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53XXIV. Equisetum 1 ). Schachtelhalm.
Die einzelnen Arten der Gattung Equisetum werden vom Volke bezüglich ihrer Benennung meistnicht näher unterschieden. Die Namen Schachtelhalm, Schaft halm hat die Pflanze nach den schaftartigausziehbaren Steno-elo-liedern erhalten. Ueber die Umwandlung des ch vor t in f vergl. „Schlucht" und „Schluft".Der gegliederte Stengel wird auch mit einem Pfeifenrohr verglichen, daher: Pipenstal [=Pfeifenstiel] (Mecklen-burg. Altmark), Hollpiepen [= Hohlpfeifen] (Ostfriesland), Dru nkelpfeifen (Ostpreussen), desgleichen miteiner Nadelbüchse („Spengel" von lat. spina = Dorn, bedeutet Nadel): Spengelbüchse (Hunsrück) oder mitKnien: Negenknee [= Neunknie] (Holstein); auch der plattdeutsche Name Bräckbeen [von „Bein'' und„brechen"] (Hannover) hängt wohl mit der Form des zahlreich gegliederten Stengels zusammen. Die Sprossewerden nach ihrer Form gern mit dem Schwänze gewisser Tiere, besonders der Katze verglichen (mittel-hochdeutsch sterz, englisch start, sowie mittelhochdeutsch zagel bedeutet Schwanz): Kattens teert, Katt en-swans (Altmark), Kattstart (Pommern), Katzenzahl [ebenso ist der Name des Berggeistes Rübezahlaus Rübenzagel = Rübenschwanz entstanden.] (Schlesien, Nordböhmen), Katzen wedel (Schwaben), Katzen-schwoaf (Oesterreich, Steiermark), Cha t zäsch w anz , Chatzästiel (Schweiz); Rattenschwanz(Hannover), Rat z ens ch waf (Niederösterreich). Rattäschwanz (Schweiz: Waldstätten); Fuchszagel(Ostpreussen); Fuchsschwaf (Niederösteneich). Der Name Zinnkraut rührt davon her, dass die Schachtel-halme wegen ihres ^hohen Gehaltes an Kieselsäure zum Putzen von Geschirr, besonders von Zinnkannen,Zinntellern und Weberschiffchen (Zürcher Oberland) 'gebraucht werden: Zinn gras (Nordböhmen, Bayern,Tirol), Zinnheu (Steiermark); Scheuerkraut (Thüringen); von „reiben" (vom Reiben des zu putzendenGeschirrs mit der Pflanze) leiten sich ab: Riebel (Schweiz: Thurgau), Reibis ch , G reibs c h (Riesengebirge;aus letzterem Namen verderbt ist wohl die Benennung Preibusch (Leipzig); Kannelgras (Nordböhmen:Riesengebirge), Pf ann ebutz er (Schweiz: Thurgau); Kannenkraut (Eifel, Thüringen, Schwaben). Der Winter-schachtelhalm speziell wird stellenweise von Tischlern beim Polieren von Möbeln und Parquetböden verwendet.In manchen Gegenden glaubt man, dass die Pflanze den Kühen tödlich sei, den Pferden jedoch nichts schade;daher sagt man von ihr: „Der Pferde Brot — der Kühe Tod: Koodood [= Kuhtod] (Gebiet der unterenWeser). Im Weichseldelta werden die unschädlichen Equisetum-Arten Kuhm us s, die schädlichen (besondersE. heleocharis) Herrmuss genannt. Während Equisetum arvense dem Viehe sicherlich unschädlich ist, wurdein neuester Zeit in Equisetum heleocharis ein giftiges Alkaloid, das Equisetin, nachgewiesen. Der Name Herr-muss. der übrigens in ganz Norddeutschland für Equisetum-Arten verbreitet ist, enthält in seinem erstenBestandteil wahrscheinlich Heer = Herde (wegen des massenhaften Vorkommens), während der zweite Bestandteil„Muss" sicherlich das verderbte Moos ist. In Norddeutschland ist die allgemeinste Bezeichnung für die Equi-setum-Arten Duwock oder Dowenwocken (der zweite Bestandteil leitet sich vielleicht von niederdeutschWocken = Rocken nach der Gestalt der Fruchtähre ab). Gleichfalls hieher zu stellen wären dann die Be-nennungen S p i n d 1 i n g (Westböhmen: Eger), S p i n n 1 i c h [von „Spindel-'], Z ö p f I i n g [von „Zopf"] (Westböhmen :Eger), die sich beide auf die Form der Fruchtähre beziehen. Wegen der Aehnlichkeit mit Binsen (Rusch.Rüske =- Binse; siehe Juncus): Lidrüske [mittelhochdeutsch lit = Glied] (Ostfriesland), Hollrusch, Hillrusk(Hannover). Andere Benennungen sind: Rügen (Mecklenburg), Ummet (Ostfriesland), Koscht (Kärnten).—Im Romanischen heissen die Equisetum-Arten cua d' giat (Engadin), Ceüvas gat (Heinzenberg).
1. Fruchtbare (weisslich oder rötlich) und unfruchtbare Sprosse verschieden gestaltet .... 2.1.* Fruchtbare und unfruchtbare Sprosse gleichgestaltet und gleichzeitig erscheinend, stets grün 5.
2. Fruchtbare Sprosse vor den unfruchtbaren erscheinend, astlos, nicht grün, nach der Reifeabsterbend . . ............. 3.
2 -* Fruchtbare Sprosse gleichzeitig mit den unfruchtbaren erscheinend; erstere anfangs meist bleichund astlos, später grün und verzweigt........................ • 4.
3. Aeste einfach. Stengelscheiden grün, 10 bis 15 zähnig........E. pratense nr. 57-
3.* Aeste wieder quirlig verzweigt. Scheidenzähne 3 bis 4, so lang als die Scheidenröhre
E. silvaticum nr. 56.
4. Scheiden der fruchtbaren Sprosse 20 bis 35 zähnig; unfruchtbarer Stengel beinweiss oder grün-lich, stielrund.......................... E. maximum nr. 58-
4.* Scheiden der fruchtbaren Sprosse 8 bis 12 zähnig; unfruchtbarer Stengel grün, gefurcht
E. arvense nr. 59.
5. Sporenähre stumpf. Stengel glatt oder kaum rauh, nicht überwinternd ........ 6-
5.* Sporenähre spitz. Stengel mehr oder weniger rauh, oft überwinternd......... J.
*) lat - equus = Pferd und lat. seta = Borste, Haar. Die Pflanze hiess bei den Griechen lanovoiq =ferdeschwanz, wohl wegen der feinen Aestchen mancher Arten.