Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
373
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Bfl

373

[= Bocks-] (Mecklenburg), Ziegenbart (Nassau): Hirs chhaar (Salzburg, Zillertal), Hundshaar (Schweiz:Bern); Spitzgras (Bayern: Berchtesgaden). Die Bezeichnungen Fachs, Fax, Faxen, Fachsä, Faxä(Schweiz), Gemse hfachs (Wallis) gehören zu mittelhochdeutsch Vachs = Haar, Haarschopf (vgl. unter Stipapennata, pag. 203!). Auch die Namen Falche (östliches und unteres Allgäu) und Falche (oberes Allgäu)sind wohl hieher zu stellen. Die Benennung Ise(n)-Gras [= Eisengras] (Schweiz: Bern, Luzern) bezieht sichauf die Zähigkeit der Halme.

Der Name Wolf (Riesengebirge, Glatzer Schneeberg, Böhmerwald) vergleicht das Gras, das oft durchsein geselliges Auftreten bessere Futterpflanzen verdrängt, mit dem gefrässigen Tiere. Auf die Geringwertigkeitals Futtergras deutet Swienegras [= Schweine-] (Ostfriesland) hin. Im Pinzgau und Pongau heisst dasBorstgras (ob noch?) Seh wickgras (vgl. auch unter Sesleria disticha, pag. 266).

Die Bezeichnung Nätsch (Graubünden) wird wohl von Nardus abgeleitet sein, wie dies sicher beiAerdje, Aertje (Graubünden) der Fall ist. Ausserdem heisst das Borstengras im romanischen Graubünden nochzaidla, as d'gia t (Remüs), soppa, sadatsch (Ofengebiet). Die Bergasmaskerhirten nennen es Tondello-Im Dialekt des Tessin heisst es Sedong (Valle Maggia), Peü oder Mucic (Livinental); im Kanton WaadtPai und P ei-de - tz ein.

Ausdauernd, (5) 10 bis 30 (60) cm, dichte und feste Horste bildend. Grundachsedick, unterirdisch kurz kriechend, meist 3 bis 5 cm lang, eine Scheinachse bildend (vgl.Fig. 163 a), mit dicken, schnurartigen Wurzeln, zahlreiche, aufrechte, dichtgedrängte Laub-und Blütentriebe treibend. Alle Triebe umscheidet. Stengel starr aufrecht, nur am Grundebeblättert, unterwärts kahl, oberwärts rauh, bedeutend länger als die Blätter. Blätter bis20 cm lang, graugrün, die untern auf weisslich-strohgelbe, glänzende Schuppen reduziert,die obern mit sehr schmaler, borstenförmig zusammen-gerollter, 0,4 mm breiter, graugrüner, an den Rändernrauher, spitzer, aufrechter (oder an den äussern Blätterndes Horstes abstehender) Spreite. Blatthäutchen kurz,bis fast 2 mm lang, zuweilen fast fehlend. Aehre ein-seitswendig, einfach, schmächtig. Aehrchen bis 12 mmlang, sehr schmal-lanzettlich, lang zugespitzt, anfangsaufrecht, später aufrecht abstehend, schieferblau bisviolett, bald gelb werdend, auf zwei Seiten der drei-seitigen Spindel sitzend. Hüllspelzen fehlend bezw.verkümmert (nur eine undeutliche Schuppe an der Aehren-spindel). Deckspelzen vom Rücken her flach, drei-nervig, oft sehr dunkel, bis fast schwarz (in den Alpen),in eine an den Kanten rauhe, steife Granne ver-schmälert, mit dieser + 1 cm lang, mit übereinandergeschlagenen Rändern die Frucht und die Vorspelzeganz einhüllend (Fig. 163b). Vorspelze 4 mm lang,zarthäutig. Griffel einfach (nicht in 2 Narben ge-teilt, Taf. 21, Fig. 18). Frucht dreikantig, kahl,spindelförmig, innen schwach gefurcht, in den bleibendenGriffel verschmälert. Nabelfleck lineal. V, VI.

Stellenweise häufig auf feuchten, moorigen Wiesen, auf Heiden, Mooren, in lichtenWäldern, auf Weiden, ungedüngten Mähewiesen, von der Ebene bis in die Hochalpen, bis2900 m (Gornergrat im Wallis).

Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa (im Süden zwar nur auf den Hoch-gebirgen), Nordasien, Kaukasus, Kleinasien, Grönland; besonders auf humosem Boden undauf kalkfreier Unterlage (auf unbedecktem Kalk fehlend).

Die Pflanze variiert wie alle systematisch isoliert stehenden Formen sehr wenig. Im Gebirge bleibendie Pflanzen zuweilen sehr niedrig (5 cm hoch) und zeigen kurze, starre, gebogene Aehren. Die Rasen von

Fig. 162. Querschnitt durch das Blalt von Nardusstrieta L. (z. T nach Grob). e Epidermis.a Assimilationsgewebe, k Kieselknollen. 5 Hart-gewebe, g Gelenkzellen. / Leitbündel.