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Spitzen verlängert, auf dem Rücken begrannt. Granne kräftig, viel länger als die Deck-spelze. Aehrchenachse nicht gegliedert, unter jeder Blüte behaart. — VII.
Ziemlich selten auf geringerem Boden (besonders im nordwestlichen Deutschland)oder in rauhen Gebirgslagen (Schwarzwald, Graubünden [daselbst in Weizenfeldern oderwie z. B. im Prättigau fast in reiner Kultur]) kultiviert. Ausserdem findet sich diese Artinfolge Samenverwechslung zuweilen in Haferfeldern vor oder hat sich auf Schutt oder anWegen eingebürgert.
Allgemeine Verbreitung: In Westeuropa (von Portugal bis zu den Shetland-und Orkney-Inseln) angebaut; in Nord- und Mittel-Europa als Ackerunkraut verbreitet.
Aendert wenig ab:
var. sesquiältera Rieht. (— A. strigosa var. unifiöra Hackel.) Aehrchen einblütig.
Mit A, strigosa scheinen A. brevis und A. nuda nahe verwandt zu sein, die bei uns selten angebautwerden oder als Unkräuter auftreten.
Avena brevis Roth (= A. sesquitertia Krause). Kurz- oder Silberhafer. Rispe einseitswendig.Aehrchen meist zweiblütig, kleiner und kürzer als bei A. strigosa. meist nur 13 mm lang. Hüllspelze so langals die länglichen, stumpfen Blüten. Aehrchenachse unter der oberen Blüte stärker behaart, seltener unter derunteren kahl. Deckspelze stumpf, oberwärts breiter, zweispitzig, kahl oder zerstreut borstig. — Selten gebaut(besonders im norddeutschen Flachlande). — Vielleicht nur eine Rasse von A. strigosa.
Avena nüdaL. Nackthafer. 4,5 bis 9 dm hoch. Aehrchen 3- oder 4- bis 6-blütig. Rispe allseits-oder einseitswendig. Hüllspelzen 9- bis 1 1-nervig, kürzer als die Blüten. Deckspelze mit stark hervortretendenNerven und mit unbegrannten Seitenspitzen. Kückenständige Granne meist vorhanden, seltener an den obernoder allen Dcckspelzen fehlend. Frucht bis 8 mm lang, von den Deckspelzen nur locker umschlossen. — Istziemlich veränderlich.
223. Avena satfva L. Saathafer, Haber, Hafer. Franz.: Avoine; ital.: Avena; tschech:
Oves. Taf. 30, Fig. 1.
Das Wort H ab er (so die oberdeutsche Form; althochdeutsch habaro) wird gewöhnlich mit dem Namendes Bockes im Angelsächsischen (= häfer) und im Altnordischen (=hafr) in Verbindung gebracht und dieses Ge-treide dann als die „Nahrung des Bockes" gedeutet. Diese Erklärung ist jedoch nicht als feststehend zu be=trachten. Die Form „Hafer" ist aus dem niederdeutschen Haver, das dem altsächsischen havoro entspricht, ent-standen. (Vgl. Hube und Hufe [= ein Stück LandJ). Im bayrisch-österreichischen Dialekt wird das Wort meistals Ilabern, im Plattdeutschen als Hau w e ausgesprochen. Auf Ostfriesland heisst der Haber Biw en , B ifen ,in Schwaben auch Hyllmann. Die Rispe des Habers heisst in Nieder-Oesterreich Had'l, in Tirol (Defereggen-tal) Hattl; in Oberhessen Schnade; bei Bremen (Oberneuland) Bäeen; ebendort werden die Grannen desHabers Aien, Ainen genannt. Im Thurgau (Schweiz) nennt man die Spelzen Helbe, Helber. Im roma-nischen Graubünden heisst der Haber aveigna, avaina, flöder, pavel, im Puschlav biada.
Der Hafer bildete in früheren Zeiten in Deutschland ein Hauptnahrungsmittel (Hafergrütze!). InNorwegen und in Schottland wird noch jetzt viel Brot aus Habermehl gebacken. Bis zum 16. Jahrhundertwurde er auch zur Bierbereitung verwendet. In Belgien braut man gewisse Sorten Weissbier mit Hafer. Inder Volksmedizin dient der Haferschleim zu reizmildernden Suppen für Kranke, während die Hafergrütze auchzu erweichenden Umschlägen Verwendung findet. Im Thurgau (Schweiz) wird ein Tee aus „Haferstrau" alsMittel gegen Influenza und gegen Husten getrunken. Inwiefern das „Haberfeldtreiben", wie es bis vor wenigenJahren im bayerischen Oberland nicht selten stattfand (es ist auch jetzt noch nicht ganz verschwunden), zudieser Bezeichnung kommt, ist noch nicht sicher festgestellt. Es ist dies eine Art Fehmgericht, das die „Haberer"unter den Vorsitz eines „Haberfeldmeisters" über im Volke missliebige Persönlichkeiten ergehen lassen. DerName ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass ehedem die zu strafenden Personen mit Peitschenhieben durchein Haferfeld getrieben wurden. Nach einer anderen Meinung erklärt es sich aus der früheren Rechtspflege,die Felder von Feidmarktfrevlern und Wucherern zu verwüsten.
Einjährig, 60 bis 150 cm hoch. Stengel am Grunde büschelig verzweigt, ober-wärts unverzweigt, aufsteigend oder aufrecht, glatt, kahl. Blattscheiden kahl, glatt, etwasgraugrün. Blattspreiten beiderseits (besonders am Rande) rauh, bis 15 mm breit. Blatt-häutchen kurz, eiförmig, mit sehr deutlichen, dreieckigen, zugespitzten Zähnen. Rispe all-seitswendig ausgebreitet, 15 bis 30 cm lang, locker. Rispenäste wagrecht bis aufrecht ab-