224
Verbreitet auf feuchten, nassen, etwas schattigen Wiesen, Grabenrändern, auf frischenTorfstichen, auf überschwemmten Sandflächen, an feuchten Waldplätzen, auf Schutthalden,überall von der Ebene bis in die subalpine Region; vereinzelt auch noch höher (Albula,Puschlav 2300 m).
Ist ziemlich veränderlich: var. gigantea Meyer. Pflanze kräftig, bis fast 1,5 m hoch, mit breiter undgrosser Rispe (meist über 1,5 dm lang). Halm aufrecht. Blätter bis 11mm breit. Unterirdische Ausläufer kurzoder fehlend. — An feuchten Waldstellen.
subvar. compressa Aschers, et Graebner. Rispe ausgebreitet. Aehrchen alle oder die meisten begrannt.
subvar. silvätica Aschers, et Graebner. Aehnlich, aber Aehrchen unbegrannt.
var. genuin a (Schur) Aschers, et Graebner. Pflanze niedriger, meist nicht über 0,5 m hoch.Halm aufrecht. Unterirdische Ausläufer kurz oder fehlend. Blätter schmäler. Rispe meist nicht viel über1 dm lang. — Die häufigste Form.
subvar. flävida (Schur) Aschers, et Graebner. Aehrchen bleich, nicht violett überlaufen. —Sehr häufig.
subvar. flavescens Hausm. Aehrchen schön gelb.
subvar. diffusa (Host). Aehrchen lebhaft violett gefärbt. — Nicht selten.
var. coarctata (Hoffm.) Dichte und feste Rasen bildend. Halm aufrecht, ohne Ausläufer. Rispen-äste an die Spindel angelehnt, daher sehr schmal lineallänglich. Stengelblätter normal, 1 bis 1,5 mm breit.
var. prorepens Aschers. (== A. alba var. stolonifera Meyer). Pflanze meist niedriger. Stengel nieder-liegend, meist stark verzweigt, wurzelnd, mit sehr langen ober- oder unterirdischen, peitschenförmigen Aus-läufern (diese zuweilen im Wasser schwimmend). Blätter schlaff, flach. Rispe meist kurz. — Nicht selten auffeuchtem Sandboden, an Ufern, auf feuchten Wiesen; auf Aeckern ein gefürchtetes Unkraut.
subvar. pätula Gaud. Aehnlich. Rispe klein, zusammengezogen, sehr lebhaft violett gefärbt. Niedrige,15 bis 25 cm hohe, weithin kriechende Hochgebirgsform. — In den Alpen und auf den höheren Mittelgebirgen.
subvar. pauciflöra Schrad. Sehr armährig. Deckspelzen begrannt.
var. maritima Meyer. Pflanze graugrün. Stengel niederliegend, verzweigt, wurzelnd, mit langenunterirdischen Ausläufern. Blätter steif, meist borstig zusammengefaltet, zuweilen stechend. — Auf feuchtemSandboden der Dünen, an salzhaltigen Stellen des Binnenlandes etc.
subvar. Clementei (Willk.) Aschers, et Graebner. Aehnlich. Stengel bis fast 30 cm hoch, mit ver-längerten Stengelgliedern. Blätter eingerollt. — Nicht selten.
subvar. pseudopüngens Aschers, et Graebner. Niedrig. Stengelglieder kurz. Blätter borstlichzusammengefaltet, zuweilen deutlich stechend, die untern mit sehr weiten, losen, gestreiften Scheiden. — Hieund da an den Küsten.
subvar. flüitans Schröter. Blätter und Halme lang flutend. — Bildet an Seeufern (auch unter Wasser)zuweilen förmlich unterseeische Wiesen.
var. augustäta Hackel. Rispe sehr schmal, schon zur Blütezeit zusammengezogen. Vorspelzekürzer als die halbe Deckspelze. — Kalkwände bei Vela in Tirol.
Ausserdem kommen wie bei Phleum auch vivipare Formen vor, wo die Aehrchen zu kurzen Laub-zweigen auswachsen.
Das Fioringras ist in Mischung als Untergras für Dauerwiesen, sowie für Weiden sehr wertvoll.Für die Landwirtschaft kommen vor allem hohe, aufrechte Formen ohne oder nur mit kurzen, unterirdischenAusläufern in Betracht. Hierher (nicht zu A. vulgaris) gehört auch der Red-top (Rotspitz) der Amerikaner.Die kriechende Form hat nur als Weidegras einigen Wert. Auch als Untergras für Wiesenanlagen in denAlpen scheint das Fioringras sehr gut geeignet zu sein. See- und Gebirgsklima mit vielen Niederschlägensagen ihm besonders zu. Aus diesem Grunde liefert es in Deutschland und Frankreich nicht so hohe Erträgewie in England. Der Same des Handels stammt fast ausschliesslich aus Nordamerika, von wo die reife Fruchtin verschiedenen Formen in den Handel kommt. Ausser leeren Hüllspelzen enthällt die amerikanische Saatverschiedene z. T. schädliche Beimengungen. So vor allem das Mutterkorn (Claviceps microcephala Tul.),Samen von verschiedenen amerikanischen Unkräutern (Plantago aristata Gray und P. Rugelii Dcne., Panicumdichotomum L., Vulpia tenella Willd., Lepidium Virginicum L., Potentilla Norwegica L., Carex cephalophoraMuhb., Linum Virginianum L., Schafgarbe, Timothegras, Weissklee, kleiner Ampfer). In der deutschen Saatfinden sich häufig Samen von Nardus stricta, Festuca ovina var. capillata, Deschampsia caespitosa, Molinia caerulea,Vulpia myurus, Agrostis spica venti, Luzula silvätica, Carex leporina, Stellaria graminea, Brunella vulgaris,Anthemis cotula und A. arvensis, Chrysanthemum (Matricaria) inodorum, Hypericum perforatum etc.
189.