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159. Anthoxanthum aristatum Boiss. (= A. Puelii Lecoq et Lamotte). Begranntes
Ruchgras. Fig. 90.
Im nordwestlichen Deutschland (z. B. Hannover) heisst das Gras S eess e ldü wel, Sensendüwel [=Sensenteufel]. Diese Bezeichnung rührt daher, dass die glatten und harten Halme dieser Pflanze, die besondersin nassen Jahren zur Zeit der Ernte massenhaft unter dem Roggen auftritt, das Mähen sehr erschwerenund die Sensen bald stumpf machen. Ebendort heisst sie auch Dobb engras (vergl. Glyceria fluitans!). WieAnthoxanthum odoratum besitzt auch diese Art den charakteristischen Kumarinduft, der hier jedoch etwasstrenger und intensiver auftritt.
Einjähriges, 4 bis 40 cm hohes, am Grunde meist büschelig verzweigtes Gras. Stengelstark verzweigt. Blätter ziemlich schmal (meist nicht über 2 mm breit), bis 5 cm lang,meist nur am Grunde bärtig gewimpert, in der Regel kahl. Rispe kurz, länglich bis zylindrisch,
ziemlich locker. Aehrchen am Grunde öfter unterbrochen, dieuntersten zuweilen zurückgeschlagen oder senkrecht abstehend.Die beiden untersten Hüllspelzen scharf zugespitzt (Fig. 90, 2),mit deutlicher Stachelspitze, die beiden oberen 3 mm lang, mitlangen, die unteren Hüllspelzen meist stark überragenden Grannen.Frucht 1 bis 2 mm lang, hellbraun, bauchig, grösstenteils fest indie in der Reife dunkelkastanienbraune, in der oberen Hälfte etwasverbreiterte, schmalhautrandige Deckspelze eingeschlossen, dieselbejedoch überragend. — V, VI (zuweilen nochmals im VIII, IX).Hie und da auf Sandfeldern, auf sandigen Aeckern undWeiden, auf mageren, kalkarmen Quarzsandböden, unter Getreide(Roggen), an Wegrändern, oft in Gesellschaft von Teesdalia nudi-caulis, Viola arvensis und Arnoseris minima, Agrostis spica venti,Hypochoeris glabra, Centaurea cyanus etc.
Die Heimat der Pflanze ist das Mittelmeergebiet. Sie wurde aberwahrscheinlich in Deutschland bereits in der Napoleonischen Zeit (1805—1813)eingeschleppt (jedoch erst kurz nach 1850 bemerkt) und hat sich nun an vielen Orten— besonders seit ca. 1858 in der Lüneburger Haide — eingebürgert. Von dahat sich die Art in den letzten Jahrzehnten nach allen Richtungen ausgebreitet,so ist sie seit den 80 er Jahren bekannt aus Oldenburg, von Borkum, aus West-falen, Holstein (massenhaft um Hamburg), Amrun, von Mecklenburg, aus derPrignitz, Braunschweig, Hannover, aus dem norddeutschen Flachlande, aus Schlesien(seit 1880), aus der Ober-Lausitz, Provinz Sachsen, um Berlin (Potsdam, Nicola-see), vereinzelt auch aus Mitteldeutschland (bei Erfurt 1882), Blankenburg,Heusenstamm (Frankfurt a. M.) und Süddeutschland (Hafen von Kehl 1902,Ludwigshafen am Bahnhof, Dutzendteich bei Nürnberg 1871) etc. In Oesterreich selten; vereinzelt in Böhmen(bei Lochovic, 1899), in Dalmatien und Tirol (1883 bei der Figgen unweit Völs bei Innsbruck). In der Schweiznoch wenig beobachtet (bei Zürich) oder übersehen.
Allgemeine Verbreitung: Mittelmeergebiet (nördlich bis West-Frankreich,Süd- und West-England). Ausserdem vielerorts verschleppt.
In den Roggenfeldern fällt während der Ernte ein Teil der Samen aus und sichert so eine neueGeneration. Das unvermischte A. aristatum (Marktpreis Mk. 80.— per 100 kg) wird nicht selten für echtesRuchgras (Marktpreis Mk. 240 bis 320) verkauft. Seltener wird es unter die erste Saat gemischt. Für einemehrjährige Futternutzung ist dieses Gras nicht geeignet.
Fig. 90. Anthoxanthum ari-statum Boiss. 1 Habitus. 2Aehrchen (präpariert, die ein-zelnen Teile auseinander ge-zogen).
LXIV. Hieröchloe 1 ) Gmel. Mariengras.
Aehrchen in locker ausgebreiteten (bei unseren beiden Arten) oder gedrungenen,glänzenden Rispen, mit einer scheinbar endständigen, zwitterigen Blüte mit 2 Staubblättern
] ) Gr. iegög = heilig und '/)mi) (%X6a) = junges Grün, Gras; das Gras wird vielerorts nach derheiligen Maria (vgl. pag. 201) benannt.