Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
189
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

189

später locker, aufgelöst, meist einseitig überhängend. Rispenäste zweiter und dritterOrdnung lang (bis 1,5 dm), schlaff, vorn stark rauh. Aehrchen alle deutlich gestielt (Fig. 86 c),.ca. 3 mm lang, hellgrün, seltener schwärzlich oder violett überlaufen. Hüllspelzen kahl,kurz zugespitzt, mehrnervig, die erste Hüllspelze kürzer als die dritte, mit ihrem Grundedas Aehrchen umfassend, die dritte etwas kürzer als die zweite. Deck- und Vorspelzeglänzend, lebhaft gefärbt, mit der Frucht aus den Hüllspelzen ausfallend. Narben purpurrot.

VII bis IX.

Wird noch heute stellenweise in Mitteleuropa auf Aeckern und in Gärten gebaut;ausserdem hie und da auf Schutt verwildert (bis ca. 1000 m).

Die wilde Stammform ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist die Heimat der Hirseim nördlichen Vorderindien zu suchen.

Zu ihrem Gedeihen verlangt die Hirse einen guten Boden. Gegen niedere Temperaturen ist sie sehrempfindlich, sodass sie erst dann gesät werden darf, wenn keine Nachtfröste mehr zu befürchten sind. Aendertwenig ab:

var. effüsum Alefeld. Flatterhirse. Rispe locker. Rispenäste stark ausgebreitet, nach allen Seitenüberhängend.

var. conträctum Alefeld. Klumphirse. Rispe zusammengezogen, an der Spitze dichter als am Grunde.

Weitere Formen mit glänzend grauen, schwarzgrauen, glänzend weissen, braunen, fast blutroten oderfast goldgelben Früchten werden gerne als Zierpflanzen angebaut. Die jungen Rispen finden auch in grossenTrocken- oder Makartbuketts Verwendung.

148. Panicum crus gälli') L. (= Echinöchloa crus galli Roem. et Schult., = Oplismenus

crus galli Dum.). Huhne r -Hirse. Franz.: Pied de coq, ergot de coq, pattes de poule;

ital.: Panicastrella; engl.: Pricklv Grass, cock's foot. Taf. 23, Fig. 3.

Nach der fingerförmigen Anordnung der Scheinähren (vergl. auch den lateinischen Namen) heisst diePflanze Vagelfoot [= Vogelfuss] (unteres Wesergebiet). Der Name Dückergras, wie unsere Art in Ost=friesland heisst, dürfte wohl ein Analogon zu der Bezeichnung Teufelspratz'n (Panicum sanguinale, siehe pag. 187)darstellen, da das plattdeutscheDücker, Deucker" eine verschleierte Form vonTeufel" (besonders in Flüchen)darstellt. In der Schweiz (Waldstätten) heisst das Gras Feich, Feilsch, Fänisch, Mistifeich (wächsthauptsächlich in der Nähe des Stalldüngers). Alle diese Worte gehören zuFennich", einer Benennung, dieeigentlich der Setaria Italica (s. d.) zukommt. Greiserich, Greizen (Schweiz), Grense (Tirol: Drautal),Gräns (Kärnten) gehen auf mittelhochdeutsch grensinc zurück, womit besonders Potentilla anserina (s. d.),aber auch mehrere Grasarten bezeichnet wurden. Nach der Aehnlichkeit mit der Hirse heisst die Art auchHirschegras [= Hirse-1 (Nordböhmen), Will Grashärs [= wilde Grashirse] (Altmark). Sollte die Be-zeichnung Mu fit seh (Kärnten) nicht aus dem Slavischen stammen (vergl. den russischen Namen muischii fürPanicum crus galli)?

Einjährig, 30 bis 100 cm hoch. Stengel kräftig, am Grunde knickig aufsteigend,mit Haarbüscheln an den Knoten, in der Rispe rauh. Blätter dunkelgraugrün, breit-lineal.Blattfläche am Rande wellig, mit weisslichem Mittelnerven und deutlichen Randnerven, amRande und oberwärts nach vorn rauh, Blattscheiden kahl. Blatthäutchen fehlend, durch einenHaarkranz ersetzt. Rispe aufrecht, selten nickend, bis 2 dm lang. Rispenäste zweiter unddritter Ordnung verkürzt, vom Grunde an mit Härchen besetzt. Aehrchen gehäuft, ziemlichgross, eiförmig-elliptisch, meist hellgrün, zuweilen violett überlaufen, als ganzes abfallend.I lüllspelzen auf den Nerven kurz steif bewimpert, die dritte oft lang (vgl. var. longisetum)begrannt (Taf. 23, Fig. 3 a). Deck- und Vorspelzen gelblichweiss oder grau, glänzend.

VII bis X.

Stellenweise auf feuchten Aeckern, in Maisfeldern, auf Gartenland, in Weinbergen,an Wegen, in Gräben, auf Schutthaufen ein lästiges Unkraut.

Allgemeine Verbreitung: Wärmere und gemässigte Zonen beider Erdhälften(besonders aber auf der nördlichen).

') lat. crus = Schenkel; gallus = Hahn.