Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
370
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

370

CXIII. Brachypödium 1 ) P. B. Zwenke.

Ausdauernde (bei uns) Gräser. Aehrchen in einfacher, lockerer Aehre mit Gipfel-ährchen, kurz gestielt, mehrblütig, schmal-zylindrisch, anfangs stielrund, später von der Seiteetwas zusammengedrückt, die oberste Blüte männlich. Hüllspelzen ungleich, mehrnervig.Deckspelzen an der Spitze begrannt, auf dem Rücken abgerundet. Aehrchenachse glied-weise mit der Blüte abfallend. Vorspelzen auf dem Kiel lang kammförmig gewimpert.Narbe gipfelständig. Fruchtknoten kahl oder kurzhaarig. Frucht von den Deck- und Vor-spelzen eingeschlossen, mit langem, linealem Nabelfleck.

Die Gattung nimmt gleichsam eine vermittelnde Stellung zwischen den Hordeen und den Festucaeen ein(besonders zwischen Agriopyrum und Bromus). Sie umfasst 6 bis 7 Arten, die in Europa, im gemässigten Asien,in Nordamerika, sowie auf den Hochgebirgen von Asien und Afrika verbreitet sind.

1. Granne kürzer als die Deckspelze. Pflanze unterirdisch weit kriechend. B. pinnatum nr. 336.

1*. Granne der oberen Blüten eines Aehrchens länger als die Deckspelze. Pflanze horstbildend.

B. silvaticum nr. 33/.

336. Brachypödium pinnatum P. B. (= Brömus pinnatus L., = B. corniculatus Lam.,

== B. Tigurinus Sut., = Triticum bromoides Wibel, = T. pinnatum Lam. et DC).

Fieder-Zwenke. Taf. 38, Fig. 3.

Der Name Zwenke (holländ. Zwenkgras) bezieht sich vielleicht auf eine oberflächliche Aehnlichkeitmit Agriopyrum repens, der Quecke (vgl. pag. 383), die in manchen Mundarten auch Zweck-Gras. Zweckegenannt wird.

Ausdauernd, 60 bis 120 cm hoch, hellgrün. Grundachse unterirdisch weit kriechend,mehrere, meist starr aufrechte, an den Knoten weichhaarige Stengel treibend. Blattscheidender untern Blätter weichhaarig, seltener rückwärts rauh, zottig oder kahl, an den obernkahl oder rückwärts rauh. Spreiten etwas steif, an den Waldformen namentlich amRande behaart, an den AViesenformen fast oder ganz kahl, meist flach, seltener zusammen-gefaltet. Blatthäutchen ganz kurz, bis 2 mm lang, stumpf, meist zerschlitzt. Blütentraubesteif aufrecht, bis 15 cm lang (selten länger), meist dicht-, seltener lockerährig. Aehrchenlinealisch, gerade oder sichelförmig auswärts gebogen, 2 bis 4 cm lang, 8- bis 24-blütig,gelbgrün, vor und nach der Blüte aufrecht, während derselben abstehend, behaart oder kahl.Hüllspelzen lanzettlich bis linealisch, meist 7 und 9 mm lang. Deckspelzen lanzettlich,7 bis 8 mm lang, behaart (meist an den Seiten kurz steifhaarig), so lang oder kürzer alsdie Vorspelzen. Staubbeutel blass ziegelrot. VI, VII bis IX.

Verbreitet auf trockenen, sonnigen Magermatten, in lichten Buschwäldern, in Föhren-wäldern, auf Hügeln, an Rainen, fast überall (oft gesellig), von der Ebene bis ca. 2000 min der alpinen Region.

Allgemeine Verbreitung: Fast über ganz Europa (fehlt in der Arktis.), ge-mässigtes Asien (bis Sibirien und Persien), Nordafrika.

Ist ziemlich veränderlich: var. vulgäre Koch. Pflanze meist ziemlich kräftig, alle Blätter flach.Aehrchen behaart, etwas entfernt, ziemlich gross. Deckspelzen deutlich begrannt. Granne 4 bis 7 mm lang.

var. minus Schur. Aehnlich. Pflanze jedoch niedriger, zierlich. Aehrchen meist nicht über2 cm lang.

var. Barrelieri (Roem. et Schult.) Aschers, et Graebner. Aehnlich. Aehrchen fast sitzend, bis20 blutig. Deckspelzen unbegrannt, nur stachelspitzig. In Italien; ob auch bei uns?

var. loliäceum (Roem. et Schult.) Aschers, et Graebner. Aehnlich. Blätter aber meist eingerollt.Traube fast ährenförmig. Aehrchen sehr genähert. Im südlichen Gebiet.

var. glomerätum Zimmerm. Stengelknoten stärker angeschwollen, dicht weiss- und kurzhaarig.Aehrchen spirrenartig. Aehrchenspindel ästig, die Aestchen 1 bis 3 Blüten tragend, von einer, wie die Deck-spelzen, kurzbegrannten Spelze gestützt. Vorarlberg (Dornbirn gegen Lauterach).

') Gr. ßgazvg (braehys) = kurz und zwöiov (pddion) = Füsschen, Stiel; wegen der kurzen Aehrchenstiele.