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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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Der Zwergwacholder führt im allgemeinen dieselben Volksnamen wie der gewöhnliche Wacholdernur mit Hinweis auf sein Vorkommen in den Alpen finden sich Namen wie: Almkranabet (Kärnten), Joch-kranebitt, Jochkranwit (Tirol), Jochmind (Tirol: Mittewald). Wegen der kreuzförmigen Einschnittean der Spitze der Scheinbeeren: Kreuzbeeren (Kärnten). Im Romanischen heisst der Zwergwacholdergiop (Oberland und Oberengadin), im Dialekt des Bergell güp, vonComo: zanevar, desTessin: ginever,g eneve r.

In der Volksmedizin der Aelpler wird dieser Strauch noch höher als der gewöhnliche Wacholdergeschätzt, wie überhaupt die Alpenpflanzen in grösserer Wertschätzung stehen als die ihnen entsprechendenTiefenpflanzen. (So wird z. B. die ,Jochkamille" [Achillea atrata und Clavennae] hinsichtlich ihrerHeilwirkung mehr als die gemeine Schafgarbe geschätzt.) In Beständen von Zwergwacholder finden sichmeist zahlreiche humicole Arten vor, z. B. Aconitum napellus, Hieracium silvaticum, Polemonium caeruleum,Geranium silvaticum, Myosotis alpestris u. s. w. Auf der Alpenweide ist der Strauch als Unkraut verhasstund wird vielfach ausgereutet. Vom Vieh wird er gemieden.

Niederliegender, dem Boden meist spalierartig aufliegender, kleiner und sparriger Strauch, höchstens bis50 cm hoch, dichte Teppiche bildend. Zweige kurz und dick, häufig hin-und hergebogen. Nadelquirle gedrängtstehend, nur 1 bis 3 mm voneinander entfernt. Nadeln 4 bis 8 mm lang, anliegend, aufwärts gekrümmt, meistdeutlich kahnförmig, dachziegelartig sich deckend, weich, die Beerenzapfen kaum überragend. Weit ver-breitet auf steinigen, besonnten Abhängen, auf magerem Wald- und Weideboden, zusammen mit Legföhrenund Alpenrosen, von der subalpinen bis hochalpinen Region der Gebirge von ca. 1600 bis 2500 m (MonteRosa bis 3570 m). Ausser den Alpen auch im Riesengebirge und im Gesenke, sowie in Ostpreussen (ZielaserWald bei Lyck). Eine Form (1. gymnosperma Schröter) aus dem Puschlav zeichnet sich durch offeneScheinbeeren und herausschauende Samen aus.

Zwischen dem Zwergwacholder und dem gemeinen Wacholder der Ebene kommen zahlreiche Ueber-gangsformen (namentlich in der Uebergangszone von ca. 1600 bis 1800 m) vor, die der var. intermediaSanio zugezählt werden.

80. Juniperus sabina 1 ) L. (:

Stinkwacholder.

= Sabina officinalis Garcke). Sa de- oder Seviebaum,Franz.: Sabine; ital.: Sabina. Taf. 13, Fig. 5.

Der Name Sebenbaum stammt aus dem lateinischen Sabina (vergl. Anmerkung): Sebenbam(Kärnten), Sefler, Sefenbaum, Söven (Tirol), Soife [femin.] (Defereggen), Sefel (Algäu), Seve (Vorarlberg),Sevi (Schweiz). Ebenfalls aus dem lateinischen Sabina mit teilweiser Anlehnung an das Deutsche stammen:Sateisbaum (Nördliches Böhmen), Segelbaum (Bayern, Oesterreich, Kärnten), Segenbaum (Bayern, Oester-reich, Steiermark, Kärnten), Seft'nbaum (Salzkammergut: Hallstadt), Siebenbaum (Eifel), Sirgelbam(Niederösterreich: Wolkersdorf), Fehsi [aus Sefi] (Baden: Siegelau). Andere Namen enthalten einen Hinweisauf die Anwendung der Pflanze als Abortivum: Verboddän Buhm [= verbotener Baum] (Siebenbürgen);Jungfernpalme; euphemistisch sind die Namen : Glückskraut (Steiermark), Lebensbaum (Niederösterreich).Nachdem unangenehmen Geruch der Zweige; Stinkholz (Salzburg); Stink Wacholder.

Der Sadebaum wird seit alter Zeit in den Bauerngärten (oft versteckt!) Mittel- und Süddeutschlands,Oesterreichs und der Schweiz angepflanzt. Bereits im Kapitulare Karl des Grossen, 2 ) wo er alssabina" bezeichnetist, wird sein Anbau empfohlen. In Tirol werden in gewissen Gegenden, wo Mangel an Streuematerial herrschtdie abgehauenen Zweige für die Stallungen benutzt. Der Gebrauch der Zweige als Abortivum ist leider in bäuer-lichen und zum Teil auch in städtischen Kreisen noch heutzutage sehr verbreitet. In vielen Gegenden wird ein Absudder Blätter gegen Ungeziefer z. B. Läuse und Wanzen verwendet. Mit den trockenen und pulverisierten Blätternheilt man alte Geschwüre. In der Tierheilkunde des Volkes wird der Absud auch gegen Würmer bei Pferdenund mit einem Zusatz von Eichenrinde gegen denweissen Fluss" der Kühe (Schweiz: Thurgau) gebraucht

1 ) Die Pflanze hiess bei den Römern herba Sabina (auch Cupressus Cretica). Das Volk de rSab in er soll die Blätter als Abortivum gebraucht haben.

2 ) Kapitularien (von ihrer Einteilung in mehrere Abschnitte, capitula) hiessen in der Zeit derKarolinger die Satzungen der fränkischen Könige. Für die Geschichte unserer Gartenflora ist besonders wichtigdasCapitulare de villis imperialibus" (aus dem Jahre 812 stammend), das Verordnungen über die Verwaltungder kaiserlichen Hofgüter enthält. Es bringt im 70. Kapitel eine Aufzählung der Pflanzen (ca. 90 Arten), diedie Gärtner der kaiserlichen Güter anbauen sollten. Höchstinteressant vom kulturgeschichtlichen Standpunktist es, dass unsere Bauerngärten im grossen und ganzen (natürlich abgesehen von den erst später eingeführtenausländischen Gewächsen) dieselbe Flora zeigen, wie sie in diesem Kapitulare für die kaiserlichen Güter vor-geschrieben wird.