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146. Panicum lineare Krocker (= P. glabrum Gaud., = P. filiforme Garcke, = Digitäriahumifüsa Rieh., = D. filiformis Koeler, Syntherisma glabrum Schrad). Fadenhirse.
Krainfuss, Fingergras. Taf. 23, Fig. 2.
Steht der vorigen Art sehr nahe. Stengel 5 bis 50 cm lang, meist stark verzweigt.Blattscheiden und Blattspreiten kahl, höchstens neben dem ansehnlichen, 1 bis 2 mm langenBlatthäutchen mit einem Haarbüschel. Scheinähren meist 3, oder 2 bis 4 (seltener 6 bis 24),oft voneinander etwas entfernt, untere meist herabgeschlagen. Wie bei nr. 145 in der Achseldes obersten Blattes hie und da eine Scheinähre. Aehrchen kurz oval, flaumig, stumpf, zu2 bis 4, mehr oder weniger kurzhaarig. Unterste Hüllspelze meist ganz verkümmert, zweiteso lang wie die Deckspelze, dritte Hüllspelze meist 5 nervig. — VII bis X.
Stellenweise auf Sand-und Schotterboden, an steinigen Plätzen, an Wegen, Mauern,.auf Aeckern und Gartenland.
Allgemeine Verbreitung: Wärmere und gemässigte Zonen beider Erdhälften.
Aendert ähnlich wie die vorige Art ab, so z. B.:
var. proStratum Aschers, et Graebner. Pflanze grosse Polster bildend.Stengel niederliegend, wurzelnd, sehr stark verzweigt. Blattscheiden weit. Blüten-stand reichährig. — Zuweilen auf gedüngtem Boden.
147. Panicum miliäceum x ) L. Echte Hirse, Rispenhirse.Franz.: Millet, mil; ital.: Miglio, miglio nostrale. Fig. 86.
Der Ursprung des Wortes Hirse (althochdeutsch hirsi, hirso) ist noch nichtsicher festgestellt. In den niederdeutschen Mundarten wird meist Herse, in denoberdeutschen (auch in Nordböhmen) dagegen sehr oft Hirsch, Hirsche gesprochen.Von „Hattel"-Rispe (besonders des Hafers und der Hirse) leitet sich die in Tirolund Kärnten gebräuchliche Benennung Hattelhirsch ab. Besonders in Oesterreichwird die Hirse (speziell die Körner) auch häufig Breien, Brein, Brain genannt,da ihre Körner zur Bereitung von Brei verwendet werden (aus demselben Grundführt auch der Buchweizen in Bayern ab und zu diese Bezeichnung). Im nördlichenBraunschweig bezeichnet man sie als Grütte, Hesegrütte (zu Grütze). Im Ober-engadin heisst sie Mech, im Tessin Mei.
Der Anbau der Hirse (und von Setaria Italica) als Getreidefrucht ist uralt:ja sie ist vielleicht die erste Halmfrucht, die auf indogermanischem Boden angepflanztwurde. Die Kultur tritt uns schon in den steinzeitlichen Pfahlbauten des südlichenMitteleuropas in grossem Umfang entgegen. Für das westliche Deutschland ist siefür die prähistorische Zeit nicht sicher nachgewiesen. Neuerdings wurde sieauch in den Denkmälern der skandinavischen Steinzeit aufgefunden. Bis zur Ein-führung der Kartoffel im 16. und 17. Jahrhundert bildete die Hirse das Brot desarmen Mannes; später wurde sie stark verdrängt. In Tirol vertrat sie früher denMais. Nach einem alten Volksglauben muss man zu Fastnacht tüchtig Hirse essen,dann geht das ganze Jahr das Geld nicht aus. In ähnlicher Weise kommt in Mährenbei Hochzeiten als letztes Gericht der Hirsebrei auf die Tafel, damit es den Neu-vermählten nie an Geld fehlen möge. In Altbayern durfte früher der Hirsebrei beimKirchweihschmaus nicht fehlen. Auch die Hirseessen bei Jugendfesten im 16. Jahr-hundert sprechen für die grosse Beliebtheit der Hirse.
Einjährig, 50 bis 80 (100) cm hoch. Stengel steif aufrecht oderam Grund knickig aufsteigend, wie die runden Blattscheiden und dieBlattspreiten rauhhaarig. Blatthäutchen kurz, in einem Haarstreifenaufgelöst. Rispe gross, bis 2 dm lang, anfangs zusammengezogen,
Fig. 86. Panicum m i 1 i a -ceum L. a Habitus, b Zwei-blutiges Aehrchen (eine Blüterudimentär), c Rispenast frukti-üzierend(vergrössert). d Frucht-knoten mit lodiculae. c AeussereDeckspelze. /"InnereDeckspelze(vergrössert). g Aeussere Hüll-spelze. /* Innere Hüllspelze./ Unfruchtbare Blüte mit innererund äusserer Deckspelze, k Lodi-cula. / Innere Deckspelze (vonaussen).
"') Lat. mi'lium (griech. iii/.ivij) = Hirse, bedeutet eigentlich „Mahlfrucht" (lat, mölere = mahlen).