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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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1. Stengelblätter verlängert Hneal, den Blütenstand meist überragend........... 2.

1*. Stengelblätter kürzer als der Stengel, die Blattfläche reduziert............ 4.

2. Weiblicher Blütenstand unmittelbar an den männlichen anstossend...........3.

2*. Weiblicher Blütenstand von dem männlichen entfernt......T. an gu s tif olia nr. 88.

3. Männlicher Kolben nicht erheblich kürzer als der stets schwarzbraune weibliche. Haare desFruchtknotenstieles niemals über die Narbe hinausragend............T. latifolia nr. 86

3*. Männlicher Kolben bedeutend kürzer als der weibliche. Haare des Fruchtknotenstieles nach derBlüte die Narbe überragend, der Kolben daher silbergrau erscheinend.....T. Shuttle worthii nr. 87

4. Blütenstengel ohne Laubblätter, nur am Grunde von meist spreitenlosen weiten Scheidenumgeben .............................T. minima nr. 89.

4*. Blütenstengel mit Laubblättern................T. gracilis nr. 90.

Der Rohrkolben hat wegen seiner auffälligen Erscheinung eine grosse Menge von Volksnamen er-halten, die sich zum grossen Teil auf die keulenförmige Gestalt des Blüten- (resp. Frucht-) Standes beziehen:Kolben (Schwaben), Teichkülben (Nordböhmen), Bachkolben (Steiermark), Mooskolben [Moos = Moor](Pinzgau), Marienkolben (Ostpreussen), Chölbli [=Kölblein] (Schweiz: St. Gallen), Rührkolben [= Rohr-](Siebenbürgen). el [Keule], Dunnerkul [=Donnerkeule] (Mecklenburg), Dierkülen (Unteres Wesergebiet),Kloob-, Kloppküel (Unteres Wesergebiet); spielende Kinder schlagen sich mit den Stengeln gegenseitigauf die Köpfe (,,bums" ahnt onomatoepoetisch einen dumpfen Knall nach), daher Namen wie Bumskeule(Norddeutschland), Pumpkuile (Mecklenburg), Plumpekaile, Pumpekaile (Nördl. Braunschweig,Mecklenburg), Teichschlögl (Kärnten), Schlegel, Trommas chl egel (Schweiz), Trumme-chneb el (Schweiz), Pflegel (Schweiz: Graubünden), Wammesknüppel (Anhalt), Klöp p e r (Mecklenburg),Chnospa (Schweiz), Teichzapfen (Steiermark), Peutscha (Schweiz: St. Gallen).

Bereits im Althochdeutschen existiert für Typha-Arten die Bezeichnungtutilcholbo" (,,Dudelkolbe" bei derheilig. Hildegard. 1 ). Der erste Bestandteil dieses Namens ist in althochdeutsch tutta = Zitze zu suchen und bezieht sichjedenfalls auf die Form des Blütenstandes: Duderkeule, Diederkeule (Ostpreussen), Dudelkolben (Schmal-kalden), T utt elkolb e (Hessen), Deutelkolbe (Bayern), Deutelkolben (Schlesien), Dittelkolb (Elsass).Auch mit dem Schwänze gewisser Tiere wird der Teichkolben wegen seiner weichen, fellartigen Beschaffenheitverglichen: Katt [= Katze], (Pommern, Nordhannover), Katzensteert [Katzenschwanz], Vosstummel[= Fuchs-] (Unt. Wesergebiet); hieher gehören auch Benenungen wie: Bulstern [= Polster] (Schweiz:Glarus), Sammetbürste (Schweiz: Bern), Sammetschlegeli (Schweiz: Zürich), Püeschen (Unt.Wesergebiet).Püesken (Ostfriesland) [vergl. Eriophorum!), Pulsk [zu Polster?] (Bremen). Von Bulle (= Zuchtochse)und dem plattdeutschen WortePesel" (neuhochdeutsch Fis el = membrum virile, besonders des Ochsen; vgl.Ochsentisel = Ochsenziemer!) leiten sich ab: Bullenpäsel (Nordwestl. Deutschland), Bullen päske, Bullen-pansch (Pommern), Bullerpees, Bullenpees, Bullerbesen [letzt, angelehnt an ..Besen"; siehe unten!](Vorpommern), Fisel (Steiermark). Auf die braune Farbe der Fruchtstände deuten wohl hin: Brämkölbi(Schweiz: Churfirstengebiet), Brom e r , Brämerli. Br ämer a (Schweiz: St. Gallen).

Eine Reihe von Namen weist auf den Gebrauch des Teichkolbens als Bürste hin, wozu ihn seineForm ja vorzüglich eignet: Birschlain [= Bürstlein] (Krain: Gottschee), Bürsta, Börsta, Bimsel[= Pinsel] (Schweiz: St. Gallen), Bisele [von Besen] (Elsass); Schosste in feger [Schornsteinfeger] (Bremen).Kanonen put z er (Dielsdorf im Kanton Zürich).

Die Blätter des Rohrkolbens werden von Fassbindern zum Verstopfen der Fugen von Fässern gebraucht,daher Namen wie: Büttnerschilf (bei Meiningen), Binderrohr, Binderschlägel (Oberösterreich),Bindarohr (Niederösterreich), Bintergras, Bintersacher [überSacher" vergl. Carex!] (Kärnten),Bündtnerschlägel [= Binder?] (Schweiz: St. Gallen), Küperleesch [überleesch" siehe Carex!](Unteres Wesergebiet), Küferrohr (Schweiz: St. Gallen).

In vielen Gegenden (besonders in den östlichen Alpenländern) sieht man in den bäuerlichen Wohnstubenkaum ein Kruzifix, hinter dem nicht einige Rohrkolben stecken; er soll das Rohr darstellen, das die Juden demHeilande, um ihn zu verspotten, in die Hand gaben: Unserherrgotskolb e (Vorarlberg), Her gotskolb'n(Niederösterreich), Christusrohr (Kärnten), Spottiohr (Oesterreich).

Oft führt unsere Pflanze auch Namen wie das gewöhnliche Schilf oder ähnliche Gräser: Schilf,Rühr [= Rohr], G'röhr [= Geröhre] (Niederösterreich, Steiermark), Moosrohr (Schwaben), Binsa (Ober-österreich), Sacher [vergl. Carex!] (Steiermark). Slabberbabb [vergl. Glyceria fluitans!] (Unteres Wesergebiet).

Interessant sind die Namen Schmak edutschke , S ehm akedusen, Schm ackedung e, die sichbesonders in Ost- und Westpreussen und in der Mark finden. Sie werden dahin gedeutet, dass der erste Bestandteil

*) Die heilige Hildegard (geb. 1098 zu Böckelheim an der Nahe, gest. 1178) war (seit 1147) Aebtissin desKlosters auf dem Ruppertsberg bei Bingen. Unter ihren zahlreichen Schriften ist diePhysica", in der sichunter anderem zahlreiche deutsche Pflanzennamen finden, für die Geschichte der Botanik sehr wichtig.

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