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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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271. Poa violäcea Bell. (= Festuca pilosa Hall, f., = P. poaeformis Host, = Festüca RjeticaSut., = Schoenodörus poaeformis Roem. et Schult., = Seh. violaceus Link. Violettes

Rispengras. Fig. 121.

Ausdauernd (15) 20 bis 50 cm hoch, meist blaugrün, horstbildend. Stengel ober-wärts meist vorwärts rauh, ziemlich starr aufrecht oder etwas knickig aufsteigend. Blattscheiden(wenigstens der obersten Blätter) oft sehr stark rauh. Spreite schmal, borstenartig zusammen-gefaltet, rauh. Blatthäutchen verlängert, bis 7 mm lang. Rispe 5 bis 12 cmlang, meist dicht zusammengezogen oder etwas locker. Rispenäste meistsehr stark rauh, mit meist 2 bis 6 (10 oder noch mehr) grundständigenZweigen, aufrecht abstehend oder anliegend. Aehrchen ca. 7 mm lang, meist(Fig.l21b) 13-bis 4-(8) blutig, meist grünlich und violett üb erlaufen. Hüllspelzen5 bis 6 mm lang, dreinervig. Deckspelzen ca. 4 mm lang, schwach ge-kielt, aus der kurz zweispitzigen Spitze mit einer kurzen, ca. 1 mm langenGranne, auf dem Rücken (oft auch an den Rändern) kurz borstlich be-wimpert. Nerven undeutlich. Aehrchenachse namentlich unter den Blütenmit kurzen Borsten besetzt (an Graphephorum erinnernd!). VII, VIII.

Hie und da in den Alpen auf Felsen, Schutt, auf Magerrasen,Weiden, von ca. 1500 bis 2300 m; fehlt auf Kalk. Fehlt in den Alpenvon Bayern, Ober- und Niederösterreich vollständig.

Allgemeine Verbreitung: Asturien, Zentral-Frankreich, Alpen(Seealpen bis Salzburg, Steiermark, Krain), Karpaten, Italien, Corsika,Sizilien, Balkan, Kleinasien.

Aendert wenig ab :

var. flavescens (Mert. et Koch) Aschers, et Graebner. Aehrchen bleichgelb.Hie und da.

var. viridi-aürea Dalla Torre et Sarntheim. Aehrchen grünlichgelb. Tirol.

var. Breunia Richter (= Festüca Breunia Facch., = F. Breunia Nyman).Pflanze grösser, bis über 50 cm hoch. Blätter am Stengel flach oder zusammengerollt.Rispe mit halbquirlig gestellten, zahlreichen Aesten. Aehrchen 3- bis 8-blütig. Tirol.

var. Nebrodensis (Jan) Aschers, et Graebner. Pflanze niedrig. Stengel dünn, schlaff, meist nichtüber 1,5 dm hoch. Blätter fadenförmig. Rispe schmal, bis 8 cm lang. Rispenäste höchstens bis 4 Aehrchentragend. Aehrchen klein, 2- oder höchstens 3-blütig. Hie und da an trockenen Orten.

Diese Spezies nimmt unter den Poa-Arten systematisch eine Sonderstellung ein; sie bildet ein Zwischen-glied zwischen den Gattungen Poa und Festuca. Durch die kaum gekielten Deckspelzen nähert sie sich wirk-lich den Festuca-Arten, während sie durch den punktförmigen Samennabel (bei Festuca strichförmig!) sofortals Poa charakterisiert wird.

Fig. 121. Poa vio-läcea Bell, a Habi-tus ('/l nat. Grösse).b Aehrchen.

272. Poa ännua L. (= P. trianguläris Gilib.) Einjähriges Rispengras.Franz.: Paturin ännuel; engl.: Suffolk-grass; ital.: Gramigna delle vie. Taf. 34, Fig. 3.

In der nördlichen Schweiz heisst diese Art häufig Spitzgras, nach dem büschelartigen WachstumBütschligras (Zürich), Büscheligras (Thurgau), in Niederösterreich, Steiermark etc., wegen des geringenFutterwertes Saugras. Da dieses Gras dem Boden sich anschmiegend weit umherwuchert, nennt man es imAargau auch Sprättgras [vonspratt" = flach ausgebreitet]. Nach seinem Vorkommen auf Grasplätzenund Angern [niederdeutsch Brink] heisst es in Oldenburg und in Hannover Brinkgras. In St. Gallen (Schweiz)f ührt Poa annua die Bezeichnung Füdläheu (wohl wegen seiner Geringwertigkeit, [vgl. pag. 302 unten]), imThurgau Riechsei i, Riessele (neben Poa pratensis und ähnlichen Gräsern).

2 bis 35 cm hoch, ein- bis zweijährig, seltener (wenigstens in der Ebene) auch aus-dauernd grasgrün, am Grunde büschelig verzweigt. Wurzelstock faserig. Stengel aufrecht odermeist aus niederliegendem Grunde aufsteigend. Triebe an den Knoten oft wurzelnd und