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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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339. Lolium temulentum L. (= L. ännuum Gilib., = Craepalia temulenta Schrank,= Bromus temulentus Bernh.). Taumellolch. Franz.: Jvraie; südfranz.: Jol; engl.:Bearded Daniel; ital.: Loglio, Gioglio; tschech.: Mylek, Matonoha. Fig. 164d und e.

Die meisten Volksnamen dieses Grases beziehen sich auf die giftigen Taumel und Schwindel erregendenEigenschaften des Grases : Schwindel (St. Gallen, Thurgau), Seh wind elh ab er (Schwäbische Alb, Oesterreich,St. Gallen), Schwind el körn (Oesterreich), Schwindel weissa [= -Weizen] (St. Gallen); Trümm el [drummel =Schwindel] (Schweiz: Thurgau); Dummel (Nordditmarschen); zuToben" gehören: Tab ich (Oberschlesien).Tob ich (Schlesien: Neisse), Döbel (Obersachsen), Täberich (Thüringen), Töwerich (Erzgebirge), Tob(Franken: Hohenlohe), Tobgerste (Schweiz: Entlibuch); Tollkraut, Tollgerste (Nassau), Tollkorn(Kärnten), Tollhaber (Steiermark); Unsinn, Unsinni (Niederösterreich, Steiermark); Rauschgras (Salz-burg); Ruschgras [= Rausch-] (Schweiz: Luzern); Trunkenes (Krain Gottschee); Tamisch [bayr.damisch" = schwindelig] (Kärnten); Schlafkorn (Elsass). Auch die Namen Twalm und wohl auchTwalch, die als Volksnamen heutzutage verschwunden zu sein scheinen, sich aber in Büchern noch häufigfinden, gehören hierher, da sie sich von althochdeutsch twalm, altsächsisch dwalm =Dampf, Betäubung" ab-leiten (vgl. auchQualm" = Rauch!). Interessant ist die Bezeichnung Hammer 1 (Niederösterreich). Be-kanntlich war der Hammer das Attribut des germanischen Donnergottes, der dann beim Eindringen desChristentums von den Glaubensboten zum Teufel umgewandelt wurde. Daraus erklärt sich die Bezeichnungdes letzteren im Volksmunde alsMeister Hämmerlein" (auch der Henker und der Tod wurden so genannt).Die Beziehungen zu diesem gründen sich auf die giftigen Eigenschaften des Taumellolchs (vgl. auch unterBromus secalinus, pag. 363). Die Bezeichnung Turd (Böhmerwald), Duhr (Bayrischer Wald: Konzell).Dur cht (Oberösterreich), Durst (Niederösterreich) teilt unsere Art mit der Roggentrespe (vgl. pag. 363),die ähnliche Giftwirkung zeigen soll. Benennungen wie Denkraut, Donkraut (Riesengebirge), Ton-kraut (Nordböhmen) führen auch andere Unkräuter (vgl. unter Polygonum aviculare und Galeopsis te-trahit). Die Form Tochkraut (Riesengebirge) ist vielleicht anLolch" angelehnt. Zu Lulch (Mecklenburg,Steiermark) vgl. unter Lolium perenne, pag. 379, zuLäte" (Riesengebirge) unter Lolium remotum(pag. 377 1). Die Namen Pianke (Mark: Sommerfeld), Biangga (Kärnten) sind slavisch. Nach der Form derAehre nennt man den Taumellolch im (mittleren) Erzgebirge auch Schwanzin, in Oesterreich Schwänzel.

Einjährig, 30 bis 80 cm hoch, gras- oder etwas bläulichgrün. Stengel dick, steif,oberwärts meist rauh, aufrecht oder seltener knickig aufsteigend. Blattscheiden rückwärtsrauh, an den obersten Blättern schwach aufgeblasen. Spreiten flach, oberseits schwach rauh,unterseits glatt, ziemlich schmal (meist nicht über 6 [10] mm breit). Aehre bis über 20 cmlang, locker, fast immer starr aufrecht. Aehrchenachse rauh. Aehrchen gross (15 bis 20 mmlang), entfernt stehend, locker, 5- bis 9-blütig. Hüllspelzen P/2 bis 3 cm lang, so lang oderetwas länger als das ganze übrige Aehrchen (Fig. 164e), gewöhnlich schwach rauh, starr,allmählich zugespitzt. Deckspelzen 6 bis 8 mm lang, 2 bis 2'/2 mm breit, stumpf, begrannt.Grannen gerade oder geschlängelt, selten fehlend; die untern der Aehrenachse zugewandtenDeckspelzen zuweilen 2 Grannen tragend. Staubbeutel 2 mm lang. VI bis VIII.

Hie und da auf feuchten Aeckern, unter der Saat (besonders unter Hafer undGerste) oft ein lästiges Unkraut, an Wegrändern, auf Oedland; vereinzelt bis an die obereGrenze des Getreidebaues.

Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa (fehlt ganz im Norden), Nordafrika,gemässigtes Asien; eingeschleppt in Nord- und Südamerika, in Südafrika und in Australien.

Aendert ab: var. raacrochston A. Br. (= var. typieun Beck). Stengel oberwärts rückwärts rauh.Deckspelzen mit gerader, kräftiger Granne, welche dieselbe an Länge übertrifft. Die häufigste Form. EineKümmerform davon mit wenigblütigen Aehrchen ist die var. oligänthum Rieht.

subvar. lajve Thellung. Stengel völlig kahl. (Solothurn).

var. arvense (With.) Bab. Deckspelzen mit kürzeren (kürzer als die Deckspelze), dünnen, ge-schlängelten oder zuweilen fast fehlenden Grannen. Stengel rauh (subvar. robüstum [Rchb.] Koch) oder glatt(subvar. speeiösum [Stev.] Koch), selten die Hüllspelzen übermässig verlängert, 3 bis 4 cm lang, das Aehrchenmehrfach überragend.

Der Taumellolch tritt zuweilen (besonders in nassen Jahren) in Getreidefeldern plötzlich in grosserZahl als lästiges Unkraut verheerend auf. Die Samen wurden schon seit ältesten Zeiten für narkotisch-giftiggehalten. In der Tat gehören dieselben zu den gefährlichsten der bis jetzt als giftig konstatierten 8 Gras-