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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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Nardus haben grosse Aehnlichkeit mit denjenigen von Festuca ovina, Weingaertneria canescens, Deschampsiaflexuosa, sowie mit denen von ausdauernden Juncus-Arten. Von allen einheimischen Gräsern ist das Borstgrasdurch ein eigentümliches Scheinachsenwachstum ausgezeichnet. Auch durch den lange stehenbleibenden Blüten-stand ist es sehr gut gekennzeichnet. Die Grundachse, die eineScheinachse (Sympodium) darstellt, wird hier nämlich nicht durchdie stets fortwachsende Endknospe gebildet (Fig. 163), sondernaus den untersten Stücken der zickzackförmig angeordneten Spross-generationen, deren oberer Teil jeweilen über die Erde tritt. JederSpross trägt zu unterst ein kurzes Schuppenblatt (Schi), aufwelches ein längeres Schuppenblatt (Seh2) folgt: hierauf kommendie mit abgebogenen Spreiten und langen Scheiden versehenenLaubblätter (Lb). In der Achsel des untersten Schuppenblattes(Schi) bildet sich nun der Seitenspross aus, der jedoch auf einegrössere Strecke hin mit dem Mutterspross verwachsen ist unddeshalb aus der Achsel der Schuppe herausrückt. Er ist es nunauch, welcher die Fortsetzung der Grundachse übernimmt. So ist dieSprossgeneration B D E, welche eigentlich direkt über der Schuppe(Schi) abgehen sollte, am Mutterspross ABC bis zum Punkt Bheraufgerückt. In der Achsel des zweiten Schuppenblattes (Seh 2)entsteht dann eine junge Knospe (Kn), welche zur Verzweigung desHorstes dient. Dieser Vorgang ist sich wiederholt zu denken.Die zickförmige Scheinachse ist also aus den Fussstücken derübereinanderfolgenden Achsengenerationen zusammengesetzt.

Durch eine Reihe von Merkmalen (Strohtunika 1 ), derbeStruktur und Einrollung der Blattspreite, dichte, feste Horstbildung)gibt sich das Borstgras als ein typischer Xerophyt zu erkennen.Wie das Blaugras, kommt auch Nardus strieta an zwei vollständigdifferenten Standorten vor, einerseits auf den trockenen Sandfluren,sonnigen Abhängen und trockenen, mageren Alpenweiden, andrer-seits auf den feuchten Sümpfen und Mooren. Im Gegensatz zumBlaugras haben sich aber hier keine morphologisch verschiedenenUnterarten ausgebildet. Es ist wahrscheinlich, dass durch Humus-säuren oder durch niedere Temperaturen in den nassen Moor-wiesen der Pflanze die Wassernahme erschwert wird, weshalb dannein derartiger Boden alsphysiologisch trocken" zu bezeichnenist (deshalb wohl auch die so grosse Zahl von Xerophyten in dennassen Mooren!). Für das Gedeihen erfordert das Borstgras einen gewissen (wenn auch kleinen) Humusgehalt desBodens; es gehört also zu denhumicolen" Arten. Wie bei andern humusbewohnenden Gräsern (Molinia, Danthoniadecumbens) ist auch bei Nardus eine endotrophe Mycorrhiza nachgewiesen worden. Dieses Gras besitzt eine sehrgrosse Anpassungsfähigkeit und kommt deshalb in vielen, einander sehr different gegenüberstehenden Pflanzen-vereinen vor. In Norddeutschland und in Holland tritt es auf den Dünen (graue Düne) als Befestiger des Bodensauf. In der norddeutschen Heide gehört es zu den Charakterpflanzen der Callunaheide, wo es zuweilen die Calluna(besonders wenn die Heide beweidet wird) völlig ersetzen kann. Andrerseits erscheint es auch auf der Kiefernheide,in Föhrenwäldern, sowie als Unterwuchs in den Laub- und Nadelwäldern. In den deutschen Mittelgebirgen ist esauf allen Bergen gemein und vermag stellenweise die subalpine Bergheide in eine niedere Matte zu verwandeln, diedann mit Arnica montana, Gymnadenia albida, Meum mutellina usw. geschmückt ist. In südlichen Gegendenbegleitet es häufig die Kastanienwälder, auf den entwaldeten Tallehnen die Bestände des Adlerfarns und des Besen-ginsters (Sarothamnus). Regelmässig tritt es auch in den Hochmooren auf, namentlich in den Beständen vonTrichophorum caespitosum und Eriophorum vaginatum. Vor allem stark verbreitet ist es jedoch im Gebirge, wo es besonders in den Zentralalpen oft stundenweit den mageren, humushaltigen Boden mit einer geschlossenen,festen Grasnarbe überzieht und so förmliche Wüsten bilden kann. Während die Borstgraswiese (Nardetum)trockene, sonnige, flachgründige Lagen bevorzugt, findet sich die Buschvegetation der Heidekräuter und Alpen-rosen, welch beide Formationen sehr häufig mit dem Nardetum abwechseln, stets in feuchteren, schattigerenund tiefgründigeren Lagen. Nardus gehört zu den kieselholden Pflanzen, die auf einem kalkarmen Substrathäufiger und dominierender auftreten als auf kalkreichen Böden, ohne jedoch daselbst ganz zu fehlen. In der

Ficr. 163. a Schema cier BeStockung von Nardusstrieta L. Grundach.se (schwarz) aus 6 Spross-g-enerationen gebilder. b Scheinfrucht (quer durch-schnitten). Fr Frucht. D Deckspelze. KVorspelze(nach Schröter und Irmisch).

') v g'- P a g- 333, Anm, 1.