74
2. Ginkgoäles. Gegenwärtig weist diese Gruppe nur noch einen einzigen Repräsentanten, Ginkgo 1 )bilobaL. (aus China und Japan gebürtig) auf, der seiner interessanten Blätter wegen bei uns zuweilen als Zier-oder Alleebaum] (Südtirol, Locarno etc.) gehalten wird. Der Ginkgobaum erinnert durch seine fächerförmigen,mit gabelig verzweigten Nerven versehenen Laubblätter an gewisse Farne (daher auch die ältere BezeichnungSalisbürya adiantifölia Sm.). Blüten zweihäusig, einzeln in den Winkeln der obersten Nieder- oder der unterstenLaubblätter der diesjährigen Kurztriebe. Männliche Blüten zu kurzgestielten, lockeren Kätzchen vereinigt;weibliche länger gestielt, am Ende einer blattlosen Axe, mit rudimentären Fruchtblättern und unbedeutendemArillus. Später werden die Samen durch Fleischigwerden des Integumentes pfiaumenartig, kugelig, hellgrünoder gelblich, 2,5 bis 3 cm im Durchmesser und enthalten im Innern einen zweikantigen Steinkern. (Fig. 31). Bei denChinesen hat der Baum religiöse Bedeutung und wird um die Tempel gepflanzt. Das Holz wird zu Tischler-arbeiten verwendet und der Samen gegessen. In früheren Erdperioden war dieser Baum durch zahlreiche Ver-wandte auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet.
Fig. 31. Ginkgo biloba L. a Kurztrieb mit männlichen Blüten, b Männlicher Blütenstand (vergrössert). c, d Staubblätter vonaussen und innen, e Kurztrieb mit weiblichen Blüten, f Kurztrieb mit Samen, g Durchschnitt durch die Samenanlage, h Längs-schnitt durch den reifen Samen. /, k Steinkern von der Seite und von vorn. / Querschnitt durch den Steinkern.
3. Coniferae. 2 ) Nadelhölzer. (Vgl. pag. 76.)
4. Gnetäles. 3 ) Diese Gruppe ist als die höchst entwickelte unter den Gymno-spermen zu bezeichnen. Sowohl die männlichen, als auch die weiblichen Blüten besitzeneine Blütenhülle. Verschiedene Formen zeigen einen Anlauf zu Zwitterblüten. Blätterstets gegenständig; das sekundäre Holz mit echten Gefässen. Harzgänge fehlen. Diewenigen Arten dieser Reihe sind von recht verschiedener Gestalt. Die einzige Familie
11. Gnetäceae umfasst die drei Gattungen Gnetum, Ephedra und Welwitschia,von denen nur wenige Formen der Gattung Ephedra (vgl. pag. 75) in Europa auftreten.
Die Gattung Welwitschia ist im Damara- und Hereroland, in Benguela u. s. w. durch die interessanteWelwitschia miräbilis Hook. (=Tümboa Bainesii Hook.) vertreten, die aus einem kurz bleibenden, rüben-ähnlichen Spross besteht und ausser den Keimblättern während der ganzen Lebenszeit nur noch zwei, allerdingssehr grosse, riemenförmige Blätter von lederiger Beschaffenheit hervorbringt. Die Gattung Gnetum nähert sichin ihrem vegetativen Habitus schon recht sehr den Dikotyledonen. Die Vertreter sind meist lianenartigschlingende Sträucher der Tropen mit lanzettlichen, fiedernervigen und lederartigen Blättern.
') Chinesischer Name dieses Baumes.
2 ) x&vog = Kegel (die Griechen bezeichneten mit diesem Worte auch den Zapfen der Pinie);ferre = tragen. Conifere also = Zapfenträger.
3 ) Nach gnemon, der malayischen Bezeichnung der Pflanze, gebildet.