Fig. 38. Fruktifizierender Zweig 1 von Abi es alba Mill. (Phot, C. Schröterund P. Bohny).
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Im Romanischen heisst die Tanne: aviez (Heinzenberg), viez, avez; im Dialekt des Bergeil: emblez,ambleze, im Dialekt von Oberitalicn : pescia (so auch im Tessin), peccia.
Bis ca. 55 (selten 65 bis75) m hoch und in Brusthöhebis fast 2 (selten bis 3,8) mDurchmesser. Hauptachse ge-rade, straff senkrecht in dieHöhe strebend, früh die unternBlätter oder Zweige abwerfend,sich reinigend. Krone pyra-midenförmig, im Alter fastcylindrisch, zuletzt oben ab-gewölbt. Rinde glatt, weiss-grau, oft einen stark rötlichenSchimmer zeigend. Aeste undHauptzweige horizontal ab-stehend. Jüngste Triebe kurzrauhhaarig, grünlich. Pfahl-wurzel oft über meterlang.
Keimling mit meistens 5 (seltener 4 bis 8) Kotyledonen. Blätter lederig, immergrün, lineal,bis ca. 2,5 cm lang und bis 3 mm breit, spiralig angeordnet ( 8 /si Stellung), an den Seiten-zweigen scheinbar zweizeilig, in eine Ebene gedreht, „gescheitelt", am Grunde mit einemkurzen unten scheibenförmig verbreitertem Stiel (die Blattnarbe daher kreisförmig), unterseitsmit zwei weisslichen Wachsstreifen (Taf. 12, Fig. 20), im Querschnitt 2 dicht nebeneinanderliegende Leitbündel, sowie 2 Harzkanäle zeigend, welch' letztere in Nähe des Blattrandesliegen (Taf. 12, Fig. 21). Weibliche Blüten zapfenförmig, ca. 6 cm lang, hellgrün gefärbt,aufrecht stehend (Taf. 13, Fig. 2a)^ Spindel am Baume bleibend. Schuppen abfallend. Deck-schuppe senkrecht aufsteigend, oberwärts gezähnelt, in einem langen, zugespitzten, ziemlichhorizontal abstehenden Fortsatz übergehend, länger als die trapezoidische, kurz gestielte,an ihrem Grunde zwei Samenanlagen tragende Fruchtschuppe (Taf. 13, Fig. 2a, 2b, 2c).Männliche Blüte von der Gestalt eines länglichen (zur Zeit des Stäubens) 20 bis 27 mmlangen, meist schräg nach abwärts gerichteten, gelben Kätzchens (Taf. 13, Fig. 2 a), dasam Grunde von zahlreichen bräunlichen Schuppenblättern umgeben ist. Antheren an derSpitze mit einem kammförmigen Connectivfortsatz, durch einen Querriss sich öffnend. Samenfast dreikantig, verkehrt kegelförmig, 8 bis 13 (im Durchschnitt 10,5) mm lang, 0,045 gr.schwer, glänzend, braun, auf der Unterseite mit einer lang-dreieckigen, glänzenden Partie(die ursprüngliche Anheftungsstelle), mit einem festen, nicht abfallenden Flügel ausgestattet,der bereits an der Samenanlage als Anhang des Integumentes (nicht der äussern Schichtder Fruchtschuppe) zu erkennen ist. — V, VI.
Einzeln oder zusammen mit der Fichte oder Buche Bestände bildend, häufig auchangepflanzt. Die Nordgrenze verläuft in Deutschland von den Vogesen über Luxemburg,Trier, Bonn, durch das südliche Westfalen, Münden, den Südharz, über Jena durch dennördlichen Teil von Sachsen, Spremberg, Sorau, Sprottau nach dem südlichsten Posen. ImSchwarzwald, in den Vogesen und im Jura bildet die Tanne bis ca. 1300 m (schweiz. Jura)einen zusammenhängenden Waldgürtel; in den Alpen steigt sie bis ca. 1600 (selten bisgegen 1900 m: Oberengadin) hinauf.
Allgemeine Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa, westlich bis Spanien, süd-lich bis Corsika, Sizilien und östlich bis Polen (Warschau), Galizien, Bukowina, Kleinasien