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Zustand weiss gestreift (f. p i c t a). Blattscheiden glatt anliegend. Blattspreite lanzettlich,3 cm oder noch breiter, lang zugespizt, glatt oder am Rand wenig rauh. Blatthäutchensehr kurz. Rispe länglich, bis über 70 cm lang, aufrecht oder etwas übergebogen, starkverzweigt. Aehrchenachse kahl. Aehrchen ca. 12 mm lang, meist gelblich bis hellbräunlich.Hüllspelzen lanzettlich, etwas glänzend. Deckspelzen dicht (fast am Grunde) mit langen(bis 1 cm), weissen Haaren besetzt. Seitenspitzen der Deckspelzen halb so lang als dieMittelgranne (Fig. 110a). — IX. bis XII.
Selten im Süden an sumpfigen Stellen, an Flussufern und Teichrändern eingeführt.Stammt wahrscheinlich aus dem Orient; wird aber in Südeuropa seit dem Altertum kultiviertund erscheint deshalb an vielen Orten wie wildwachsend, so in O e s t e r r e i c h in Süd-tirol (im Gardasee beim Ponalefalle, am Ufer der Sarca unweit des Gardasees, oberhalbund in Torbole und früher bei Riva (Standort durch das Elektrizitätswerk zerstört).
Ausserdem wird das Pfahlrohr im Süden vielerorts (im Etsch- und Sarcatal) kultiviert (wird zu Flechtwerk,in Südtirol zu Rebstöcken und im Tessin zu Angelruten verwendet) oder als dekorative Zierpflanze (bis Meran)gezogen. In nördlicheren Gegenden (z. B. in München) gelangt es jedoch nicht zur Blüte, auch im Süden(z. B. bei Bozen) erst im Frühjahr des folgenden Jahres. Die Grundachse dieser Art wird auch als diuretischesHeilmittel angewendet.
Allgemeine Verbreitung: Mittelmeergebiet (östlich bis Syrien und Trans-kaukasien), Canaren, Azoren, Portugal.
XCIII. Phragmites 1 ) Trin. Schilfrohr.
Grosse, hochwüchsige Rohrgräser, mit kriechender Grundachse. Blätter am Randemeist rauh. Aehrchen mehrblütig (Taf. 31, Fig. 4a). Hüllspelzen 3-nervig, ungleich.Unterste Blüte männlich, die übrigen zwitterig, sehr selten zweihäusig. Aehrchenachse be-haart (nur unter der männlichen Blüte kahl). Deckspelzen kahl, vorn nicht gezähnt, ineine feine Spitze ausgezogen.
Ausser der folgenden Art umfasst die Gattung noch 2 weitere Arten, eine im tropischen Asien undeine zweihäusige in Argentinien.
243. Phragmftes communis Trin. (= P. phragmites Karsten, = P. vulgaris [kam.]Druce, = Aründo vülnerans Aschers., = A. phragmites L., = A. vulgaris L., = A. aggerumKit., = Czernya arundinäcea Presl). Schilfrohr, Schilf, Rohr, Teichschilf. Franz.:Roseau, roseau ä balais, jonc; ital.: Giunco, Canna salvatica, C. di palude, C. da spazzole,
canella; tschech: Rakos. Taf. 31. Fig. 4.
Das Wort Schilf (mittelhochdeutsch Schilf, althochdeutsch sciluf) gehört zu mittelhochdeutsch schelef(althochdeutsch sceliva) = Schale, Hülse „Schelfara" (vgl. pag. 179); = die den Maiskolben umhüllendenBlätter und „schulten, Schelfen" = absplittern). Auch auf eine etwaige Verwandtschaft mit lat. scirpus (s. d.)wird hingewiesen. „Rohr" (im Mittel- und Althochdeutschen rör) hat dieselbe Wurzel wie Röhre. Das ger-manische Wort drang mit Umwandlung des r in s (vgl. goth. raus = Rohr) ins Romanische (franz. roseau== Rohr). Ueber die Bezeichnung Ried vgl. unter Carex: Reeth, Reith, Rieth (Hannover), Reit(Nordwestl. Böhmen), Riedrohr (Schweiz: Waldstätten). Nach den Orten seines Vorkommens heisst dasSchilf in der Schweiz auch Moosrohr (Waldstätten), Seeröhrli (Thurgau), Weiherröhrli (Aargau). DieNamen F ahn lt rager (Niederösterreich), Fähnli (Schweiz: Thurgau), Feders ach er, Moos- [Moor] f eder(Kärnten), Riedbauslä, Seebauslä [Bauslä = Katze; vgl. Eriophorum!] (Schweiz: Waldstätten) beziehensich auf die flatternde, weiche Rispe des Schilfes. Nach seinen scharfen, schneidenden Blättern heisst es inSt. Gallen Heidamesser. Nach seiner Verwendung zu Streu nennt man das Schilfrohr in der Schweiz auchStreubauslä, Strauröhrli, Streuröhrli, in Tirol Streuried. Zu mittelhochdeutsch tacha = Matte(das Schilf wird gern dazu verwendet, vergl. unten!) gehört wohl: Dack, Däk, Piepdack [piepe = Pfeife]
') Bei Dioskorides, Beiname von Pflanzen, die zur Anfertigung von Zäunen (griech. qtQÜyfM [phragma])dienen; vgl. pag. 272!