Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
104
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

104

metrische Zapfen, gehören also zur var. uncinata, während die Leg- und Krummholzföhren mit symmetrischerZapfenbildung zu den Varietäten mughus und pumilio zu zählen sind.

Wenn Legföhrenzweige unter Schneemassen (Lawinenschnee) lange liegen bleiben, werden sie oftvon einem Pilz (Herp o trichia nigra Fuckel) befallen, der die ganzen Zweige mit einem zarten Gespinstumgibt und die Nadeln zu dunkelbraunen Massen verklebt, so dass diese absterben. Derselbe Pilz kommt auchauf der Fichte und auf dem Zwergwacholder vor.

84. Pinus cembra 1 ) L. Zirbe, Zirbelkiefer, Arve. Franz.: Auvier, pincembro,arole, eouve, teinier, ceinbrot; ital.: Zembra, zimbro, zimber, pino cembro. Taf. 14, Fig. 5.

Der Name Zirbel gehört zu mittelhochdeutsch zirbel = Wirbel (Althochdeutsch zerben = sich drehen) undbezieht sich auf die Anordnung der Zapfenschuppen (vergl. gr. atgößÜMg = Tannenzapfen zu oTQEfpeiv = drehen).In den östlichen Alpenländern heisst der Baum: Zirbel, Zirbelbaum, Zirm (wohl entstanden ausZirb'n"),Zirschen, Zirmn ussb aum. Was den NamenArve" betrifft, so ist seine Abstammung nicht sicher.Vielleicht hängt er mit engl, arrovv (angelsächs. arewe, each) = Pfeil zusammen; mittelhochdeutsch arf bedeutetWurfspiess". Er findet sich hauptsächlich in den West-und Zentral-Alpen: Araf (Graubünden), Arfe, Orfe

(Wallis), Arbä (St. Gallen).

Die Benennungen der Zirbelzapfen sind meistens die gleichen wie die der übrigen Koniferenzapfen(vergl. pag. 85); ausserdem aber heissen sie noch: Betsch, Betschle (Südtirol: Etschland, Vintchgau) vonromanisch betschla Koniferenzapfen (zu ital. bacello = Hülse). Die Samen der Zirbel nennt das Volk:Zirbelnüsse!, Zirbi s ss el, Zirmnüssel, Zirmele (Ostalpen), Ziawassnissl (Niederösterreich),

Zirschen (Zillertal, Salzburg). Wegen ihres Harzge-haltes heissen sieHarzepf eli" [vonApfel"](Schweiz: Waldstätten). Im Kanton St. Gallen (Schweiz)werden die Arvensamen auch Biberli genannt.

Im Romanischen heisst der Baum: dschember,schember (Engadin), die Zapfen: betschla,nuschpignas (Engadin), pignas (Livigno) dieSamen: nuschäglia. Im Ladinischen heissendieZapfen: Tazun, Brodel (Ampezzo). Im DialektdesTessin: Zimber , p igneu , gembro. In Livignoheissen die grünen Arvenzapfen pigna marin a.Von der romanischen Bezeichnung bescola leitet sichder im Engadin (speziell in Zernez) verbreiteteFamilienname Bezzola her, eines der bekanntestenund angesehensten Geschlechter des Engadins. DasFamilien wappen führt in der Tat einen Arvenzapfenim Schilde. Früher schrieben sich die Bezzola'swirklich auch Betschla und noch heute ist dieserName in Zernez der gebräuchlichste. (Mitteilung vonDr. Brunies.) Ebenso lässt sich der Name Cambrena(im Berninastock) auf Dschember zurückführen.

Das Holz der Zirbe, das sich wegen seinergleichmässigen, weichen und dichten Beschaffenheitleicht schneiden (besonders wenn es in Wasser ge-legt wird) lässt, ist in den Alpenländern zu Schnitz-werk sehr geschätzt. So werden die weit bekanntenGrödner (Südtirol) Schnitzereien früher aus-schliesslich aus Zirbelholz hergestellt. Da manjedoch die Ausbeutung in wenig ökonomischer Weisebetrieb, wurden die Zirbelwälder so stark dezimiert,dass man sich heutzutage mit dem Holze andererKoniferen behelfen muss. Auch zur Wandtäfelung vonZimmern (besonders im Engadin), als Möbelholz und

Fig. 50. Arven an der obern Baumgrenze (wipfeldürr) vonder Ischa-Alpe ob Davos (Graubünden).Phot. J. (Köbi) Sigrist, Davos.

Namen.

') Nach dem italienischen Namen der Zirbelkiefer: cembro, gembro. Vergleiche auch die romanischen