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LXXXVI. Avena 1 ) L. Hafer.
Einjährige oder ausdauernde Gräser. Aehrchen zwei- bis sechsblütig, nur aus-nahmsweise einblütig, anfangs zylindrich, später von der Seite zusammengedrückt, ver-hältnismässig gross, über 1 cm lang. Hüllspelzen gekielt, trockenhäutig, am Rande silber-weiss, die obere etwas länger als die untere. Aehrchenachse am Grunde meist behaart.Blüten alle zweigeschlechtlich, die oberste oft verkümmert. Deckspelze auf dem Rückenabgerundet, an der Spitze zweispaltig oder zweizähnig. Granne gekniet, gedreht, nur beiKulturformen gerade oder selten fehlend. Lodiculae zweispaltig. Fruchtknoten ganz oderan der Spitze behaart. Frucht fast spindelförmig, auf der Seite nach der Vorspelze hingefurcht, fast immer von der Deck- und Vorspelze fest umschlossen und mit denselben ab-fallend. Hilum eine kurze Linie.
Die Gattung umfasst ca. 40 Arten, die besonders in den gemässigten Zonen der alten Welt verbreitetsind. Verschiedene rasenbildende Arten (z. B. A. montana Vill., setacea Vill., sempervirens Vill.) sind in denWestalpen zu Hause, andere z. T. einjährige Arten (A. bromoides L., compressa Heuffel, filifolia Lagasca,A. barbata Brot., A. sterilis L.) im Mittelmeergebiet. Einige Arten sind stark xerophil gebaut.
1. Hüllspelzen sieben- bis elfnervig. Blattspreiten in der Knospenlage gerollt. Aehrchen meist 2 cmlang, zuletzt hängend. Einjährige Getreidearten und Ackerunkräuter.............. 2.
1*. Hüllspelzen ein- bis drei- (seltener fünf-) nervig. Blätter in der Knospenlage gefaltet. Aehrchenaufrecht. Mehrjährige Wiesen-, Hügel- oder Felsengräser.................. 5.
2. Deckspelzen in der untern Hälfte mit langen, braunen oder weissen Haaren meist dicht besetzt.Blüten leicht aus den Hüllspelzen und voneinander sich lösend (Aehrchenachse gegliedert). Aehrchen meistdreiblütig....... ......................A. fatua nr. 221 -
2*. Deckspelzen ganz oder fast ganz kahl. Aehrchenspindel nicht gegliedert. Scheinfrucht erst spätaus den Hüllspelzen ausfallend und von einander sich loslösend. Aehrchen meist zweiblütig..... 3.
3. Aehrchenachse meist unter jeder Blüte behaart. Deckspelze in zwei lange grannenartige Spitzenausgezogen (Fig. 102)........................A. strigosa nr. 222.
3*. Aehrchenachse kahl oder höchstens am Grunde der untersten Blüte spärlich behaart. Deckspelzennicht in zwei lange grannenartige Spitzen ausgezogen................... 4.
4. Rispe allseitswendig ausgebreitet, mit abstehenden Aesten......A. sativa nr. 223.
4*. Rispe schmal zusammengezogen, einseitsvvendig, mit anliegenden Aesten . A. Orient alis nr. 224.
5. Grannen im unteren gedrehten Teil nicht stark zusammengedrückt, schneckenförmig gedreht.Aehrchen 2- bis 4-blütig.............................. 6.
5*. Grannen im untern gedrehten Teil stark zusammengedrückt (gegen das Licht gehalten an denWindungen abwechselnd dünn und dick erscheinend). Aehrchen meist 4- (seltener weniger) bis 6-blutig 8.
6. Blatthäutchen verlängert......................... 7.
6*. Blatthäutchen an den Halmblättern kurz, 1 bis 2 mm lang.....A. desertorumnr. 227.
7. Locker rasenförmig. Blätter flach, glatt oder unterseits schwach rauh, die untersten nebst der Blatt-scheide meist kurzzottig ......................A. pubescens nr. 225.
7*. Dicht rasenbildend. Blätter starr, meist borstlich zusammengefaltet, oberseits ziemlich stark rauh.
A. Parlatorei nr. 226.
8. Rispenäste einzeln oder mit nur einem grundständigen Zweige. Blätter schmal (3 bis 4 mm). 9.8*. Rispenäste mit mehreren (bis 5) grundständigen oder nahezu grundständigen Zweigen. Blätter
breit (bis 14 mm)........................A. plan iculmis nr. 231.
9. Blattspreite ziemlich glatt. Rispe breit, fast eiförmig. Aehrchen bräunlichgelb A. versicolor nr.228.9*. Blattspreite oberseits stark rauh....................... 10.
10. Aehrchen 3- bis 5-blütig. Blattscheiden (besonders des untern Blattes) rückwärts rauh. Stengeloberwärts rauh..........................A. pratensis nr. 229.
10*. Aehrchen 6- bis 8-blütig. Blattscheiden kahl oder nur sehr schwach rauh. Stengel glatt, nurin der Rispe rauh.......................... A. alpina nr. 230.
! ) Name des Kulturhafers (und des wilden Hafers) bei den Römern; die Bedeutung des Wortes istnicht ganz sicher: nach den einen geht es auf sanskrit. avi = Schaf (avena also gleich Schafgras), nach anderenauf sanskrit aväsa = Nahrung zurück.