verdrängtdurch seinen geselligen Wuchs andere bessere Weidegräser und entwertet in wenigen Jahren den Boden anGehalt. Es ist also als ein schlimmer Gast der alpinen Weiden zu bezeichnen. Durch frühes Beweiden unddurch regelmässiges Schneiden im Herbst kann es zurückgedrängt werden. Auch durch Düngung und Be-wässerung kann es allmählich vertrieben werden; besonders die letztere vertreibt Nardus vollständig und machtin kurzer Zeit andern, bessern Pflanzen Platz, wie Meum mutellina, Carex ferruginea, Lotus corniculatus etc.

CXV. Lölium 1 ) L. Lolch.

Einjährige oder ausdauernde, massig hohe Gräser. Aehrchen in einfacher, seltenerzusammengesetzter, lockerer und schlanker Aehre mit zäher Achse und einem Gipfelährchen,mehrblütig, von der Seite zusammengedrückt, der Spindel die schmale Seite zukehrend.Hüllspelzen nur an den Gipfelährchen beide gleich entwickelt (Fig. 164e), bei den übrigendie der Aehrenspindel zugewandte Hüllspelze verkümmert (Tai 38, Fig. 5 a), meist fehlend(zuweilen als gespaltenes Rudiment nachweisbar). Deckspelzen begrannt oder unbegrannt.Lodiculae zweispaltig. Narben auf der Spitze des Fruchtknollens. Frucht länglich, vonder Deck- und Vorspelze eingeschlossen.

Die Gattung umfasst ca. 6 Arten, die in Europa, Nordafrika und im gemässigten Asien vorkommen.

1. Deckspelzen derblederig, 3 mal länger als breit. Einjährige Ackerunkräuter....... 2.

1*. Deckspelzen zarthäutig, 4 bis 5 mal länger als breit. Ausdauernde Wiesengräser oder über-winternde, einjährige Brachlandpfianzen......................... 3.

2. Hüllspelzen so lang oder meist kürzer als das Aehrchen (Fig. 164a) . L. remotum nr. 340.2*. Hüllspelzen so lang oder meist deutlich länger als das Aehrchen (Fig. 164d) L. temulentum nr. 339.

3. Blattspreiten in der Knospenlage gefaltet (Fig. 164 f). Deckspelzen unbegrannt (Fig. 164b und c) 4.3*. Blattspreiten in der Knospenlage gerollt (Fig. 164 g). Deckspelzen meist begrannt (Fig. 165 b).

L. multiflorum nr. 341.

4. Ausdauerndes Wiesengras. Stengel glatt........... L. perenne nr. 342.

4*. Ueberwinternd einjährige Brachlandpflanze (ohne Laubsprosse). Stengel oben rauh.

L. rigidum nr. 343.

') Bei den Römern Name eines gefürchteten Getreideunkrautes (wahrscheinlich Lolium temulentum);der römische Dichter Vergilius spricht von ihm als dem infelix (unheilbringend") lolium.