Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
225
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

225

189. Agrostis vulgaris With. (= A. rubra Wahlnb., = Vilfa vulgaris P. B.) RotesStraussgras. Franz.: Agrostide. Ital.: Capellini. Tafel 27, Fig. 1.

20 bis 60 (90) cm hoch. Hat mit der vorigen Art grosse Aehnlichkeit, unterscheidetsich aber hauptsächlich durch die folgenden Merkmale: Grundachse kurz, unterirdischkriechend, kurze, meist nicht über 5 cm lange Ausläufer treibend. Stengel dünn, aufrechtoder knickig aufsteigend, unter der Rispe oft rauh. Blätter schlaffer, meist grasgrün.Spreite bis über 30 cm lang, nicht über 4 mm breit, unterseits ziemlich glatt. Blatthäutchen(besonders an den unteren Stengelblättern) kurz, quer gestutzt, bis 2 mm lang, oft fastfehlend. Rispen 2 bis 15 cm lang, auch zur Fruchtzeit ausgebreitet. Rispenäste bis 7 cmlang, dünn, zart, oft geschlängelt und wagrecht abstehend. Aehrchen 1,5 bis 2,5 mm lang,auf sehr feinen Rispenästen sitzend, nicht gebüschelt, nach allen Seiten abstehend, meistviolett überlaufen, selten grünlich. Haare der Aehrchenachse meist fehlend. Deckspelzenfast stets unbegrannt, an der Spitze abgerundet, undeutlich dreinervig. Vorspelze um dieHälfte kürzer. VI bis VIII.

Sehr verbreitet auf Waldwiesen, auf feuchten Fettmatten der Berg- und Alpenregion,auf Heidemooren, in lichten Wäldern, in Weinbergen, von der Ebene bis in die alpineRegion, bis ca. 2200 m (beim Palügletscher in Bünden).

Allgemeine Verbreitung: Fast durch ganz Europa, Nordasien, Algier,Nordamerika..

Aendert etwas ab :

var. genuina Schur. Grundachse etwas kriechend. Stengel schlaff, meist knickig aufsteigend, nichtniederliegend. Blätter flach ausgebreitet, 2 bis 4 mm breit. Aehrchen violett. Deckspelzen unbegrannt oder(subvar. dubia [Lam.] Aschers, et Graebner) begrannt. Die häufigste Form.

var. Hornungiana Schur. Grundachse etwas kriechend. Stengel kräftig, starr aufrecht, bis zurSpitze beblättert. Blätter flach ausgebreitet, untere sehr schmal, obere bis 3 mm breit. Aehrchen purpurrot.Zerstreut auf kalkhaltigen Stellen der Alpen.

var. alpin a Schur. Dicht rasenförmig, meist nicht höher als 20 cm. Grundachse nicht kriechend.Blätter flach, wie der Stengel straff aufrecht. Rispe schlank, sehr locker ährenförmig. Aehrchen violett, seltenergoldgelb (flöre flavescente). Alpen und Mittelgebirge.

var. arenicola Aschers. Bis 40 cm hoch, mit deutlichen Ausläufern. Blätter borstlich zusammen-gefaltet, bis über 1 mm dick. Rispe schlank, ährenförmig, bis über 10 cm lang und kaum 2 cm breit. Aehrchenviolett. Selten auf Sandboden (am Gelben Berge bei Brunn in .Mähren).

var. hümilis Aschers, et Graebner (= var. pumila Schur.). Pflanze niedrig, oft nur einjährig, kaum10 cm hoch, kleine, dichte, büschelige Rasen bildend. Blätter dünn, borstlich, fadenförmig. Rispe locker aus-gebreitet, meist nicht über 3 cm lang und bis 2 cm breit. Aehrchen violett. Stellenweise auf feuchtemSandboden, auf Heiden.

var. umbrösa Schur. (= A. tarda Bartling). Pflanze ziemlich kräftig. Blätter flach ausgebreitet.auch auf der Unterseite deutlich rauh. Rispenäste rauh. Hüllspelzen schlanker als beim Typus. Aehrchenbleich. Deckspelzen bei der subvar. Sauterii (Fritsch) Aschers, et Graebner begrannt. Selten.

var. tenella (Hoffm.) Beck. Lockerrasig, oft etwas kriechend. Stengel sehr dünn, fein, bogig auf-steigend, kaum über 2 dm hoch. Blätter borstlich zusammengefaltet. Rispe etwas zusammengezogen, schlank,wenigährig. Aehrchen bleichgrün. Häufig an sonnigen Stellen.

var. stolonifera Koch. Halme mehr vereinzelt, meist niederliegend, mit kriechendem Wurzelstockund Ausläufern, an den Knoten wurzelnd und daselbst reichlich verzweigt. Oft nicht blühend, dann ausschliesslichauf vegetativem Wege sich fortpflanzend. Auf Heidemooren und an grasigen Stellen.

Ausser der viviparen Form wird der Fruchtknoten zuweilen (besonders bei der var. hümilis) von einemPilze (Tilletia deci'piens) befallen, der dann den Inhalt des Fruchtknotens in ein schwarzes Pulver verwandelt.Solche Pflanzen sind kleiner und bleiben niedriger.

In der Berg- und alpinen Region bildet das rote Straussgras oft den Hauptbestandteil der Wiesen (bisgegen 40°/o). Neben ihm finden sich in der Straussgraswiese vor allem noch verschiedene Gräser, so Antho-*anthum odoratum, Festuca rubra var. fallax, Dactylis glomerata, Trisetum flavescens, dann Trifolium pratense,Alchernilla vulgaris, Leontodon hastilis, Geranium silvaticum, Silene inflata, Heracleum sphondylium etc. AndereHegleitpilanzen (Cynosurus cristatus, Trisetum flavescens, Festuca rubra und pratensis, Alchemilla vulgaris) könnenzuweilen so stark vertreten sein, dass sie zur Bildung von Nebentypen Veranlassung geben.

He sri, Flora. 18