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Kranbiden (K.rain: Gottschee), Kr aun widls taude (Westböhmen). An das lateinische „juniperus" undoft zugleich an das deutsche ,.Beere" sind angelehnt (vergl. dänisch jenbaer-trae, englisch juuipertree!):Enbärenstruk [—-Strauch] (Mecklenburg), Eenbeernbom (Hamburg), Eynb eerenbom (Pommern) undnoch weiter verstümmelt: En ek en b ehr en struk, Ehmkenstruk, Ey niken s trucke (Rügen). Aus derlitauischen Bezeichnung unseres Strauches ,.Kadagys" (esthnisch kaddaka, böhmisch Kadik zu kaditi =räuchern, vergl. Recholderl) leiten sich ab: Kattig, Ka ddi chens trauch (Ostpreussen), Kaddig (West-preussen, Livland). Der Name Knirk, Knirkbusch (Mecklenburg, Pommern) kommt vielleicht von dem oftverkrüppelten, knorrigem Wüchse des Strauches (althochdeutsch chniurig = knotig, vergl. Knirps!) oder erbezeichnet onomatopoetisch (= Laut nachahmend) das Prasseln und Knistern des ins Feuer geworfenen Holzes.Den eben angedeuteten Ursprung wird auch der Name Knister, wie der Wacholder in Pommern heisst, haben.
Im Romanischen heisst der Wacholder: gianever (Heinzenberg), ginaiver (Unterengadin undOberland), zanevar, gioc (Unterengadin), parmuoglia (Oberengadin), brinscier; die Beere heisst inHeinzenberg: puma gianevra.— Im Dialekt des Bergeil: güp. Im Friauler Dialekt: barancli, barancladi.Dialekt des Tessin: ginever, zenever, zanever, repet.
Nach der oben angeführten Benennung Kranawit hat der Krametsvogel (mittelhochdeutsch Kranewit-vogel), der die Beeren des Strauches gerne frisst, seinen Namen erhalten. Ebenso findet man dieses Wort inOrtsnamen, wie in Kranebitten (bei Innsbruck), Kramsach (Unterinntal), Kranzach (Oberbayern) u. s. w. Auchder in Süddeutschland nicht seltene Familienname Kranewilter, Kronenbitter gehört hierher. Der Wacholderspielt in der Volksmedizin eine sehr grosse Rolle. Besonders sind es die Beeren, die sich bei verschiedenenKrankheiten eines grossen Ansehens erfreuen. Sie sind ein uraltes Antisepticum. In den „Pesthäusern" desMittelalters wurde mit Wacholderbeeren geräuchert. Einen Nachklang an diesen Brauch bilden die Wacholder-räucherungen der Stuben und Ställe am Dreikönigstage (6. Januar), wie sie in unseren Alpenländern noch heut-zutage Brauch sind. Auch glaubt man vor ansteckenden^Krankheiten sicher zu sein, wenn man die Beerenkaut. Die „Kranewit-Salse" (= Absud der Wacholderbeeren, zu Salse vergl. französisch sauce) ist dem ober-bayerischen Bauer eines der beliebtesten Mitteln gegen Wassersucht. Ausserdem werden die Beeren zumKonservieren von Fleisch und als Gewürz zum Sauerkraut (besonders in der Schweiz) und zum Gansbratengebraucht. Aus Deutschland werden die Beeren viel exportiert; im Jahre 1880 betrug die Ausfuhrnach Frankreich 'ca. 90 000 kg. Sehr bekannt ist in allen Gegenden der Wacholderbranntwein (Steinhäger,französisch Genevre, englisch gin), im Norden Deutschlands Machandel ^oder Kaddig, in Bayern und in TirolKranawitter genannt. Meistens wird er durch Destillation von Spiritus oder von Schnaps über Wacholderbeerendargestellt, manchmal auch bloss durch Versetzen von Schnaps mit Wacholderöl. In manchen Gegenden wirdein Absud der jungen Wacholdersprossen (Summitates Juniperi) gegen Wassersucht angewendet. Das aus denBeeren gewonnene ätherische Oel (Oleum juniperi e baccis) wird in der Medizin als harntreibendes Mittel ver-wendet, während das Wacholderholzöl (Oleum juniperi e ligno) ein Destillat von Terpentinöl über Wacholderholzals Volksheilmittel zu Einreibungen bei rheumatischen Leiden gebraucht wird. Auch das Wurzelholz (LignumJuniperi) findet Anwendung als Diaphoreticum und Diureticum. Das Harz kam früher als Wacholderharz,„deutscher Sandarak" oder unechter Weihrauch in den Handel.
Nach der vielseitigen Verwendung des Wacholders im Volke darf es nicht wundern, wenn sich auchder Aberglaube des Strauches bemächtigt hat. Er gehört zu den Pflanzen, die den bösen Geistern höchstunangenehm sind. So nimmt man in manchen Gegenden zum Buttern der Milch einen Rührstecken ausWacholderholz. Der Rauch des angezündeten Holzes vertreibt die Hexen und allen Teufelsspuck. Auch Krank-heiten lassen sich unter gewissen geheimnisvollen Beschwörungsformeln auf den Strauch übertragen (sieheHollunder!). In manchen Gegenden Süddeutschlands glaubt man, dass derjenige, der ein Wacholderreis bei sichtrage, auf grösseren Fussreisen vor dem „Aufgehen" (= Wolf, intertrigo) sicher sei.
Offiizinell: Fructus Juniperi (Pharm, germ., austr., helv.), Oleum Juniperi (Pherm. austr.,helv.), Lignum Juniperi (Pharm, austr., helv.) vgl. pag. 108.
Strauch oder Baum, bis lim hoch werdend, meist vom Grunde an verzweigt,seltener bei baumartigen Exemplaren einen 1 bis 2 (vereinzelt bis 12) m hohen Stammentwickelnd. Rinde anfänglich glatt, später rissig, sich faserig abschälend und graubraunwerdend. Keimling mit 2 Kotyledonen. Laubblätter nadeiförmig, in abwechselnd 3(selten 4) gliederigen Quirlen stehend. Nadel am Grunde angeschwollen (Taf. 12, Fig. 53)und mit einem Gelenk am Stengel angeheftet, spitz, 8 bis 21 (selten bis 30) mm lang, etwasrinnig, anfangs aufgerichtet, später abstehend bis zurückgeschlagen (letzteres bei der var.W e c k i i Graebn.), meist graugrün, seltener lebhaft grün, von einem sehr weiten Harzgangdurchzogen. Knospen von schuppenartigen Nadeln bedeckt. Blüten zweihäusig, hie und