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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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221. Avena fätua 1 ) L. (= A. nigra Wallr.). Windhafer, Flughafer. Franz.: Avron,folle avoine; ital.: Vena salvatica; tschech.: Oves hluchy. Fig. 101.

Im Gegensatz zum echten Hafer heisst diese Art Wilder Hawer (Ostfriesland); Schwindel-hafer (Nürnberg); Gauchhaber, Maushaber (Elsass), Blindhaber (Salzburg, Lienz). Die Namen Flog-hafer (Göttingen), Flughabern, Windhabern (Niederösterreich) rühren daher, dass die leichten Aehrchendieser Art auf der Tenne vom geringsten Windzug fortgetragen werden. In Niederösterreich wird sie wegender im Vergleiche zum echten Hafer sehr langen Grannen Graning genannt.

Einjährig, 60 bis 120 cm hoch. Rispe allseitswendig,flatterig. Rispenäste rauh, horizontal abstehend. Aehrchenmeist dreiblütig (Fig. 101 a). Hüllspelzen länger als dieBlüten, bis 272 cm lang. Aehrchenachse (stets) wie auch(fast immer) der untere Teil der Deckspelze mit bis über0,5 cm langen, braunen, gelben oder weissen Ilaaren besetzt.Deckspelzen glänzend, nur in der obern Hälfte deutlich nervig,kräftig begrannt, an der Spitze kurz zweizähnig. Grannebis 4 cm lang, gekniet, am Grunde schwach gedreht, zuletztmeist rotbraun. Blüten an der Achse abgegliedert, bei derReife sogleich und einzeln ausfallend. VI bis VIII.

Stellenweise in Aeckern oder Getreidefeldern (vor-nehmlich unter dem Hafer, doch auch in Weizen-, Wicken-und Leinfeldern) als lästiges Unkraut (bis an die obere Grenzedes Getreidebaues, noch bei 1580 m) beobachtet. Hie undda auch auf Schutthaufen verschleppt.

Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa(fehlt in Griechenland, im nördlichen Skandinavien undRussland); Canaren, Nordafrika, Abyssinien), Asien ; in Nord-und Südamerika eingeschleppt.

Der Flughafer (oder andere südöstliche Formen) stellt vielleicht die Stammpllanze von A. sativa dar.Aendert wenig ab:

var. glabräta Peterm. (= A. intermedia Lindgren). Deckspelzen ganz kahl oder nur am Grundemit wenigen Haaren besetzt. Gleichfalls lästiges Unkraut, z. B. noch in den Gerstenäckern des Engadin.

222. Avena strigösa Schreb. (= A. Hispänica Ard., = A. nervosaLam., == A. agraria Brot., = Danthonia strigösa P. B.). Sandhafer.

Fig. 102.

Da diese Art besonders auf Sandboden vorkommt, heisst sie Sand-hafer. Nach den scharfen, etwas behaarten Blättern nennt man sie auch Rauh-hab er (bei Bremen: Ruughäber), nach den schwärzlichen Früchten Swart hawer(Nördl. Hannover). Da der Sandhafer eine in der Blüte etwas abstehende, flattrigeRispe zeigt, führt er in Niederösterreich die Bezeichnung Wirrhab ern. Zu derBezeichnung Purhafer (Mecklenburg) vgl. die schwedischepurrhafre" und diedänischepurhavre". Nach der eigentümlichen Ausbildung der Spitze der Deck-spelze wird er auch Zweispitzhafer bezeichnet.

Einjährig, 45 bis 100 cm hoch. Rispe einseitswendig, aus-gebreitet oder zusammen gezogen. Aehrchen meist zweiblütig(Fig. 102). Hüllspelzen 7- bis 9-nervig, so lang oder wenig kürzerals die Blüten. Deckspelzen oberwärts meist vorwärts rauh, seltenerganz kahl, in der Reife meist grau bis schwarz-grau, selten weiss,an der Spitze gespalten und in zwei deutliche grannenartige

101. Avena fatuaL, Habitus.a Dreiblütiges Aehrchen.

Fig. 102. Avena strigösaSchreb. Zweiblütiges Aehrchen.

') Lat. fätuus = albern, d.h. fade, geschmacklos, weil die Früchte nicht viel taugen.